Nord Stream 2: Fertigstellung jetzt gesichert?

Naclador, Göttingen, Mittwoch, 23.06.2021, 10:28 (vor 1668 Tagen)3707 Views
bearbeitet von Naclador, Mittwoch, 23.06.2021, 10:34

Der Saker hat für die Unz Review einen Artikel über das Biden-Putin-Treffen in Genf am 16.06. geschrieben. Seiner Meinung nach haben die USA ihren Versuch aufgegeben, die Fertigstellung der NS2-Pipeline aufzuhalten.

http://thesaker.is/the-geneva-summit-nothingburger-or-watershed/

Seht Ihr das auch so? Würde sich das mit einer Kanzlerin Baerbock nochmal ändern?

Weitere Punkte, auf die Biden und Putin sich geeinigt haben:

- Ein Übereinkommen, Cybersicherheit auf der Expertenebene zu diskutieren.
- Eine gemeinsame Erklärung für Strategische Stabilität.
- Ein Übereinkommen, noch nicht geklärte Themen auf Expertenebene zu diskutieren.
- Die Rückkehr des russischen und US Botschafters auf ihre jeweiligen Posten.
- Eine Diskussion eines Gefangenenaustauschs.
- Eine Diskussion über mögliche zukünftige Waffenkontrollverträge.

Ansonsten haben die Amis noch ihre ganzen Steckenpferdthemen angeschnitten, ohne dass es dort zu Zugeständnissen gekommen wäre:

- Ukraine und Weißrussland
- Menschenrechte aka Navalny und Co.
- angebliche russische Einmischung in westliche Wahlen
- angebliche russische verdeckte Aktionen gegen die USA
- die angebliche russische Bedrohung der EU oder in der Arktis
- russische Verbindungen zum Iran und nach China

Nach des Sakers Einschätzung wurden zwei Dinge deutlich bei dem Treffen:

1. Die US-Politik gegenüber Russland seit 2013 ist gescheitert.
2. Russland ist ein gleichwertiger Partner der USA, der nicht herum geschubst, bedroht oder angegriffen werden kann.

Ein Abschnitt, den ich noch übersetzen möchte:

"Ich bin nicht so naiv zu glauben, das alles sei in Stein gemeißelt.

Erstens wissen wir, dass US-Politiker typischerweise sich mit ihren russischen Amtskollegen treffen und "A" sagen, nur um später nach Hause zu kommen, vor der Kriegslobby einzuknicken und "nicht-A" zu sagen. Trump hat das getan, wie auch Kerry und viele andere. US-Diplomaten sind meistens unwissende politische Beauftragte und / oder kriegstreiberische Neocons, die einfach intellektuell nicht in der Lage sind, mit ihren russischen Amtskollegen fertig zu werden (James Baker war vermutlich der letzte wirklich fähige US-Außenminister).

Zweitens wissen wir alle, dass Biden in Wirklichkeit "Biden" ist (Der Mann selbst ist nur die Fassade, wirkliche Entscheidungen werden durch das Kollektiv "Biden" gefällt.), was bedeutet dass selbst wenn er und selbst Bliken (sic) bei etwas übereinstimmen, das keinesfalls bedeutet, dass sie bei dieser Überzeugung bleiben werden. Schließlich ist es objektiv betrachtet sehr schwierig, das Getane ungeschehen zu machen: Acht Jahre voller selbstwidersprüchlicher Wahnvorstellungen über sich selbst und den Rest der Welt haben den Vereinigten Staaten massiven Schaden zugefügt, und es bräuchte nun beinahe ein Wunder um einen Kurs umzukehren, den mindestens zwei US-Regierungen törichterweise verfolgt haben.

Dennoch, was Biden tat und sagte war offenbar sehr absichtsvoll und gut vorbereitet. Dies ist kein Fall eines senilen Presidenten, der den Fokus verliert und nur (defätistischen) Unsinn ausspuckt. Daher müssen wir davon ausgehen, dass es in der derzeitigen US-Machtstruktur auch jene gibt, die entschieden haben, dass Biden einem neuen, anderen Pfad folgen oder wenigstens die Rhetorik verändern muss. (Hervorhebung im Original) Ich weiß nicht, wer oder was dieses Segment der US-Machtstruktur ist, aber ich bringe vor dass etwas passiert sein muss was zumindest Teile der herrschenden Klasse der USA gezwungen hat zu entscheiden, dass Obamas Krieg gegen Russland gescheitert ist und dass eine andere Herangehensweise geboten ist. Das ist zumindest die optimistische Sichtweise.

Die pessimistische Sichtweise würde bedeuten, dass wie ein Boxer der zu viele Schläge einstecken musste und sich kurz verschnaufen muss, die Führer des Imperiums ebenfalls nur eine kurze Pause benötigen, 'um Luft zu holen', bevor sie mit ihrem endlosen Zyklus aus kleinlichen Angriffen, Drohungen und Anschuldigungen gegen Russland fortfahren.

Die Zeit wird zeigen, welche Gruppe Recht hat. Ich setze auf die Pessimisten (wie üblich)."

Viele Grüße,
Naclador


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