das Problem des Seins

mh-ing, Mittwoch, 17.02.2021, 16:20 (vor 1780 Tagen) @ Oblomow1857 Views

Ja, dem ist nicht komplett zu widersprechen. Lügen gehört zum Überleben. Wer nicht lügt, wird platt gemacht. Ohne Lüge lebt keiner, viele müssen sich selbst sogar belügen, um zu überleben.
Aber andernseits zeigt unsere körperliche Reaktion beim Lügen, dass hier etwas falsch läuft.

Dieses Problem ist m.E. eines der zentralen Ansatzpunkte für unsere Jenseitsorientierung. Hätten wir kein Dilemma (inneres Gewissen ....) wären wir freier und es wäre alles nur materiell.

Das Konzept aus "Lüge" ist auch zu hinterfragen. Lüge ist untrennbar mit der Wahrheitsfrage verbunden und Wahrheit ist für uns keine absolute Größe, sondern ist mit der Macht/Autorität verbunden. Wer Macht hat, bestimmt die Wahrheit. Wer die Mehrheit hat, bestimmt die Wahrheit. Wahrheiten werden daher meist geglaubt oder vermittelt.
Folglich muss es unterschiedliche Wahrheiten geben, was zwangläufig zur Konfrontation führen muss. Da diese durch die Macht im Erfolg bestimmt wird, ist damit wiederum Wahrheit eine Machtfrage.
Daher sind "Lüge" und "Wahrheit" nicht bestimmbar und variabel, positionsabhängig und nie absolut, außer man wäre eben als Gott über den Dingen stehend. Daher sind religiöse Schriften auch nicht im Diesseits sondern Jenseits begründet, da das die größte Autorität besitzt und nicht weiter hinterfragbar.

Die Lüge ist daher auf einer anderen Ebene zu sehen. Wenn ich etwas weiß, von etwas überzeugt bin, etwas denke/glaube/meine/erfasst habe, dann aber völlig anders als das handle, mich äußere, komme ich in den Konflikt und werde zum "Lügner". Daher ist "Lüge" immer individuell als Gewissensfrage zu sehen, nie absolut. Daher kann ich niemanden verdammen für eine abweichende Sicht, wenn er diese denn glaubwürdig und wahrhaftig hat.

Hier aber nun ist das Problem, dass wir in niemandens Kopf hinein sehen können. Ob diese Regierenden sich selbst täuschen/belügen, im bewussten Lügen, oder verführte Lügner sind, das ist schwer von außen einzuschätzen. Daher sollte man eher einfach das bessere unterstellen und in Respekt einander begegnen, auch wenn es schwer fällt.

Dem Konzept der Wahrheit/Lüge sollte man auch das Konzept der "Barmherzigkeit" zuordnen. Dieses Prinzip hebelt die Verurteilung aus und lässt leben, auch wenn man es formal so nicht verdient hätte. Es gibt Gnade, wo man es nicht erwartet und Hilfe, die man nie gedacht hätte. Man kann es auch salopper mit "Leben und Leben lassen" formulieren. Viele -auf allen Seiten der Spektren - sind so hartherzig und verurteilend und wissen nicht, wie dumm das oft ist.


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