Alltagsphilosophisches

Weiner, Donnerstag, 17.12.2020, 12:21 (vor 1858 Tagen) @ sensortimecom2852 Views

Hallo Sensortimecom, vielen Dank für Deine Antwort!

Was jemand aus dem Blickwinkel der Philosophie, besser gesagt Ontologie oder Phänomenologie, rein interpretiert, ist eine andere Sache. Daher kann ich mit deinen Zeilen wenig anfangen.

Es ist Dir ganz bestimmt klar, dass Physik auch nichts anderes ist, als eine riesige "Rein-Intepretation"!

Wenn Du beispielsweise auf "Quantenzustände" abhebst, dann könnte ich Dir die ersten Sätze des entsprechenden Wikipedia-Artikel zitieren, aus denen ganz klar hervorgeht, dass es sich hier um menschliche VORSTELLUNGEN handelt:

Ein quantenmechanischer Zustand ist die Beschreibung des Zustands eines physikalischen Systems nach den Regeln der Quantenmechanik. Sie unterscheidet sich grundlegend von der Beschreibung des Zustands nach den Regeln der klassischen Physik, damit die an quantenphysikalischen Systemen gemachten Beobachtungen erfasst werden können. Zu den verschiedenen Interpretationen der Quantenmechanik gehören unterschiedliche Zustandsbegriffe. Dieser Artikel behandelt den Zustandsbegriff der weit verbreiteten Kopenhagener Interpretation.

(Unterstreichungen und kursive Markierungen von mir)
https://de.wikipedia.org/wiki/Zustand_(Quantenmechanik)

Um über die ZEIT zu philosophieren, braucht man keine Physik. Denn sie ist so alltäglich, dass jeder darüber nachdenken kann.

Was ich postuliere, ist folgendes: ZEIT existiert nie unabhängig von Materie,

Ist nicht ganz richtig, insofern Materie nur eine bestimmte Konfiguration von Energie ist. In die 'Energie', als Begriff, wurde die 'Zeit' gleich mit hineingenommen (von den menschlichen Definitoren). Denn Energie ist Kraft über die Zeit bzw. über die Zeit entfaltbare Kraft.

Richtig ist, und darauf willst Du vermutlich hinaus, dass Zeit nur 'aufscheint', wenn Veränderungen mit einander verglichen werden (können). Und Veränderungen, im einfachsten Falle eine Bewegung im Raum, benötigen immer eine Ursache, die wir dann als Kraft oder Energie bezeichnen. Die beiden letztere sind uns aber nicht direkt zugänglich, wir können ihre Existenz nur erschließen und postulieren - eben aufgrund von wahrgenommenen Veränderungen. Ich bezeichne eine solche hintergründige Existenzweise als 'transzendent' (das würde aber wohl nicht jeder studierte Philosoph so mitunterschreiben ...).

Man kann alle Veränderungen, die es je gab und je geben wird, als Vielheit bzw. Vielfalt zusammenfassen. Die Zeit ist dann eines der Gefäße, mit dem Vielheit ermöglicht wird. Das andere derartige Gefäß ist der Raum. Wir könnten uns einen Raum vorstellen(!), in dem sieben Klötze unbeweglich an immer der gleichen Stelle liegen - über alle Ewigkeiten hinweg. Dann hätten wir sowohl sieben Dinge wie auch den Raum. Aber wir hätten keine Zeit. Ein Sieben-Krüppel-Dasein eben nur ...

Ev. auch dazu lesen: www.sensortime.com/time-de.html
Dort habe ich mal die Beweisführung versucht, anhand einer Patentanmeldung.

Ich habe mir das vor einiger Zeit mal angesehen - vielen Dank!-, und ich war (bzw. bin ...) wirklich sehr beeindruckt. Vermutlich hast Du besser verstanden, was "Leben" ist, als mancher Biologe. Es geht im Kern aber nicht um die Zeit sondern um die Energie/Kraft. Ich glaube, es war Lotka, der das vor hundert Jahren als Erster so richtig begriffen hat. Siehe hierzu ggfs. Ariane Tanner, Die Mathematisierung des Lebens: Alfred James Lotka und der energetische Holismus im 20. Jahrhundert (Tübingen, Mohr Siebeck, 2017).

Beste Grüße, Weiner


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