Danke @nereus für Deine Ausführungen

Plancius, Sonntag, 15.03.2020, 16:45 (vor 2156 Tagen) @ nereus3180 Views
bearbeitet von Plancius, Sonntag, 15.03.2020, 16:50

Hallo @Nereus,

ich weiß, dass Du kein Moralist bist, sondern immer versuchst, eine Sache aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Ein zentrales Problem ist, dass es bei der Mehrheit der Menschen gar kein Risikobewusstsein für die Pandemie gibt. Ich habe meiner 85jährigen Tante empfohlen, ihre Geburtstagsfeier zu verschieben, um sich seblst un die anderen, vor allem älteren Gäste, keinem unnötigen Risiko auszusetzen. Sie meint daraufhin jedoch, wenn sie noch nicht mal ihren Ehrentag feiern kann und nicht die Familie um sich sehen kann, dann könne sie auch gleich sterben.

Ähnliches bei meiner 82jährigen Schwiegermutter. Wir haben ihr angeboten, die Einkäufe für sie zu erledigen, um unnötige soziale Kontakte zu vermeiden. Aber auch hier das Argument, sie habe schon viel in ihrem Leben erlebt und könne in Corona keine Gefahr erkennen. Sie mache sich in ihrem Kaffeekränzchen nur lächerlich, wenn sie das Haus nicht mehr verlässt. Dabei geht es gar nicht darum, die Leute zu Hause einzusperren, sondern nur bestimmte riskante private und öffentliche Räume zu meiden. Aber da redet man leider gegen Wände an.

Zentrale Frage unter der gegenwärtigen Konstellation ist die Frage: Wem kann ich wieviel zumuten, um den Anstieg der Infektionen in den Risikogruppen zeitlich zu strecken? Wie ist dieses Ziel mit den geringsten gesellschaftlichen Kollateralschäden zu erzielen?

Und hier kommt man um das Fällen eines Werturteils nicht herum.

Unsere Politiker haben nun entschieden, die Schulen und Kitas zu schließen und wahrscheinlich auch noch weitere Bereiche im gesellschaftlichen und politischen Laben einzuschränken bzw. stillzulegen.

Was ist das Ergebnis der Schul -und Kitaschließungen? Viele Kinder werden in den nächsten Wochen von ihren über 65jährigen Großeltern betreut. Gerade die Gruppe der Älteren, die von den Kindern möglichst ferngehalten werden sollte, setzt sich nun erst recht dem Risiko einer Ansteckung aus. Gut gemeint ist eben auch nicht gut gemacht.

Mein Vorschlag läuft darauf hin, die sozialen Kontakte der Älteren einzuschränken. Ich halte es für zumutbar, die Älteren in den nächsten Wochen einer gewissen sozialen Quarantäne zu unterziehen, als wie es jetzt geschieht, das wirtschaftliche Leben lahmzulegen und viel Unglück an anderer Stelle zu provozieren.

Die soziale Quarantäne der Älteren könnte man z.B. wieder dazu nutzen, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zwischen alt und jung zu stärken. In meiner Kindheit war ich Junger Pionier und habe mit Enthusiasmus die Einkäufe für ältere Bürger, die selbst keine Angehörigen mehr im Dorf hatten, übernommen, deren Straße gefegt oder deren Vorgarten geharkt. Dieses freiwillige soziale Engagement und das Bewusstsein, das alt und jung sich gegenseitig bedingen, fehlt den Kindern heute bzw. wird ihnen nicht vermittelt.
So könnten die Kinder oder Jugendlichen jetzt für die Älteren einkaufen oder ihnen ein warmes Essen bringen.

Parallel hierzu könnte der Virus sich unter den jüngeren, geringeren Risikogruppen ausbreiten, bis eine Herdenimmunität erreicht ist, ohne das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben unverhältnismäßig einzuschränken.

Leider ist eine Diskussion über die von mir dargestellte Alternative mit Moralisten, wie sie sich hier im Forum tummeln, nicht möglich. Außer Angriffe ad hominem and lautem Gegackere haben sie nichts anzubieten.

Gruß Plancius

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER


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