Man kann sehr viele Fragen stellen.

nereus, Sonntag, 15.03.2020, 11:06 (vor 2156 Tagen) @ Plancius3203 Views

Hallo Plancius!

Du schreibst am Ende: Sicher sind meine Gedanken noch etwas unausgegoren ..

Ich schätze Dich als besonnenen Schreiber sehr, aber hier muß ich einmal etwas reingrätschen. Ich hoffe Du nimmst es mir nicht krumm.

Diejenigen, die jetzt Panik schüren, einen primitiven Moralismus predigen, den sie sonst an den Gutmenschen verurteilen, die gegen ein Übermaß an Staatseingriffen sind, halten jetzt den totalen Staat, die totale Kontrolle und den Gang in die Verarmung für unabdingbar, um einer Gefahr zu begegnen, die noch nicht einmal in ihrem Umfang erkennbar ist. Das hat für mich viel Ähnlichkeit mit der Klimareligion.

Es gibt eingebildete Gefahren und es gibt echte Gefahren.
Was in 30 oder gar 50 Jahren ist, weiß kein Mensch.
Krankheitsverläufe oder Pandemieausbreitungen sind jedoch relativ gut erforscht und in ihrer Brisanz darstell- und vorhersagbar.

Will man hier wirklich etwas reißen, dann muß man schnell und effektiv „zuschlagen“.
Verbindliches politisches Gesäusel bringt da nichts, außer sich langsam steigernde Unsicherheit.
Schon Ende Januar hat z.B. der Virologe Kekule empfohlen, drastische Maßnahmen zu ergreifen (z.B. Verlängerung der Schulferien) um effizient vorzugehen.
Da zierte sich das verdorbene Establishment noch und betete alles gesund.
Nach 5 bis 6 sinnlos verlorenen Wochen macht man es nun doch, obwohl jetzt die Wirkung ungleich harmloser sein wird.

Das ist keine Führungsstärke, das ist Wischi-Waschi-Wohlfühl-Politzirkus, der einfach nur fahrlässig ist!
Das Regierungsgeschmeiß hat bis heute keine Grenzschließung veranlaßt.
Das depperte Gebabbel von @Diogenes Lampe und dem wahren Kanzler Seehofer ist einfach nur für die Tonne.
Selbst dem devoten Brinkhaus ist kürzlich der Kragen geplatzt, als er den handlungsunfähigen Eisenbahnliebhaber beschwor endlich tätig zu werden.

Wäre es nicht ohne weiteres praktikabel, statt Notverordnungen durchzusetzen, Empfehlungen an Hochrisikogruppen auszusprechen und detaillierte Handlungsanweisungen und Informationen zu verteilen. Dann liegt es in der Verantwortung eines jeden Einzelnen, wie er der Pandemie begegnet.

Wenn die Brücke einzustürzen droht, kann ich zwar ein Schild aufstellen: „Betreten nur auf eigene Gefahr“.
Dennoch hafte ich moralisch für die darunter liegenden Häuser, wenn das Viadukt doch einstürzt, weil sich ein paar Unbesorgte mal etwas Nervenkitzel gönnen wollten und ich zu lau war echte Entscheidungen zu treffen.

Bei allen Gesprächen, die ich in der letzten Zeit geführt habe, ist fast überall die Meinung verbreitet, dass Panikmache betrieben wird. Solange keine Toten aus den Häusern getragen werden, fühlt man sich weit weg von jeglicher Gefahr.

Genau das ist der Punkt!
Man will die Toten sehen, die aus den Häusern getragen werden.
Dann ist es allerdings zu spät.
Das ist wie die langsame Bevorratung, die von Familie und Nachbarschaft milde belächelt wurde, weil man seit Monaten 3 oder gar 4 Packungen Toilettenpapier mehr lagert als üblich.
Genau die, die das bislang wegschmunzelten und weder Blackout noch Finanzcrash irgendwie auf der Rechnung hatten, schlagen sich dann bei DM, Rossmann oder diversen Discountern um den schmalen Rest der verbliebenen Packungen.

Was ist inkonsequent? DAS ist inkonsequent.
Es wird schon irgendwie werden, obwohl sich der Horizont eintrübt und dann das Messer zücken, wenn man den letzten Regenschirm nicht mehr ergattert hat.

Wenn man nicht das Aussprechen von Empfehlungen präferiert, könnte man als drastische Maßnahme auch eine Ausgangssperre für über 65jährige bzw. Hochrisikogruppen verhängen. Der Aufwand hierfür wäre auf jeden Fall erheblich geringer als das Provozieren eines wirtschaftlichen Stillstands mit all seinen katastrophalen Folgen.

Und was verhinderst Du damit?
Der wirtschaftliche Stillstand braucht keine ausgesperrten Pensionäre!
Die gehen schon lange nicht mehr malochen.
Krankschreibungen in eminenter Höhe würde ohnehin die Produktion lähmen und irgendwann zum Stillstand bringen – man berücksichtige die schwächelnden Lieferketten und zahlreichen anderen Einschräkungen, die sich nach und nach ins Geschäft fressen.

Nächste Woche z.B. feiert meine Tante ihren 85.Geburtstag mit allem drum und dran, wo sicher 70 Personen zusammen kommen. Was nützen da Schul- und Kitaschließungen, wo all diese Maßnahmen im privaten Bereich konterkariert werden und auch das Bewusstsein in der breiten Masse fehlt.

Sagen wir es mal so.
Warum schließt Du Deine Wohnungs- und Haustür ab oder hast ggf. sogar die Fenster gesichert oder eine Einbruchmeldeanlage?
Und warum hast Du eine Unfall- oder Risikolebensversicherung?
Weil Du nicht ganz sicher bist, daß nicht doch einmal die Einschläge des Lebens an Dir vollständig vorbei ziehen.
Du wappnest Dich für den Fall der Fälle, um dann nicht komplett mit herunter gelassenen Hosen dazu stehen.

Die Schutzmaßnahmen können als Filter verstanden werden, der schon einmal die gröbsten Bestandteile aussortiert. Das bietet keine 100 % Sicherheit, aber erheblich mehr, als wenn man überhaupt nichts täte.
Warum werden regelmäßig Brandschutzkontrollen gemacht, wenn es doch viel seltener brennt?
Warum wird Inspektion und Wartung betrieben, wenn doch Motor und Pumpe funktionieren?

Zum Abschluß noch ein Bild.
Deine 85-jährige Tante spitzt ihr feines Näschen – das funktioniert noch ganz hervorragend, auch wenn Hör- und Sehkraft schon etwas nachgelassen haben.
Sie murmelt: „Irgendwie riecht es hier verbrannt“.
Du hast jetzt die Möglichkeit einmal nachzuschauen, draußen vor der Tür oder in den angrenzenden Räumen oder Du bleibst halt sitzen und bemerkst süffisant: „Da hat wohl Onkel Herbert wieder ein paar warme Winde durch die Tunnel seiner Gedärme wehen lassen.“
Du bleibst halt sitzen und bewegst Dich erst, wenn sich alle an der schmalen Tür zum Ausgang drängeln und 3 Tage nach Tantchens Geburtstag bei der Pietät ein Termin vereinbart werden muß, weil sie es nicht mehr geschafft hat.

Ich wünsche Dir und den Gästen eine wunderschöne Feier, ohne eingebildeten oder echten Brandgeruch und ohne Hustenanfälle. [[zwinker]]

mfG
nereus


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