Aktien sind immer noch zu billig, sagte mir gestern ein Freund

Stagflati, Donnerstag, 13.02.2020, 08:22 (vor 222 Tagen) @ Dieter775 Views

Hallo Dieter,

gestern sprach ich mit einem Freund, der den Aktienmarkt für unverwundbar hält. Nirgendwo könne er so schnell Geld verdienen wie dort, sagte er mir, u.a. wegen der Zentralbanken. So gesehen seien Aktien immer noch zu billig. Es ist aber exakt jene Sorgenlosigkeit und fast schon Überheblichkeit, die ich Ende 1999, Anfang 2000, schon erlebt habe. Für mich ein Kontraindikator also.

In einer Aktien-Hausse geht die Schere zwischen Preis und Wert irgendwann so stark auf, dass sie früher oder später zuschnappen muss. Natürlich weiß niemand, WANN das sein wird, aber es ist bis dahin ein Tanz auf dem Vulkan oder gar ein Ritt auf der Rasierklinge.

Und erinnern wir uns doch: Anfang 2016 und Ende 2018, also durchaus schon in Zeiten hyperaktiver Zentralbanken und niedriger Zinsen, gingen die Aktienkurse deutlich nach unten. Das ist also MÖGLICH! Als Ursache für die scharfe 2016er Korrektur wird wesentlich die Angst vor "China Hard Landing" angesehen. Ende 2018 soll es die Angst vor steigenden Zinsen gewesen sein. Das sind natürlich alles gewichtige Gründe, wesentlich schwerwiegender als so ein lächerliches Corona-Virus.

Nun ist es mit den Kursen und den Nachrichten aber so eine Sache. Während im Kindergartenalter noch angenommen wird, Nachrichten machten Kurse, ahnen größere Kinder schon, dass in Wirklichkeit die Kurse die Nachrichten machen. Das macht es aber nicht einfacher, eher noch undurchsichtiger, weil die Kursentwicklung dann, zumindest kurz- und mittelfristig, noch weniger fundamental getrieben zu sein scheint und man sich einfach von den Kursen "überraschen" lassen muss.

Nun habe ich es nicht so mit dem Shorten. Ich erhöhe stattdessen lieber die Cashquote. Das verbrennt nicht so viel Geld, wenn man im Market-Timung daneben liegt. Wie ich hier schon mal eingestanden habe, kann ich durch einen Gendefekt nicht in die Zukunft schauen. Viele andere scheinen das hingegen zu können und sind daher zu Recht sorglos. Ich nicht.

Meine Bärenträume, das ist nicht die Lust am Weltuntergang, es ist eher ein Value-Empfinden und daher rationaler Art. Denn wenn die Schere zwischen (Aktien-)Preis und (Unternehmens-)Wert immer weiter aufgeht, dann ziehe ich mich als Investor zurück. Und komme gern zurück, wenn die Kurse wieder "vernünftiger" sind, wie zB. Anfang 2016 und Ende 2018.

Denn ob dieses Mal wirklich alles anders ist, wage ich immer noch zu bezweifeln.

Gruß

Stagflati


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