Strategie für Schrumpfhausen

paranoia, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Sonntag, 25.10.2026, 00:48 (vor 1 Tag, 19 Stunden, 16 Min.) @ Plancius1627 Views
bearbeitet von paranoia, Sonntag, 25.10.2026, 01:06

Hallo Plancius,

Unsere Stadt hat es bisher geschafft, ihre Aufgaben ohne Neuverschuldung zu bewältigen.

Soll wahrscheinlich heißen, ohne "Nettoneuverschuldung", denn Deine Stadt hat ja Schulden, die sie so überrollt, oder?

Leider schrumpft Deine Stadt. Für mich stellt sich die Lage eher als ein Desinvestitionsfall als ein Investitionsfall aufgrund der Bevölkerungsentwicklung dar.
Aufschlussreicher wäre hier vielleicht die momentane relative Bevölkerungsentwicklung gewesen.

Hier in Niedersachsen gibt es auch Schrumpfgemeinden, z.B. im Harz, meine ich. Mach' Dich doch mal bei denen schlau. Hat der "Städtetag" dazu Infos?
Wie sieht es aus mit der Zusammenlegung von Funktionen mit Nachbargemeinden?

- Neubau von Feuerwehrgerätehäusern

Warum konkret neubauen? Muss das Gerätehaus beheizt werden? Muss eigentlich nur das Dach abgedichtet werden?

- Neuanschaffung von Feuerwehrfahrzeugen

Reparieren die Feuerwehrmänner selber? Dann wäre die Sicherstellung einer beheizten Werkstatt wichtig. Wie alt sind denn die Fahrzeuge? Wie hoch sind die Wartungs- und Reparaturkosten?
Explodieren die Reparaturkosten oder kann man den Fahrzeugbestand kostenarm reparieren?

Wäre es möglich einen Standort zu schließen und Personal und Material in eine Nachbargemeinde zu verlegen und dort zusammen in einen Neubau zu investieren?
Bei Rettungswagen gibt es ja wohl ein Gesetz über die maximale Fahrzeit bis zum Einsatzort.
Hier in Hannover ist die Südstadtwache (der Feuerwehr) zur Messe umgezogen.
Die Messe hat den Umzug bezahlt und hat nun Feuerwehr auf eigenem Gelände.

- Umbau und energetische Sanierung der Schulzentren

Lernen Schüler nach Umbau mehr? Oder ist nur das Dach undicht?
Wo finden sich die größten Ausgaben der Stadt? Bei der Beheizung von Schulen oder für die öffentliche Beleuchtung?
Vielleicht ist auch die Umstellung der öffentlichen Beleuchtung auf LED drin?
Nebenbei könnt ihr auch die Beleuchtungsintensität reduzieren, dann gibt es noch mehr Ersparnisse als nur durch den Technologiewechsel. In meiner Heimatstadt wurde nicht nur auf LED umgestellt, sondern auch die Beleuchtungsintensität oder besser der Lichstrom (Lumen) abgesenkt. Die Reduktion war so stark, dass es mit bloßem Auge auffiel.

- energetische Sanierung öffentlicher Gebäude mit Einbau von Wärmepumpen

Da habe ich keine Ahnung von. Bei einem Stromausfall ist dann auch nichts mehr mit einem öffentlichem Gebäude als Wärmeinsel.

- Schaffung öffentlicher Ladesäuleninfrastruktur

Ist überhaupt die Klientel dafür da? Frag' mal Deine Stadtwerke, wie hoch das Niederspannungsnetz bei Euch ausgelastet ist. Bei uns in der Südstadt von Hannover aber auch in anderen Stadtteilen wurden viele neue Trafos mit 640 kVA installiert. Wenn Du eine öffentlichen Ladesäuleninfrastruktur schaffst, dann bitte nur, wenn die vorhandenen Trafos das hergeben. Laden dann nur mit Minimalleistung, also einphasig mit maximal 16A, wenn die Trafos hoch ausgelastet sind - Trafoneukauf vermeiden!

Das Problem dabei ist, dass die Förderung in der Regel nicht über 25% hinausreicht, nur bei wenigen Projekten, die eigentlich niemand braucht um die 75% ausmacht.

Weil pro Jahr 3 x mehr Menschen sterben als geboren werden - bald werden es 4 x sein - wird der kommunale Haushalt sogar sukzessive schrumpfen und der Schuldendienst pro Einwohner damit immer weiter wachsen.

Nachtrag:
Falls Du im ländlichen Bereich arbeitest:
Die Bauern pflastern ja gerne ihre Gebäude mit PV-Anlagen. Da wo früher die Spannung am niedrigsten war (am Ende des Niederspannungsnetzes), ist sie jetzt am höchsten im ganzen Niederspannungsnetz. Die Bauern heben die Spannung dann mit ihren PV-Anlagen von der Nennspannung von 230 Volt aus an (maximal sind +10% also 253 Volt zulässig). Abhilfe schafft ein Stelltransformator. Lass' mal prüfen, ob Du dessen Kauf und Installation den Bauern ganz oder zum Teil in Rechnung stellen kannst.

Schau' mal, was Du mit anderen Gemeinden zusammenlegen kannst und rechne mit spitzem Bleistift.
Vielen Dank, dass Du Deine Zeit für Kommunalpolitik opferst. Eine Kollegin war auch kommunal engagiert.
Da sind so Themen zu bearbeiten, die sind so trocken, da braucht man Haare auf den Zähnen und eine große Schmerztoleranz.

Viel Erfolg!

Gruß
paranoia

P.S:
„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.


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