Die historische überprüfbare Praxis lehrt aber, … | Es ändert anderseits auch nichts …
Hallo Lenz-Hannover
Aus …
1. Re: Gefährlich gut dieser Dimi! - Zur Entschärfung verfasst von Dimi, 11.03.2001, 13:30
Liebe Freunde der Gelddiskussion,
ich möchte hier einen Ausschnitt meiner derzeitigen Vorstellungen zusammenfassen, damit sich niemand mit einem "gefährlichen" Unbekanntem unterhalten muß:
- Bei der Analyse von Geld, Geldentstehung, Inflation und Deflation kommen sowohl Kredit- als auch Tauschbetrachtungen zum Einsatz. Baldur fühlte sich an die Physik erinnert, eine Art Kredit-Tausch-Dualismus, Rudow sprach gewissermaßen von einer Vereinigung Monetarismus-Debitismus.
- Die Kreditbetrachtungen dominieren für unsere heutige Zeit: Der Anteil des Bargeldes ist gering. Technisch könnte er sogar auf Null zurückgeführt werden (Giralgeld usw.).
- Unsere akuten Probleme sind im Umfeld des Kredits zu sehen (z.B. hohe Debt/GDP-Ratio). Die Lösung wird um den Kredit nicht herumkommen.
- Abstrakt gesehen ist es völlig egal, ob in Fort Knox viele Tonnen oder ein paar Gramm Gold liegen. Es kümmert mich nicht, solange der Wirt mein Geld akzeptiert.
" />
- Insbesondere aufgrund menschlicher Unzulänglichkeiten kann Gold aber auch heute eine Rolle spielen, in zweifacher Hinsicht.
Zum einen: Da sein Vorkommen begrenzt ist, kann es eine Hilfe sein gegen übermäßige Geldschöpfung. Den diesbezüglichen Nutzen schätze ich aber gering, denn auch in einem Goldstandard kann man Kredite schöpfen. Zudem kümmern sich Staaten nicht um den Goldstandard, wenn sie (z.B. Vietnamkrieg) Anleihen auflegen (und schaffen ihn danach ggf. einfach ab). Wir benötigen also schärfere und bessere Maßnahmen:
- Für die Privatwirtschaft, indem andere Finanzierungsmaßnahmen wo möglich durch die Gesetzgebung bevorzugt werden (z.B. Aktienemission statt Kreditfinanzierung ab Mittelstandsgröße), und durch Verhinderung unproduktiver Kreditschöpfung (z.B. Aktienrückkauf auf Kredit).
- Für den Staat durch weitgehendes, besser vollständiges, strikt und unabhängig, auch extern (international) überprüftes und durchgesetztes Kreditverbot.
- Der Staatskredit unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht nur gering vom Privatkredit, in der Praxis aber sehr: Eine Straße usw. kann durchaus kreditfinanziert sinnvoll erstellt werden, da dies die Wirtschaft fördert und so künftig höhere Steuereinnahmen zu erwarten sind. … daß der Staatskredit in die Überschuldung führt.
- Zur zweiten Rolle des Goldes: Sie ist eine stabilisierende in Zeiten, in denen Geldprobleme herrschen (insbesondere schwere Krisen). Hierzu ist Gold nicht zwingend nötig, sondern eine (im Prinzip psychologische) Hilfe. Diese psychologische Rolle kommt ihm durch seine staatsüberdauernde, Jahrtausende alte Werterhaltung zu.
- Auch Gold ist bloß aufgrund menschlicher Akzeptanz als Geld von Bedeutung als Geld. Diese kann verschwinden, wie sie für Muscheln und z.T. auch für Silber verschwunden ist. Sie kann aber auch wiederkommen (z.B. im Falle eines Zusammenbruchs des derzeitigen Geldsystems).
- Deckungsüberlegungen halte ich für zweitrangig (aber nicht für gänzlich unbedeutend). Das gleiche gilt für Überlegungen zu fiat money, Falschgeld usw. Man kann sie anstellen, sie sind im Moment zweitrangig.
- Sekundärgelder wie Privatgelder, `Freigelder' usw. halte ich für sekundär, sie mögen eine Rolle zu Sonderzeiten spielen. Bei Privatgelder etwa sehe ich nur geringen Nutzen (sie verhindern insbesondere keine übermäßige Kreditschöpfung), aber Nachteile (u.U. Wechselkosten zwischen den Geldern, Betrügereien, aufwendige Überprüfung des Unternehmers usw.).
Normalerweise benötigen wir bloß ein gutes Geld. Die Basis für dessen Umsetzung sehe ich in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft (naja -, wo denn auch sonst
" />).
- Wir benötigen angemessen gutes Geld, kein besseres, vor allem kein schlechteres Geld als nötig.
- Wir benötigen historisch (zeitlich) angepaßtes Geld. Aufgrund des Standes der Technik und aufgrund eines funktionierenden Staatswesens benötigen wir z.B. kein Warengeld mehr.
- Definitionen stelle ich nicht in den Mittelpunkt. Es ist mir z.B. egal, ob einer nur Bargeld "Geld" nennt und den Rest Kredit, oder ob ein anderer allen Kredit, sofern ihn irgendjemand akzeptiert, "Geld" nennt - man muß bloß wissen, was gemeint ist (und es sollte natürlich im Kontext sinnvoll sein).
Alles obige ist derzeitige Vorstellung, damit Ihr Euch ein Bild machen könnt, wie auch ich mir ein Bild von den Vorstellungen z.B. von Dottore machen konnte. Ich halte die Analyse für noch nicht abgeschlossen. Ich habe keine Lust, irgendetwas zu "verteidigen" (Diskussionen sind aber natürlich möglich).
Gruß, Dimi
Quelle: https://archiv.dasgelbeforum.net/ewf2000/search.php?search=Geldentstehung+und+Debitismu...
… wird ein halbes Jahrzehnt später:
2. Re: "Debitismus"-Quatsch-Quatsch! verfasst von Dimi, 04.08.2005, 15:51
→ Na dann wage ich mal eine Prognose, ohne sie gross auszuführen:
> Die Theorie des Debitismus wird sich nicht durchsetzen und höchstens als "intellektuelle Leiche" in drittklassigen Bibliotheken enden.
Der Debitismus, das Verständnis des Geldes aus der Kreditsicht her, ist genauso richtig oder falsch wie das von der Tauschsicht her. Erst beide zusammen ergeben ein erklärendes Bild der Geld&Kredit-Wirklichkeit.
Das hat der Namensgeber des Debitismus freilich nicht erkannt, und stattdessen die Abgabe ("Macht") als erklärende Größe einzuführen versucht. Dabei überging er mindestens ein halbes Dutzend massiver Einwände, und griff stattdessen die Personen an, die diese vortrugen.
Das ist freilich sein Bier. … daran, daß die bestehenden Erklärungsansätze, auch die debitistischen, Teil der übergeordneten Erklärung, die die Warenvielfalt und die Zeitüberbrückung zusammenführt, sind.
Gruß, Dimi
Quelle: https://archiv.dasgelbeforum.net/ewf2000/forum_entry.php?id=327561
Gruß - Ostfriese
PS:
Dr. Carsten Linnemann, Generalsekretär der CDU: "Mir ist jedenfalls kein Beispiel auf diesem Globus bekannt, wo Verschuldung zu Wachstum und Beschäftigung geführt hat. Das Gegenteil ist richtig."
Quelle: https://www.mit-bund.de/content/neustart-fuer-die-soziale-marktwirtschaft-gastbeitrag-w...