Er bewirbt sich nicht als Führer, sondern als Proconsul in der Zeitenwende

Miesepeter, Donnerstag, 02.03.2023, 12:27 (vor 1093 Tagen) @ MausS3092 Views
bearbeitet von Miesepeter, Donnerstag, 02.03.2023, 13:07

er sieht den Feind genau so im Osten, wie sein historischer Vorgänger. Genau so!

Als ehemaliges Mitglied des Schwarzen Steins vertritt er natürlich die Interessen der Transatlantiker, und macht daraus auch keinen Hehl.

Das grosse Miss- bzw. Unverständnis der Gegenwart speist sich aus der öffentlichen Unterschlagung der genuin deutschen/westeuropäischen Interessen. Stattdessen werden die Interessen der (West-)Urkrainer bzw. der Transatlantiker als ebensolche ausgewiesen.

Die deutschen/westeuropäischen Interessen sind aber den älteren Semestern, denen noch Willy Brandts Ostpolitik oder Helmut Schmidt im Gedächtnis geblieben sind, noch gegenwärtig. "Damals" wurde, auch über fundamentale politische Unterschiede hinweg, ein Interessenausgleich zwischen Ländern gesucht, die völlige Ausblendung und kategorische Zurückweisung der entgegengesetzen Interessen (wie Russlands Draft proposals aus Dez.21 oder den 12 chinesischen Punkten) wäre diplomatisch verpönt gewesen. Deutschland kam aus 2 verlorenen Weltkriegen mit der Erkenntnis heraus, dass Kriege gegen europäische Nachbarn - zumindest für Deutschland - nicht zielführend sind und versöhnte sich mit Frankreich und Russland. Das Ganze kulminierte dann darin, dass Russland seine Truppen aus Ostdeutschland abzog und so die Wiedervereinigung Deutschlands ermöglichte.

Deutschland hat also in jüngster Historie sehr schlechte Erfahrungen mit kriegerischer Interessenpolitik gemacht, gleichzeitig hingegen hervorragende Erfahrungen mit konzilianter Partnerschaft.

Die USA, die postsowietischen Nationalstaaten haben einen völlig anderen, tws. entegengesetzten Erfahrungshintergrund.

Daher wird es nie gelingen, die Ukraine dahingehend zu beeinflussen, dass sie ihr Problem aus einer deutschen Warte heraus betrachtet. Funktioniert bei Ungarn zb. ebenso wenig. Ohne einen ähnlichen geschichtlichen Werdegang können sie nicht wie Deutsche denken (und wollen es auch nicht).

Umgekehrt versucht natürlich das Imperium, ebenso wie die Ukraine, jetzt das dt. Denken und in Richtung eines ukrainischen oder amerikanischen aggressiven Konfliktdenkens, wo es nur Sieger und Verlierer gibt, umzuformen. Dies hat als Leitbild in Deutschland jedoch seit '45 ausgedient, das hatten wir schonmal, und es hat sich für Deutschland nicht bewährt. Das ist im Anglobereich anders, aber wir sind nicht England.

Die Propagandainstrumente sind alle in transatlantischer Hand, und die Deutschen sind leicht beeinflussbar, insbesondere unter Gebrauch radikal idealistischer Trugbilder, sie sind zu eigenständiger Überprüfung vorgegebener Behauptungen und Reflexion in der Masse nicht fähig. Trotz alledem wird dies die Programmierung von 75 Jahren Nachkriegszeit nicht vollständig von heute auf morgen rückgängig gemacht werden können.

Aus eigentlich dt. Sicht gab es zb. Möglichkeiten zu Verhandlungslösungen. Nur eben nicht zu den angestrebten maximalen Resultaten aus ukrainisch-nationaler oder angloglobaler Interessenlage. Als Deutscher ist es heutzutage völlig ok, auch die Interessen der Gegenseite zu berücksichtigen, die Zerschlagung der Gegenseite als prioritäres politisches Ziel, insbesondere in Europa, ist andererseits der bundesrepublikanischen Politik fremd. Das ist im Anglobereich, insbesondere aber im neo-nationalen post-sowietischen Bereich anders.

Nun postulieren plötzlich die Transatlantiker, Deutschland müsse wieder militärischer denken, jetzt wäre der Einsatz der Gewalt auf der guten Seite, dh. nicht gegen die transatlantische Seite gerichtet, sondern mit ihr unter dem Banner der Demokratie und Menschlichkeit. Zu richten sei er gegen Russland. Nun hat Deutschland aber in den vergangenen 75 Jahren gelernt, mit Russland ebenso auszukommen wie mit Frankreich. Es führt keinen Krieg mehr gegen seine europäischen Nachbarn. Es hat nicht immer die gleichen Interessen oder Ansichten, aber findet Lösungen und ausreichenden Interessenausgleich im Dialog. In Russland haben viele Deutsche ausreichend Vertrauen, auch basierend auf der Erfahrung der letzten 35 Jahre (Rückzug aus Ostdeutschland, Wiedervereinigung, wirtschaftliche Partnerschaft). Darum benötigen sie auch keine Aufrüstung: Deutschland hat (bzw hatte) keine Feinde mehr in Europa. Deutschland ist nicht die Ukraine, nicht Lettland und nicht Polen.

Diese Realität versuchen die Transatlantiker den Deutschen nun wegzureden. Das klingt dann ganz ungeschminkt so:

In geopolitischer Hinsicht ist das Bild weniger überzeugend. Zwar hat sich Scholz zur Verteidigung des NATO-Gebiets gegen eine mögliche russische Aggression bekannt, doch ist nicht klar, ob die deutsche Regierung Russland wirklich als direkte Bedrohung für das Land wahrnimmt. In Berlin herrscht nach wie vor die Überzeugung vor, dass es keine militärische Lösung des Konflikts - wie etwa eine vollständige russische Niederlage in der Ukraine - geben kann und dass eine Rückkehr zu den Nachkriegsbeziehungen mit Moskau unerlässlich ist.

Ein solches Denken widerspricht nicht nur den historischen Lehren, dass manche Konflikte auf dem Schlachtfeld entschieden werden, sondern unterschätzt auch den Vertrauensverlust in Deutschland bei Berlins Verbündeten aufgrund seiner früheren Blindheit gegenüber der Bedrohung durch Russland. Zudem wird übersehen, dass der Krieg in der Ukraine und die bevorstehende NATO-Mitgliedschaft Schwedens und Finnlands den geopolitischen Schwerpunkt in Europa nach Osten und Norden verlagert haben. Letztlich steht diese Ambivalenz einer überzeugenden deutschen Haltung zu Sicherheitsgarantien für die Ukraine und der Vorstellung im Wege, dass die langfristige Sicherheit und Verteidigung der Ukraine, auch durch eine eventuelle NATO-Mitgliedschaft, für die eigene Sicherheit Deutschlands wesentlich ist. Es bleibt abzuwarten, ob Deutschlands allererste Nationale Sicherheitsstrategie - die sich aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Kanzleramt und dem Auswärtigen Amt verzögert - stärkere geopolitische Grundlagen formulieren wird. Deutschland könnte sich als die große kontinentale Macht positionieren, die Europas Sicherheit und Verteidigung gegen Russland organisiert, doch dazu muss es zunächst das Vertrauen seiner engsten Freunde wiederherstellen. Derzeit ist die Liste der Länder, die von Deutschland geführt werden wollen, kurz.

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

aus: https://www.iiss.org/blogs/analysis/2023/02/zeitenwende-one-year-on

Das ist die vorgesehene Zeitenwende. Es ist die komplette Abwendung Deutschlands von der Nachkriegspolitik, und seine Hinwendung als militärisches Bollwerk gegen Russland. Das transatlantische Imperium, nunmehr Herrscher über die Energiequellen, aus denen Deutschland versorgt wird, sowie der überseeischen Handelsrouten Deutschlands, hat ausreichend Machtmittel, um Deutschland zu dieser Wende zu zwingen.

Offener Widerstand dagegen ist nicht möglich, also verbleibt nur Sabotage, Verzögerung und Hinterlist - die Verteidigungsmittel kleiner Länder gegen übermachtige Usurpatoren. Trotzdem wird es kaum möglich sein, Deutschland aus diesem Krieg herauszuhalten, denn in Osteuropa gibt es ausreichend Länder, die imstande sind, die Lage soweit zu eskalieren, dass die NATO aktiv in das Kampfgeschehen eingreifen muss.

Letztendlich bedeutet dies, dass auch dieser debitistische Durchlauf wieder mit einem klassischen Reset beendet werden wird: Guthaben und Schulden werden spätestens in der Nachkriegsinflation genullt und Sachvermögen grossflächig physisch vernichtet, so dass danach wieder bei Stunde Null ein neuer Durchlauf gestartet werden kann. Die Familien Mohn oder Quandt werden auch dann einen ausreichenden Startvorteil besitzen. Die humanistischere grüne Vorstellung, anstatt kinetischer Zerstörung die Sachvermögen mittels Klimagesetzen schlicht als obsolet zu erklären, scheint nur noch Backuplösung zu sein.


Gruss,
mp

Tschüss Helmut.

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