Die Finanzierung durch den Staat ist begrenzt, die durch dezentrale Kreditschuldner viel, viel weniger. Gold oder Bitcoin sind völlig ungeeignet.
Hallo Beo2,
ich halte das Kreditgeldsystem, was de-facto existiert seitdem es Banknoten gibt, für ein sehr gutes System, seitdem man die Banken nach der Defla-Krise der 1930er zu überwachen begann.
Es hat uns seit Mitte der 1930er erlaubt einen Ausbau der Infrastruktur vorzufinanzieren, der ohne das eben unbegrenzte Kreditgeld niemals möglich gewesen wäre. Auch die dezentrale Geldverteilung hätte ohne die dezentrale Geldschöpfung durch die Banken niemals nie so gut funktioniert.
Das Kreditgeld scheitert NUR an zu großen Währungsgebieten. Wären die Währungsgebiete klein, könnten jede fehlerhafte Überdehnung der Kreditvergabe auf Kosten der Betriebe und der lokal betroffenen Gesellschaft wieder korrigiert werden. Was sich gut damit rechtfertigen ließe, dass die Bevölkerung eben nicht für eine ausreichende Kontrolle der Kreditvergabe durch ihre Banken gesorgt hatte, deren Pleite dann für eine Kompensation der Verluste durch die Bevölkerung sorgen würde. Gemeint ist hier die Ausbuchung von Guthaben der Sparer gegen die Ausbuchung der Restschulden einer Pleitebank, nachdem zuvor alle Aktiva der Bank verwertet wurden. Was heute aber nicht geht, weil man deutsche Sparer eben nicht für die fehlerhafte Kreditvergabe griechischer Banker verantwortlich machen kann (bzw. 2009ff konnte) oder wollte/will. Die griechischen Guthaben reichen aber natürlich nicht im Ansatz mehr aus, um die Schulden ihrer Banken zu decken, wie die Target2-Salden dokumentieren.
Eine direkte Finanzierung des Staates, die genauso läuft wie heute die Finanzierung über QE der EZB ist denkbar ungeeignet, denn sie führt, wie seit Jahren erlebt werden kann, zu Inflation, wenn einmal der Rahmen der jährlichen Steuer-Einnahmen sowie des Geld-Abflusses ins Ausland deutlich überschritten wurde.
Imperien (ob römisch, britisch, französisch oder US-amerikanisch) scheitern immer, weil Geld eben in großen Währungsräumen nicht funktionieren kann. Denn es wird sich stets in den wirtschaftlich erfolgreichen Gebieten konzentrieren und aus allen weniger erfolgreichen Gebieten verschwinden. Deshalb sind globale Währungen, wie Gold oder Bitcoin ein völlig falscher Ansatz. Wer hier andere Meinung ist, soll mir mal bitte erklären, wie arme Regionen jemals mit Bitcoin oder Gold ausgestattet werden sollten. Kreditgeld kann von einer neuen lokalen Bank stets geschaffen werden. Für Gold oder Bitcoin müsste es Sponsoren geben. Aber woher sollten selbige denn kommen und warum sollten die "ihr Gold" einfach so hingeben. Es sei denn, man würde es den Regionen wieder nur als Kredit geben. Nur dann wäre das eben wieder ein Kredit-Geldsystem und kein Gold-Geldsystem.
Lokales Gold-Geld hat im Mittelalter recht gut funktioniert, weil frisches Gold geschürft wurde und es sehr wenig Mobilität gab und das "Umschmelzen" von Münzen teuer war. Der Goldabfluss aus den USA, den Nixon 1971 beenden musste, ist mMn der Beweis für meine Abfluss-Theorie. Der Sinn den Gold mMn früher erfüllte, ist ausschließlich die Herstellung einer naturbasierten Fälschungssicherheit des Geldes, welche man heute mittels Zentralbanknoten viel billiger bei gleichzeitig viel besserer Transportierbarkeit ebenfalls erreichen kann. Und unser Kreditgeld war von 1935 bis 2008 sehr werthaltig. Erst dann war das Konzentrationsgefälle, verbunden mit völlig geldfreien Regionen, völlig aus dem Ruder gelaufen, dass es die Finanzkrisen gab. Und diese Deflationskrisen waren mittels Staatsgeldschöpfung und Asset-Inflation heilbar, bis 2021 die Realwirtschafts-Inflation zu laufen begann.
Grüße
Morpheus
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