Die Wechsel- und Scheck-Reiterei der alten Römer

Ostfriese, Sonntag, 06.11.2022, 09:07 (vor 1206 Tagen) @ Mephistopheles2566 Views

Hallo Mephistopheles

Prof. Rieck bespricht in seinem Vortrag die selbstzerstörerischen Gegebenheiten des debitistischen Systems im Zyklus seiner Entwicklung: Wie im römischen Reich ist das bestehende auf Macht gegründete zivilisatorische Finanzsystem gegen Ende ein permanenter Schieberamsch und eine Wechsel- und Scheckreiterei. Er sieht das 'Vorher-Nachher-Problem' nicht, das von Paul C. Martin und seinen Mitstreitern erkannte zur Zusatzverschuldung zwingende – also über die Zeit betrachtet – nicht schließbare 'Loch in der Mitte', mit dem Zwang zur Aufschuldung insgesamt nicht.

Dazu Paul C. Martin in Aufwärts ohne Ende (1988) Seite 148 – 149 mit Copyright des Verlages vom 22.11.2021 um 14:56 Uhr:

"Das gesamte Römische Reich war im ersten vorchristlichen Jahrhundert, kurz bevor sich das Schicksal der Republik in einem gigantischen Gläubiger-Massaker vollendete, nichts als eine unerhörte Wechsel- und Scheck-Reiterei. Als Zahlung wurden immer wieder neue Versprechungen gemacht. …

1. Die Ausplünderung der bereits eroberten Provinzen, die den großen Cracks nach ihren jeweiligen Amtsjahren als Konsul usw. zugewiesen wurden, sozusagen eine Bezahlung ex post. Cäsar war so hoch verschuldet, dass ihm seine Gläubiger vom Pferd baten und sein Gepäck beschlagnahmten, als er gerade in seine Provinz Gallien aufbrach, um dort das übliche Inkasso vorzunehmen. …

2. Die Ausplünderung von nicht eroberten Provinzen. Diese Form der Entschuldung … bestand in der 'Hebung' der in den zu erobernden Gebieten vorhandenen königlichen (im Palast verwahrten) bzw. priesterlichen (in den Tempeln verwahrten) Edelmetall-Vorräte, der sogenannten 'Thesauri' (Thesauros = griechisch Schatz)."

Prof. Rieck erkennt die zerstörerische Besonderheit des gegenwärtigen Systems nicht:

Die Kredittitel sind zu Beginn die notenbankfähigen Sicherheiten für die Entstehung des Geldes und gleichzeitig die systematische Basis aller zeitlich nachfolgenden notenbankfähigen Sicherheiten zwecks Schaffung von Kreditpyramiden.

Eine das Bruttosozialprodukt schaffende Finanzierung wird von der Zentralbank mit einer fest vereinbarten Laufzeit refinanziert. Dabei wird eine entsprechende Geldsumme geschaffen, die nur über die Dauer des geldpolitischen Geschäfts existiert. Der Kreditnehmer, dessen Kredittitel zur ZB geht, bekommt sein Guthaben auf Geld eingeräumt. Damit bezahlt er eine Staatsanleihe zwecks Finanzierung des Staates. Es entsteht neben dem Kredittitel ein weiterer Schuldtitel – nämlich der Staatstitel. Dieser zentralbankfähige Staatstitel kann zwecks Entstehung weiterer Geldsummen für ein geldpolitisches Refinanzierungsgeschäft eingesetzt werden usw. Da kein Weg an der Verschuldung der Nichtbanken vorbeiführt, entstehen neben den Kredittiteln an der Basis des Schuldgeldsystems auch Geldsummen aus allen darauf begründeten Schuldtiteln. Diese können also inflationieren, ohne dass sich die Finanzierungen an der Basis zwecks Erhöhung des Bruttosozialproduktes ausweiten.

Die zerstörerische Besonderheit dieser Wiederbeleihungsrunden ergibt sich jetzt daraus, dass die Laufzeit des ersten geldpolitischen Refinanzierungsgeschäftes systematisch die sich verkürzenden Laufzeiten aller später darauf gegründeten Schuldtitel bestimmt - das System dreht sich spiralförmig in Form eines alles aufsaugenden Trichters immer schneller um seine eigene Achse.

Gruß - Ostfriese


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