Deine Frage zum "Inselbetrieb" Deutschlands
Hallo Olivia,
Achtung, ich bin ja nicht vom Fach, sondern nur fachfremder Beobachter!
"Inselbetrieb" ist der falsche Begriff für ein autonomes deutsches Stromnetz.
Für eine Insel ist Deutschland zu groß.
Wir haben in Deutschland alles für den autonomen Betrieb da und sind für diese Art und Weise des Netzbetriebs zeitlich nicht beschränkt.
Das bedeutet
a) Die sich im permanenten Kastrationsbetrieb befindliche Energiewirtschaft muss die abgeforderte Leistung liefern können.
Nur müssen wir mit 82 GW Verbrauch oder auch mal mehr im Winter rechnen und lieferfähig sein. Wir haben aber nur 66 GW. Wieviel Gas noch fließt, weiß ich nicht.
https://www.dasgelbeforum.net/index.php?id=608653
Und wenn der Private kein Gas mehr kriegt, kann die abgeforderte Leistung weit über 82 GW steigen; darüber habe ich auch geschrieben, was passiert, wenn die bauernschlauen DTs ihre Heizlüfter einschalten.
=> Lastabwurf, also kontrollierter Ausfall des Netzes.
b) Wir brauchen einen Kraftwerksmix, der den Lastschwankungen der Verbraucher folgen kann.
In dem Maße, wie wir den Einsatz von Zufallsenergie aus Wind. und Solaranlagen zulassen, steigen die Anforderungen an die Regelungen.
Beispiel:
An einem Montagnachmittag im Februar 2023 um 16:30 ballern Wind- und Solar 30GW in's deutsche Netz. Dann zieht eine Gewitter- oder einfach nur eine Wolkenfront auf und schattet den Norden Deutschlands schnell ab. Gleichzeitig geht um 17:00 der Verbrauch hoch, weil der deutsche Malocher sich ein warmes Abendessen kocht.
Es müssen nun Ersatzkraftwerke für die 30GW, bzw. die Leistung, die wegfällt, einspringen. Da aber bekannt ist, dass der deutsche abends kocht, sind viele Kraftwerke schon im Betrieb und die Kraftwerke mit den höchsten Gradienten (in diesem Fall: Geschwindigkeit der Leistungszunahme, also Gaskraftwerke (die Pumpspeicherkraftwerke liefern nur zeitlich begrenzt) sind vielleicht schon im Betrieb oder starten nicht mehr, weil's kein Gas mehr gibt.
=> Lastabwurf, also kontrollierter Ausfall des Netzes.
c) Wir brauchen Regeleinrichtungen auf verschiedenen zeitlichen Ebenen um die Stabilität der Netzfrequenz zu gewährleisten.
Haben wir!
Wenn allerdings ein Kraftwerk der "Grohnde-Klasse", also so 1200MW ausfällt, macht es prozentual viel mehr aus (bezogen auf <=82GW) als auf die umgesetzte Leistung im europäischen Verbundnetz. Ein Ausfall wird sich also viel massiver auf die Frequenz im deutschen Teilnetz auswirken.
Diese Feststellung führt uns zu der Frage:
Ist der Betrieb eines deutschen Inselnetzes überhaupt wünschenswert?
Nein! Im Verbundnetz stützt jeder jeden und alle sind füreinander da. Das ist nicht deswegen so, weil man seinem Landesnachbarn permanent die Klöten krault, sondern weil die Physik erbarmungslos bei Fehlern zuschlägt. Im Verbundnetz sind wir alle stärker, wenn alle die Spielregeln einhalten und Fehler einzelner können kompensiert werden. Im europäischen Verbundnetz sind die 1200MW der "Grohnde-Klass" anteilig viel weniger.
Beispiel, Vorfall vom 8.1.2021
[...
Nur durch gemeinsame Anstrengungen aller Stromnetzbetreiber mit Zuschaltung von Kraftwerken (auch in Österreich) und gezielter Abschaltung von Verbrauchern in Frankreich und Italien konnte das System wieder stabilisiert werden.
...]
Quelle:
https://www.stromausfall.info/8-1-2021-europa-schrammt-knapp-am-blackout-vorbei_de_n279...
Hinweis: Meine Liebe zum Verbundnetz gilt dem Euro nicht, denn der schafft Anreize zum Asozialverhalten.
Fazit:
Der Inselbetrieb Deutschlands ist möglich, aber nicht wünschenswert.
Wenn sich im Winter herausstellt, dass einzelne Netzbetreiber nicht plangemäß funktionieren und Lasten nicht rechtzeitig abwerfen, dann gefährden sie die Stabilität des Verbundnetzes und das Netz zerfällt unkontrolliert in zwei oder mehr Teilnetze, bedingt durch eine Kaskade von Leitungsabschaltungen.
Spekulation: Im Wiederholfall könnte es passieren, dass - vermutlich gegen alle europäischen Regularien - kein vollständiges Verbundnetz mehr hergestellt wird.
Gruß
paranoia
P.S.:
Als ich gerade im Netz nach Luisa Neubauer suchte, dieser verzogenen Göre mit dem Sinnstiftungsproblem und den Terrorambitionen fragte ich mich, zu welcher RAF-Generation sie eigentlich gehört. Und siehe da: Ich war nicht der einzige mit diesen Gedanken:
https://www.cicero.de/kultur/grauzone-pipeline-sprengen-luisa-neubauer-klima-raf
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Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.