@Garderegiment + @Dieter: Wie werden Tiefbauaufträge kalkuliert?

Plancius @, Montag, 25.07.2022, 18:21 vor 1305 Tagen 3354 Views

Frage an die Bauunternehmer hier, interessehalber von mir, weil mein Vater früher selbst im Tiefbau gearbeitet hat und früher scheinbar andere Kalkulationen galten.

Hier in der Nähe werden seit mehr als einem Jahr 2 km Deich saniert. Die dem Meer zugewandte Seite wird bis zur Deichkrone abgetragen und anschließend wieder mit Sand/Erdaushub gefüllt. Der wird von der Grundfläche größer, weil der Winkel flacher wird. Das Füllmaterial wird beim Anfüllen verdichtet, zum Schluss kommen 30 cm Muttererde drauf und es wird Rasen angesät.

Nun sind in dem einen Jahr gerade mal 500 m Deich saniert worden. An einigen Tagen im Jahr ist Bewegung, d.h. die Bagger und Planierraupen sind mit Personal besetzt, die Lkw fahren den weggebaggerten Erdaushub weg und bringen neues Füllmaterial heran. Den größten Teil der Zeit stehen jedoch 4 Kettenbagger Hitachi + Liebherr, eine Planierraupe und ein Radlader ungenutzt herum.

Da ich weiß, dass jede Baumaschinenstunde nicht gerade billig kalkuliert und abgerechnet wird, frage ich mich, wie kann ein Bauunternehmen an einem solchen Projekt überhaupt noch Geld verdienen, wenn funktionsfähige Maschinen monate- bzw. jahrelang ungenutzt in der Gegend rumstehen?
Ähnliches sieht man ja auch häufig auf Autobahnbaustellen, wo zwar die Geräte und teure Baukräne vorhanden und einsatzfähig sind, aber tagelang niemand arbeitet.

Bei allen Bauunternehmen und GaLa-Bauern weiß ich, dass die Baumaschinen wertvolle, teure Anlagegüter sind und rund um die Uhr im Einsatz sein müssen, damit sie sich amortisieren und Geld einfahren. Jeder Bauunternehmer weiß, wie teuer der Ausfall eine Baumaschine ist, weil nicht nur Arbeitskräfte ohne Tätigkeit rumstehen, sondern das Ausleihen einer Ersatzmaschine beim Baumaschinenhändler sehr stark auf die Marge drückt.

Ich bin persönlich der Meinung, dass die Deicherneuerung im Einschichtbetrieb in einer 5-Tage-Woche in in paar Wochen erledigt wäre.

Wisst ihr, weshalb sich Bauunternehmen eine solche Verschwendung von Baumaschinenzeit in der heutigen guten Baukonjunktur leisten können?

Gruß Plancius

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER

Schmiere-schmiere

Bergamr @, Montag, 25.07.2022, 18:31 vor 1305 Tagen @ Plancius 3029 Views

Hallo Plancius,

bin zwar kein Tiefbauer, aber aus eigener Erfahrung mit der Öffentlichen Hand weiß ich, daß bakshish und fakelaki schon seit Jahrzehnten in unserem Lambde Einzug gehalten hat, und zwar nicht zu knapp.

Ich bin selber zu doof, das zu verstehen, kann Dir auch nicht sagen, wie sich das rechnet, aber es funktioniert.

Gruß
Bergamr

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Ehrlich schade für die Heimat! Endgültig verloren seit Sommer 2015 ...

Es sind ja nicht nur die Baumaschinen ...

Plancius @, Montag, 25.07.2022, 18:44 vor 1305 Tagen @ Bergamr 2817 Views

... schon allein die Miete des Zaunes und die Absicherung der Baustelle über den gesamten Zeitraum kostet ein Vermögen.

Dass Korruption auch bei uns gang und gebe ist, mag ja sein. Dann würde ich aber doch als Bauunternehmer eine Woche dort arbeiten, meine Maschinen aufladen, diese woanders einsetzen und nach zwei Monaten mal wieder 50 m Deich in Angriff nehmen.

Was mich wundert ist die Tatsache, warum man die teuren Maschinen so lange rumstehen lässt. Die könnten doch in derselben Zeit auf einer Baustelle schönes Geld einfahren - Korruption hin oder her.

Gruß Plancius

Behinderung Verzögerung => alles wird dann teuerst verrechnet

mh-ing @, Montag, 25.07.2022, 18:57 vor 1305 Tagen @ Plancius 3050 Views

Der Unternehmer meldet Behinderung an, Bauzeitverlängerung, Stillstandszeiten wegen fehlender Freigaben/Unterlagen/Vorarbeiten .....
Dann kann er die verlängerten Standzeiten aller Gerätschaften teuer in Rechnung stellen. So wird bei einem Projekt mit 20.000€ Baustelleneinrichtung dann für 6 Wochen schnell mal 80.000,-€ Zusatz. Der Unternehmer darf hier schlicht teuerst kalkulieren und es füllt viele Gerichtsprozesse.

Mit gutem Nachtragsmanagement, Behinderungsmanagement verdient so die Firma mehr als durch die Arbeiten selbst.

Jedoch, sollte das hier ohne all das laufen, fällt mir keine Erklärung ein. Geräte müssen laufen und genutzt werden, oder man setzt diese als "fiktiv" genutzt an. Alles andere wäre selbstzerstörend für die Firma.

Ich sehe das ebenfalls so wie meine

Garderegiment, Dienstag, 26.07.2022, 04:51 vor 1304 Tagen @ mh-ing 2377 Views

bearbeitet von Garderegiment, Dienstag, 26.07.2022, 04:56

beiden Mitforisten Mh-Ing und Dieter.

Gutes Nachtragsmanagement!
Für kleinere Firmen unter 50 Mitarbeitern, wie meiner, lohnt sich ein zu großer Wasserkopf überhaupt nicht, der sich mit sowas intensiv beschäftigt.
Preußisch alles so schlank wie möglich. Daher gibt es bei mir praktisch nie Stillzeiten.

Habe aber von einer sehr großen Tief/Hochbaufirma, wo ich einen der Teilhaber persönlich kenne, mal gehört, daß gerade die öffentliche Hand bei großen Ausschreibungen oft überfordert ist.
Sieht Pferdefüße nicht rechtzeitig und wird dann später "übervorteilt"!

Unter Baufirmen gibt es über HochTief zum Beispiel die Beschreibung:

Anwaltssozietät mit angeschlossener HochbauAbteilung.

GR

Für alles gibt es ein Rezept

solstitium @, Dienstag, 26.07.2022, 23:00 vor 1303 Tagen @ Garderegiment 1559 Views

bearbeitet von solstitium, Dienstag, 26.07.2022, 23:08

und bzgl. Windräder ein ganz ganz altes Rezept.
Früher oder später kommen die Leute drauf.

Ich möchte nur hiermit andeuten, dass "der Wandel allein, das Beständige ist" und die Versicherungsprämien in nicht allzuferner Zeit mutmasslich teurer, als direkte Bewachung der Windräder sein werden.
Aber da hierzulande alles etwas langsamer zugeht, könnte es ggf. entweder noch etwas dauern, oder aber, die Dinger brennen bereits jetzt schon, wie blöde, nur wird nichts darüber mitgeteilt (non est in actis, non est in mundo)


Jedenfalls sah ich eines rauchen dann ausgewechselt, dann das ausgewechselte wieder schnurstracks entfernt.

Was für ein Dreck in der gesamten Umgebung herumliegt, wenn sowas abfackelt, ihr macht Euch keine Vorstellungen - überall zersplittertes GFK - dass es einen graust.

Das räumt keine Sau jemals wieder weg, die ganze Gegend ist mit Glasfasermüll regelrecht kontaminiert, möchte mal wissen, wie das auf diversen qkm Land wieder beseitigt werden kann/soll!

Ich sah jedenfalls keine Beseitigung, wie auch immer, im Gegenteil, der Wind verfrachtete den GFK Müll noch schön weit.

Das muss man sich so vorstellen, als würte ein Ballon mit mehrern LKW Ladungen gelber Säcke übers Land ausgeschüttet aber kein "geschmeidiger" Sack Müll sondern splittriges faseriges scharfes spitzes Glasfaserzeugs.

Was bei dem Brand als solches ansonsten rauchförmig in die Atmosphären entlassen wurde/wird, das ist genauso unbekannt, wie die Inhaltsstoffe der SarsCov 2 Pfizer Vaccine.

Tja, so wird es ausgehen, das prognostiziere ich mal hellseherisch.

Warum?

Weil es "möglich" ist, denn alles andere passiert ja auch immer nur, weil es möglich sei.

--
https://dasgelbeforum.net/index.php?id=568547
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"...nein, wer NICHT kämpfen will, der fällt genauso!"
(Zur Erklärung, man "fällt" im Krieg, ohne Krieg hieße es man stirbt!)

Die Vorgehensweise ist unverständlich, ansonsten siehe mh-ing

Dieter @, Montag, 25.07.2022, 22:00 vor 1304 Tagen @ Plancius 2505 Views

Die Baumaschinen, Einrichtung etc. müssen nicht komplett ausgelastet sein, aber das Beschriebene widerspricht jeglicher Logik, es sei denn, die Verzögerungen liegen nicht im Ermessen des Unternehmers (Siehe mh-ing).

Gruß Dieter

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Das sektenhafte Denken und Handeln der Grünen und ihrer Anhänger und Wählerschaft ist für Menschen mit gesundem Menschenverstand nur schwer nachzuvollziehen.

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