Hallo Weiner,
Hallo Miesepeter - ich danke für Deine ausführliche Antwort!
den Dank kann ich nur zurückgeben, ich bin beeindruckt von deinem Investment hier.
Zu der Frage zentral/dezentral brauche ich nichts schreiben, da hat Morpheus meine Ansicht nahezu vollständig getroffen. Es verhält sich im übrigen auch ähnlich mit diesem Forum hier, wo nun viele dezentrale Einheiten ihre Beiträge in ein zentrales Repository einstellen, aus welchem sie wiederum fremde Beiträge runterladen. Das Ganze erfolgt auf freiwilliger Basis, aber nicht willkürlich (Zutritt nicht frei, es gibt ein Regelwerk, eine rudimentäre gemeinsame Wissensbasis), auf bewusster oder unterbewusster Ebene beeinflusst das zentrale Repository auch einen Grossteil der Poster (es schreibt sozusagen zurück).
Meine Aussagen zur Zukunft gewinne ich aus einem zyklischen Modell, das in Anlehnung an einige Vorläufer selbst weiterentwickelt wurde.
Einige dieser Vorläufer - so nehme ich an - haben auch in diesem Forum hier grössere Aufmerksamkeit erhalten? Ich denke da an Kondratieff, Elliott oder dessen Extrapolation von Prechter, Socionomics. Vielleicht auch Globumedes?
Obwohl ich mich zur Veröffentlichung entschlossen habe, zögere ich sie immer noch vor allem deshalb hinaus, weil dieses Modell einen ziemlichen Eingriff in unsere herkömmliche Denkweise bedeuten würde. Die 'Dinge' - also historische Entwicklungen - sind sehr stark determiniert. Das ist mein Fazit nach etwa 30jähriger Arbeit.
Dann schüttel doch hier ein paar herkömmliche Denkweisen mal probehalber ordentlich durch, als Proof of concept sozusagen. Nach 30 Jahren Arbeit muss auch ein bisschen Spass mal sein! Hier im DGF wäre doch ein idealer Ort für ein Sneak Preview. Wenns ein längerer Text wird, liest ihn ohnehin kaum jemand.
(Sorry für die Anglizismen, es ist spät, und die Worte beissen beim Fischen nicht immer an).
Die genannten Determinierungen beziehen sich zunächst auf große historische Entwicklungskomplexe, etwa Deutschland ab 1871 (Begründung des Bundes, in dessen Tradition wir noch stehen) oder die USA ab 1776 oder Israel und China ab 1949 oder Frankreich ab 1789 etc. etc. Während ich inzwischen recht genau voraussagen kann, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt etwa ein Staat eine Aktion beginnt oder irgendeinanderer durch etwas belastet wird usw., kann ich damit ntürlich nicht voraussagen, welche und wie viele Individuen oder Teil-Regionen innerhalb eines Staates dabei tatsächlich betroffen sein werden. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Wohnungen und Gebäude zerstört, aber nicht alle. Es starben Millionen Menschen und noch mehr wurden verletzt und versehrt - aber Millionen Menschen wurden vom Krieg nur wenig berührt. Derartigen Fragen nach Detaillierung könnte man durchaus nachgehen, aber sie übersteigen meine Möglichkeiten. Also kann ich nur kursorische Linien zeichnen, bin mir dabei aber (subjektiv) inzwischen ziemlich sicher. Manchmal erschrecke ich selbst. So zum Beispiel war für mich klar absehbar, dass um den 6. April ein neuer Trend im Ukrainekrieg sich etablieren würde (ich hatte es hier im Forum geschrieben): das verwirklichte sich mit der russischen Entscheidung für einen Rückzug aus Kiew und dem Norden der Ukraine, was dann wiederum zu der Geschichte von Buchta führte, insgesamt also eine Verschärfung und eine Weichenstellung. Dabei hatte ich auf Selenskyj und PUTIN hingewiesen. Des einen (Pseudo-) Gewinn war dabei des anderen Nachteil. Nebenbei bemerkt: sehr interessant ist, dass Imran Khan in Pakistan zwei Tage v o r Putin geboren wurde, womit beide in sehr ähnlichen zyklische Konstellationen stecken - und weswegen auch Khan an denselben Arpiltagen eine Zurücksetzung hinnehmen musste. Russland wird diese ganze Geschichte durchstehen und sich wieder fangen, aber seine Lage ist im Augenblick (und für die nächsten Jahre) sehr, sehr viel kritischer als so Jubelpropheten wie Escobar, der Saker, Martyanov usw. (und manche hier auf dem Forum) das einschätzen.
Das klingt natürlich alles mehr als spannend. Bist Du vielleicht Globumedes, der seine Arbeit endlich abgeschlossen hat?
Ein zyklisches Modell, oder Wellenmodell, bildet ja zunächst gewisse Parameter auf einer Zeitachse ab. Um welche Parameter handelt es sich bei Deiner Theorie? Und wo befindet sich der Treiber der beobachteten Phänomene?
Die Theorie Prechters zb, die hier eine breite Symphatie genossen hat, geht davon aus, dass eine "social mood" als Treiber die wirtschaftlichen und i.d.F. politischen Entwicklungen determiniert, und nicht umgekehrt. Das ist durchaus im Bereich des Möglichen, aber da sich social mood nur schwerlich messen oder bestimmen lässt, ist es auch nicht wirklich beweisbar. Es setzt im Prinzip die Akzeptanz derzeit (noch) nicht messbarer Faktoren voraus, was jedoch der Theorie auch keinen Abbruch tut (ist ja auch in der Physik gang und gäbe). Es erinnert mich ein wenig an Tom Campbells (ehem. Physiker, nun Metaphysiker) Theory of Everything, der stark verkürzt davon ausgeht, dass das Einzelbewussein in ein grosses Repository/virtual reality sendet, welches dann wiederum die Einzelbewusstseine aggregiert und u.a. daraus Realität erstellt. Prechter macht im Prinzip Ähnliches, nur steuert bei ihm das aggregierte Gesamtbewusstsein als Social Mood nicht die gesamte Realität, sondern nur den Teilausschnitt wirtschaftlich-politischer Begebenheiten.
Demgegenüber steht zb das debitistische Modell PCMs, das ja ebenfalls eine Beschreibung eines zyklischen Vorganges ist, dieser allerdings hat ein messbares Parameter (Wirtschaftleistung/Schulden) und erklärt die gleichen Vorgänge wie auch Prechters Theorie, ohne auf komplett immaterielle Annahmen zu rekurrieren. Zudem erlaubt es sichere Prognosen, allerdings bedauerlicherweise ohne taggenaues Timing, sondern maximal auf 1-2 Jahrzehnte genau.
Daher ist es natürlich höchst kurios, wie Du diese Genauigkeit auf der Zeitschiene erzielst.
Bislang noch nicht sichtbar, aber ein wichtiges Momentum dabei: es wird sich ein Widerstand im Westen gegen die 'Regierungslinie' etablieren, zuerst in Europa, dann aber auch in den USA. Dieser Widerstand wurde bei Corona eher zaghaft sichtbar (in meiner Einschätzung ...), war wenig kompetent und politisch nicht wirklich entschlossen und organisiert. Das wird sich aber ändern, und dann haben wir eine deutliche Spaltung auch bei uns. Phänomenologisch gesehen wird das in etwa dem Widerstand im Dritten Reich entsprechen, aber er wird nicht primär im Militär lokalisiert sein und wird von Anfang an offener hervortreten (also nicht nur 'geheim' sein ...).
Ja, das ist in der Tat zu erwarten. Nicht alle Europäer, auch nicht alle europäischen Eliten, werden munter den Untergang Europas herbeiführen und beklatschen. Und wo es um alles geht, das rudimentäre Überleben, wird auch nicht jeder mit Samthandschuhen agieren. Die Gegenseite macht es wahrlich auch nicht.
Allerdings haben die USA einige Vorteile, zb dass sie die europäischen Geheimdienste durch und durch infiltriert haben, diese Dienste sind aber entscheidend, denn sie befassen sich beruflich mit der Aufrechterhaltung oder auch der Veränderung des Gesellschaftsmodells.
In dem Kampf bzw. Krieg, der in den nächsten Jahren sowohl zwischen den geopolitischen Blöcken als auch innerhalb den Blöcken sich entwickeln wird, wird es keine Sieger mehr geben - China ausgenommen. Mein Bild sieht so aus, dass etwa ab der Mitte unseres Jahrzehntes Raketen auch Städte in Ost- und Mitteleuropa treffen werden, auch die USA werden nicht verschont bleiben, allerdings wird unklar bleiben, woher genau einige der Raketen kommen werden. Niemand muss mir das abnehmen, es ist mir sogar lieber, wenn man mir nicht glaubt. Derartige Ereignisse (offene militärische Handlungen) werden aber eher nebensächlich sein, denn ich rechne mit viel größeren Schäden und Menschenverlusten durch das zivile Chaos, das bereits im Vorlauf zu diesen Ereignissen der 'Endphase' sich entwickeln wird.
Klingt im Augenblick noch wie der worst case. Ich denke allerdings, Dottore hätte ähnliche Ahnungen für die Zeit gehabt, in der die Haftung Aller für Alle und Alles zusammenbricht......
Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass große Teile der gegenwärtigen Eliten beim Neuaufbau nach den selbstgemachten 'Katastrophen' nicht mehr dabei sein werden. Das gilt für die USA wie für Europa, die beide im Zentrum des Geschehens stehen werden. Konkret bedeutet es, dass innerhalb der Eliten (wo sowieso immer Wettbewerb und Machtkampf herrscht) ganz neue Fronten aufbrechen werden. Es können sich dann elitäre Zirkel, die in den letzten Jahrzehnten eher am Rande agierten, wieder in die Mitte vorarbeiten. Ich rechne mit Enteignungen und auch mit 'Sozialisierungen' in großem Umfang.
Mit letzterem rechne ich ebenfalls, ich würde das sogar als gesichert ansehen. Es steht nur noch nicht fest, wer enteignet wird, und wer nicht.
Im letzten Durchlauf wurden zb erst die dt. Juden enteignet, dann die europäischen Juden sowie die Sowjets, kurz darauf dann auch die Deutschen. Auch das UK übergab in der Folge weite Teile ihrer Besitztümer. Selbst in D jedoch wurde nicht jedermann enteignet. Die USA (und tws die Sowjets) hingegen übernahmen viele der übergebenen Assets und sicherten sich Zukunftspotential. Diese Rolle werden diesmal vermutlich die Chinesen einnehmen.
Noch eine Randbemerkung, die aber nicht unwichtig ist. Aus der Geschichte ist bekannt, dass in Zeiten besonderer gesellschaftlicher Anspannungen sich auch außergewöhnliche Naturereignisse häufen. Hans von Hentig hat mal eine Zusammenstellung versucht (Über den Zusammenhang von kosmischen, biologischen und sozialen Krisen, Stuttgart 1968). Die Ursache dieser Korrelationen liegt in der Phyisk begründet. Bei den Zyklen, mit denen ich arbeite, handelt es sich um (Eigen-) Schwingungen von Kraftfeldern, die große räumliche Erstreckungen haben und sehr durchdringend sind, also gleichermaßen auf der physikalischen, geophysikalischen und meteorologischen Ebene wirken - wie eben auch im biologischen und psychischen Bereich (bei erhöhter Sonnenaktiviät zB. gibt es in der Regel auch sozialen Stress und psychische Ausbrüche, oft auch sehr kreative ...).
Interessant, dies würde ein wenig auf metaphysischen Zusammenhänge hindeuten, wie sie auch Prechter und insbesondere Campbell beschreiben.
Ich hoffe, diese Bemerkungen waren hilfreich für eine Einschätzung dazu, wie ich arbeite, denke - und was ich erwarte. Wie bereits gesagt, wäre mir lieber, wenn derartige Dinge nicht geschehen würden bzw. wenn man sie umgehen könnte.
Das, lieber Weiner, wäre uns sicher allen lieber. In wichtigen Belangen halte ich es für sinnvoll, mit einer Szenariotechnik zu planen. Das beinhaltet auch, einen worst case in Betracht zu ziehen und sich auch für diesen Fall handlungsfähig aufzustellen. Dies gilt sicherlich umso mehr in heutiger Zeit, in der das Eintreten irgendeines Best-Case Szenarios in diesem Jahrzehnt, in und für Europa, von der Wahrscheinlichkeit her zusehends ausgeschlossen werden kann.
Gruss und ein friedliches Ostern in die Runde,
mp