Ist zwar angesichts der Großwetterlage nebensächlich, betrachten wir es aber aus kontemplativen Gründen. Thema: Grenzen vs offene Grenzen
Selbstverständlich hängen solche Einstellungen und Überzeugungen immer mit der Art der Sozialisation zusammen. Ich habe bereits als sehr kleines Kind begebracht bekommen, dass ich Eigentum von anderen respektieren muss. D.h. wenn ich etwas davon haben möchte, muss ich vorher fragen. Also eine ganz klare Art von Grenzziehung, die aber nicht bedeutete, dass man nichts von dem bekommen könnte, was jenseits der Grenze liegt. Man muß eben fragen. Im Bereich der Wirtschaft heißt das, man beginnt eine Handelsbeziehung. Die geht so lange gut, so lange die REGELN eingehalten werden.
BLEIBENDE Erkenntnisse über "andere Regeln" bekam ich in den 68-Jahren durch "revolutionäre" Besucher meines damaligen Freundes aber auch durch eine eigene Freundin, die in einer anderen sozialen Schicht sozialisiert wurde. Während ich das bei der Freundin zunächst noch fasziniert beobachtete (sie hatte z.B. keinerlei Hemmungen, in einem fremden Haushalt alle möglichen Schränke zu öffnen und zu schauen, was darin ist) akzeptierte ich das bei "Besuchern" nicht und stoppte sie sofort (die kamen in die Wohnung und stürzten sich - ohne ein Wort zu sagen - auf unseren Kühlschrank).
In beiden Fällen gab es keinerlei "Unrechtsbewußtsein". Es war "normal" für sie. "Annormal" war es lediglich für mich.
Als meine Tochter ca. 12 Jahre alt war verbrachte sie oft Zeit im Hause ihres Freundes. Ich kannte die Eltern, aber nur sehr oberflächlich. Eines Tages klingelte es an der Haustüre, der Vater des Freundes stand vor der Tür und erklärte mir, er habe mit meiner Tochter ausgemacht, dass er JETZT einen Boxsack in unserem Keller installieren würde. Ich habe ihm sehr freundlich gesagt, dass es mir leid täte, er jetzt aber keinen Boxsack installieren könne. Mit meiner Tochter habe ich besprochen, dass sie "so etwas" NIE mehr vereinbaren oder zulassen könne, OHNE es vorher mit mir abzusprechen. Der Vater des Freundes hatte keinerlei Ahnung, dass es sich um eine massive Grenzverletzung handelte und dass er vorher mit mir hätte telefonieren müssen oder mich fragen müssen.
Zwei Jahre später erläuterte mir meine Tochter, dass die Eltern ihres Freundes für sie einen Flug in die Ferienwohnung gebucht hätten. Auch dies, ohne vorher mit mir darüber zu sprechen. Ich rief an und forderte eine sofortige Stornierung des Fluges. Auf die Antwort, das ginge nicht mehr, da müssten sie eine Strafe zahlen, bot ich an, die Strafe zu zahlen und machte ihnen klar, dass es NICHT geht, dass sie - ohne mein Wissen und meinen Auftrag - Flüge für meine minderjährige Tochter buchen. Es war vorher locker darüber gesprochen worden, dass meine Tochter EVENTUELL mit ins Ferienhaus fahren könnte. Es war aber nichts vereinbart, weil sie vorher zu unserer Familie fahren sollte.
Hintergrund: Das Ehepaar wollte offenbar "nur das Beste". Die Frau war praktizierende Psychologin, der Ehemann hatte früher ein Hotel geleitet und war Hausmann. Sie waren offenbar der Ansicht, dass sie "es besser" wüßten, was gut sei für unsere Familie 
BEIDE hatten keinerlei Vorstellungen davon, dass sie etwas getan hätten, was NICHT in Ordnung war.
Mit meiner Tochter gab es erneut eine Auseinandersetzung um die Tatsache, dass sie mich vorher informieren muss. Der Flug wurde storniert - es ging plötzlich auch ohne Kosten - und sie fuhr nicht mehr mit.
Andere Familien hätten möglicherweise anders gehandelt. DORT ist ein solches Verhalten möglicherweise normal. Ich akzeptiere es nicht, wenn fremde Leute beginnen, sich auf meinem Territorium auszubreiten, ohne vorher mit mir gesprochen zu haben und ich mag es auch nicht, wenn sie für meine minderjährige Tochter Entscheidungen treffen, ohne sie vorher mit mir abgesprochen zu haben. Da ich nicht die Absicht habe, irgend jemanden zu ändern, stelle ich in solchen Fällen die Kontakte ein oder reduziere sie auf ein Minimum.
Alles eine Frage der Erziehung, der persönlichen Werte und der persönlichen Grenzen.
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