Dekret Russlands: Ab jetzt zahlen die Russen ihre Auslandsschulden in Rubel, nicht mehr in Devisen

Manuel H., Mittwoch, 09.03.2022, 08:07 (vor 1435 Tagen) @ Manuel H.2255 Views

So lautet das Dekret:

Die Regierung der Russischen Föderation hat am Montag eine Liste ausländischer Staaten und Gebiete gebilligt, die Russland, seinen Unternehmen und Bürgern gegenüber unfreundliche Handlungen begehen.
Die Liste umfasst die Vereinigten Staaten und Kanada, die EU-Staaten, das Vereinigte Königreich (einschließlich Jersey, Anguilla, die Britischen Jungferninseln und Gibraltar), die Ukraine, Montenegro, die Schweiz, Albanien, Andorra, Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen, San Marino, Nordmazedonien sowie Japan, Südkorea, Australien, Mikronesien, Neuseeland, Singapur und Taiwan (das als ein Gebiet Chinas gilt, aber seit 1949 von einer eigenen Verwaltung regiert wird).
Die in der Liste genannten Länder und Gebiete verhängten die Sanktionen gegen Russland oder schlossen sich ihnen an, nachdem die russischen Streitkräfte eine spezielle Militäroperation in der Ukraine begonnen hatten.
Die Regierung wies darauf hin, dass gemäß diesem Erlass russische Bürger und Unternehmen, der Staat selbst, seine Regionen und Gemeinden, die Devisenverpflichtungen gegenüber ausländischen Gläubigern aus der Liste der unfreundlichen Länder haben, diese in Rubel begleichen können. Das neue befristete Verfahren gilt für Zahlungen, die 10 Mio. Rubel pro Monat (oder einen ähnlichen Betrag in Fremdwährung) übersteigen.

Meldung vom 7.3.22 um 17:40 Uhr
https://bachheimer.com/russland

Auslandsschulden zahlen russische Bürger immer in Rubel, da das die Landeswährung dort is, wenn die Schulden in Devisen lauten, müssen russische Schuldner ihre Rückzahlungen zum aktuellen Tageskurs umrubeln.

Ich erinnere mich, so hat das auch Ungarn gemacht. Dort hatten sich massenhaft Häuslebauer gegenüber österreichischen Banken in Euro verschuldet, nach zahlreichen Abwertungen des Forint gegenüber dem Euro gerieten die ungarischen Schuldner in Not. Was machte die Regierung, sie dekretierte, dass die Ungarn den österreichischen Banken gegenüber Forint und nicht Euro schuldeten. Das wurde seinerzeit nicht diskutiert und hatte fast null Medienecho, bedeutete aber für die österreichischen Banken hohe Abschreibungen.

Eigentlich ist es ja schnurz, ob ein ungarischer Häuslebauer, der einer österreichischen Bank 100.000 Euro schuldet, diese nun in Euro bezahlt (wofür er vorher erst Forint zum Tageskurs wechseln muss) oder ob die österreichische Bank Forint akzeptieren muß, die sie dann dem Euro-Schuldkonto zum Tageskurs gutschreibt.

Das kann niemals Abschreibungen begründen. Da muß also irgendetwas bei der Kursfestsetzung passiert sein. Ich spekuliere, dass das Dekret besagte, dass nachträglich der Immobilienkredit, der ja zum Tageskurs der Kreditvergabe vor Jahren zum seinerzeitigen Tageskurs Euro-Forint in Forint ausgezahlt wurde, nun im nachhinein in Forint valutiert wurde. Womit alle Abwertungen des Forint während der Kreditlaufzeit zu Lasten der österreichischen Bank geht und nicht zu Lasten des ungarischen Kreditnehmers.

Weiß da einer Näheres? Insbesondere das Dekret Russlands kann ja nur eine Wirkung haben, wenn eben nicht die Verbindlichkeiten zu aktuellen Tageskursen (jetzt 147 Rubel = 1 Euro gegenüber 87 Rubel = 1 Euro vor einem Jahr), sondern zu den Kursen (ja von wann und warum?) abgerechnet werden, die den russischen Schuldner besser stellen?

Wie sieht es eigentlich mit den Forderungen russischer Gläubiger in Devisen gegenüber dem Ausland aus? Werden die jetzt auch umgerubelt?

Weiß da einer, was da technisch und inhaltlich eigentlich wirklich passiert?


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