Wo ist das Problem?
Für die inländischen Produzenten ist das doch klasse, je preiswerter die türkische Lira, desto leichter der Verkauf der Produkte ins Ausland.
Die Konsumenten der Nachbarländer stürmen jetzt schon die Städte und Dörfer an der Grenze und sorgen bei den Handelstreibenden für glänzende Geschäfte.
Importe werden so drastisch verteuert. Endlich haben heimische Produzenten auch mit Produkten eine Chance, da ausländische Produzenten ihre Wettbewerbsvorteile verlieren (heimische Paprika, weil die aus China importierte zu teuer wird).
Und solange Renten, Sozialleistungen und Löhne inflationssicher steigen, bleibt allen der inländische Konsum erhalten.
Während in Jelzins Russland die russischen Kriegerwitwen des Großen Vaterländischen Krieges als Sieger wegen ihrer entwerteten Rente als Nachfrager ausfielen und Streichhölzer auf der Straße verkauften, holten sich nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg die Witwen der Besiegten halt die Kriegswitwen-Rente mit der Schubkarre ab, die Rente stieg auf Milliarden.
Als Händler hat man auch kaum noch Risiken. Der Warenbestand wird in Lira immer "wertvoller", Handelsaufschläge durchzusetzen ist überhaupt kein Thema mehr. Geht die Inflation in den Galopp, werden sogar Waren verkaufbar, die sonst niemand freiwillig gekauft hätte, Preis fast egal.
Immobilien erzielen traumhafte Wertsteigerungen.
Nur der doofe Geldsparer, meist verantwortlich für Deflation, Depression und mangelnde Nachfrage, wird (zu Recht) bestraft.
Die doofen Kunden der Lebensversicherungen, die ihr Geld in mündelsichere türkische Staatsanleihen investiert haben und so die arme Türkei in Schulden stürzte, können den Verlust ja abschreiben.
Die Schuldner, die in der Vergangenheit heldenhaft für Konsumnachfrage, Vollbeschäftigung und Einkommen ihrer Mitmenschen gesorgt haben, erhalten eine Belohnung, weil sie nun leichter ihre Kredite tilgen können.