das politische Tier
Bei deiner Aufzählung von dem mittelbegabten Maler hast du noch den verkrachten Juristen vergessen, der irgendwo als Hungerleider in der Schweiz sein dasein fristete und wo das deutsche Reich, mitten im Kriege keine Mühe scheute, ihn ungesehen durch die Halbe wlt an der Front vorbei in Feindesland zu bringen, wo er dann eine nur als sagenhaft zu bezeichnende kurzfristige Karriere hinlegt.
Bitte fair sein und bei der Wahrheit bleiben: Lenin hat Jura angefangen, wurde dann aber wegen politischer Umtriebe von der Uni verwiesen, durfte die Abschlußprüfung jedoch ablegen und hat sie, autodidaktisch lernend, als bester bestanden. Das Abitur hatte er ebenso gut hinter sich gebracht, obwohl wenige Tage zuvor sein Bruder gehenkt worden war - gleichfalls wegen politischer Umtriebe. Lenin hat nur kurz als als Anwalt gearbeitet, weil er es eigentlich nicht nötig hatte (niederer Adel, vermögend) und weil er geniun 'politisch' interessiert war.
Wenn man Hitler und Lenin zusammen ins Auge nimmt (und viele andere gehören dazu), dann taucht die Frage auf, was das politische Tier eigentlich seinem Wesen nach ausmacht. Oft wird gesagt, diese Menschen seien Soziopathen. Das mag zutreffen, ist aber viel zu kurz gegriffen. Denn maßgebend bzw. geschichtlich wirksam ist ihre Fähigkeit, andere Menschen aufzuhetzen.
Der Hütehund hält die Herde zusammen, aber er treibt sie nicht. Hier aber haben wir es mit einer Anstachelung zu tun. Vermutlich greift sie erst, wenn die Herde bis zu einem gewissen Grade hungrig ist. Und sie hat den Modus, der Herde eine VORSTELLUNG zu vermitteln, mit der sie sich identifizieren (LEITBILD) und sodann motorisch werden kann.
Im engen personalen Umgang mit Parteigenossen und im Machtzirkel sind diese Menschen eiskalt, intrigant, lügnerisch, so berechnend wie instinktiv etc., und hier greift dann das Soziopathische. Aber dies begründet nicht die eigentliche geschichtliche Wirkung, die eine energetische ist (worüber ich andernorts hier schon geschrieben habe, die nihilistische Komponente mit einbeziehend). Möglicherweise gibt es auch nur begrenzte geschichtliche Zeitfenster, in denen derartige Hetzer (in den Tod) auftreten können.
Wir haben es hier mit einem 'faustischen Impuls' *) im Bereich des Politischen zu tun (also nicht im Technischen!). Machtausübung auf diesem Weg wäre streng zu unterscheiden von Machtausübung per physischer Gewalt (Unterdrückung) oder per gemeinsamem Interesse (Raub).
Gruß Mephistopheles
Gruß Weiner
*) ich mag diesen Ausdruck überhaupt nicht, weil er dumpf und undifferenziert bzw. undefiniert ist; verwende ihn nur, weil er hier auf dem Forum als 'topos' gebräuchlich ist.