Maurice Joly - Das Handbuch des Aufsteigers - Über die Herrschaft und einige ihrer Geheimnisse

InflationDeflation, Dienstag, 19.05.2020, 22:06 (vor 2087 Tagen) @ Mephistopheles3237 Views

Mephistopheles:
"Da hat nereus aber Recht, die Freimaurer sind vaterlandslose Gesellen. Allerdings scheinen sie allwissend, allmächtig und unsterblich zu sein, wenn sie ausgehend vom Mittelalter und der Pest sogar noch vor der Entdeckung Amerikas und des Buchdrucks die Geschichte Europas und der Welt bestimmen. Denn ohne diese beiden Entdeckungen wäre es mit der Dominanz Europas über den Planeten nichts geworden."

Maurice Joly - Das Handbuch des Aufsteigers - Über die Herrschaft und einige ihrer Geheimnisse

"Der Herrschaftsinstinkt ist die wichtigste Eigenschaft des Ehrgeizigen. Wer zu herrschen begehrt, wird auch herrschen, denn die Welt gibt sich in jeder Hinsicht nur mit denen ab, die ihre Ansprüche anmelden. Im allgemeinen ist es also günstiger, Ansprüche zu haben, als Fähigkeiten."
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"Überall auf dem Erdball und in allen Karrieren, die dem aktiven oder intellektuellen Leben offenstehen, begegnete man den Jesuiten: sie arbeiteten als tonangebende Berater der Könige, entzifferten lateinische Inschriften, beobachteten die Bewegungen der Jupitermonde und füllten die Bibliotheken der Welt mit kontroversen Werken über Kasuistik, Geschichte, Optik und alkäische Oden, mit Werkausgaben der Kirchenväter, Katechismen, Madrigalen und Pamphleten. Ihr Leben stellte ein Wunder an Wirksamkeit und Hingabe dar. In der Verkleidung eines glanzvollen Kavaliers, eines einfachen Bauern oder puritanischen Predigers durchquerte der Jesuit die protestantischen Länder; er bereiste Gegenden, welche weder die Habgier des handelsreisenden noch die Neugier des Touristen entdeckt hatte. Man fand ihn im Gewand eines Mandarins, der die Sternwarte in Peking leitete; man sah ihn, wie er, den Spaten in der Hand, den Eingeborenen in Paraguay die Grundzüge des Ackerbaus beibrachte.
Ein Jesuit durfte weder seine Tätigkeit noch seinen Aufenhaltsort selbst wählen. Ob man sein Leben unter dem Nordpol oder am Äquator führte, ob man seine Zeit damit verbrachte, kostbare Steine einzuordnen und Handschriften im Vatikan zu sammeln, oder den Wilden der südlichen Hemnisphäre beizubringen, daß man sich nicht gegenseitig auffrißt: all das waren Fragen, die ein Jesuit demütig der Entscheidung seiner Oberen überließ. Wenn man ihn in Lima benötigte, dann durfte das erste Schiff, das in den Atlantik auslief, ihn bald an Bord begrüßen. Wenn man in Bagdad nach ihm verlangte, überquerte er mit der ersten Karawane die Wüste. War seine Anwesenheit in einem Land vonnöten, in dem sein Leben schutzloser war als das eines Wolfes, in denen es zu den Verbrechen zählte, ihm Asyl zu gewähren, und wo die Köpfe und Glieder seiner Brüder, auf öffentlichsten Plätzen ausgestellt, das Schicksal ahnen ließen, das ihn ereilen würde, so marschierte er ohne Zögern oder Murren seinem Geschick entgegen."

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