Der Schlaf als täglicher Bruder des Todes
Der Satz drückt aus, wie sehr es darauf ankommt, sein Leben nicht zu
verplempern und bewusst zu leben. Aber für "die Essenz aller Philosophie"
halte ich ihn trotzdem nicht, Otto.
Denn wenn man geistesgeschichtlich und philosophisch noch etwas tiefer
gräbt, muss man darauf kommen, dass wir nicht nur ein Leben haben, sondern
viele bereits hatten und viele Erdenleben noch vor uns haben. Von daher
kommt erst das richtige Verantwortungsgefühl, sein jetziges Leben in der
rechten Weise auszunutzen.
Viele wissen nicht, dass dieses Gesetz der Wiederverkörperung unseres
Geistes ein eigenständiges Thema der deutschen Klassik, Romantik und der
idealistischen Philosophie war. Alles weggerutscht. Vgl.
Liebes Falkenauge,
ob es eine Reinkarnation der menschlichen Seele tatsächlich gibt oder nicht, weiß niemand, der sich aktuell unter den Lebenden befindet, mit Sicherheit. Es mag sein, dass er fest daran glaubt und sich nicht vorstellen kann, dass sein jetziges Sein mit dem Tod seines physischen Körpers ganz einfach ein absolutes Ende finden wird. Die meisten Menschen sehen ihre eigene Sterblichkeit lieber als weit entfernte Möglichkeit an, mit der man sich möglichst erst spät befassen sollte. Der gleichzeitige Gedanke an ein weiteres Leben im Jenseits bzw. im Diesseits ist dabei natürlich sehr tröstlich, lenkt ab und verschafft ein klein wenig trügerische Sicherheit.
Natürlich kann auch ich die Möglichkeit einer Seelenwanderung oder einer Existenz im Jenseits in meiner Eigenschaft als kleines Menschlein, das so wenig weiß, nicht mit Sicherheit ausschließen.
Ich bin da eher pragmatisch veranlagt und vertraue meinem Verstand und meinen Sinnen, auch wenn ich von beiden weiß, dass sie weder perfekt sind noch die Wahrheit abbilden bzw. erkennen können. Und da ist es eben so, dass ich noch niemals das Gefühl hatte, dass ein Teil von mir diese Welt schon jemals bewohnt haben könnte.
Wenn mein Bewusstsein des nachts während des Schlafes die Kontrolle abgibt, träume ich (so sagt die Wissenschaft jedenfalls), kann mich aber nach dem Erwachen an diese Träume nur noch unvollständig erinnern, wenn überhaupt. Den größten Teil des Schlafes verbringe ich dagegen wie einen Tod, denn mein Bewusstsein war während vieler Stunden ausgeschaltet. In diesem Zeitraum war ich also tatsächlich nicht bewusst existent und so stelle ich mir auch meinen physischen Tod vor. Ich bin einfach nicht mehr, genauso, wie ich es jeden Tag auf's Neue erlebe.
Liebe Grüße, Otto