Ist eine Erhöhung der Verschuldung der Kommunen in der aktuellen Situation sinnvoll oder nicht?
bearbeitet von Plancius, Samstag, 24.10.2026, 18:28
Ich bin gewählter Mandatsträger in der Kommunalpolitik und befinde mich zur Zeit in der Zwickmühle.
Unsere Stadt hat es bisher geschafft, ihre Aufgaben ohne Neuverschuldung zu bewältigen. Nun haben die Landeshaushalte durch den Doppelwumms mit dem Sondervermögen mehr Geld bekommen und schütten es an die Kommunen aus. Eine Vielzahl von zeitlich begrenzten Förderprogrammen wurde aufgelegt, um die Kommunen anzuregen, jetzt in ihren Territorien zu investieren. Vieles ist mit Klimaschutz verbunden, manches aber auch simpler kommunaler Daseinsvorsorge geschuldet.
Die Förderprogramme umfassen ua.
- Neubau von Feuerwehrgerätehäusern
- Neuanschaffung von Feuerwehrfahrzeugen
- Umbau und energetische Sanierung der Schulzentren
- energetische Sanierung öffentlicher Gebäude mit Einbau von Wärmepumpen
- Schaffung öffentlicher Ladesäuleninfrastruktur
- usw. usf.
Das Problem dabei ist, dass die Förderung in der Regel nicht über 25% hinausreicht, nur bei wenigen Projekten, die eigentlich niemand braucht um die 75% ausmacht.
Wenn unsere Stadt z.B. ein Feuerwehrgerätehaus oder neue Feuerwehrautos anschaffen möchte und plant hierfür 5 Millionen Euro ein, so beträgt die Förderung lediglich 1,5 Millionen Euro. D.h. 3,5 Millionen muss die Kommune aus Eigenmitteln selbst zuschießen. Da unsere freier Investitionhaushalt pro Jahr jedoch nur 350.000 Euro beträgt, können wir die Eigenmittel nur über eine Kreditaufnahme beschaffen. Zins und Tilgung engen dann in den nächsten Jahren unseren finanziellen Spielraum noch weiter ein. Weil pro Jahr 3 x mehr Menschen sterben als geboren werden - bald werden es 4 x sein - wird der kommunale Haushalt sogar sukzessive schrumpfen und der Schuldendienst pro Einwohner damit immer weiter wachsen.
Nun verschulden sich der Bund und die EU-Staaten immer weiter mit stark steigender exponentieller Tendenz. Die Rüstungshaushalte explodieren bis 2030. Die Ukraine ist ein gigantisches Milliardengrab. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der EU-Staaten sinkt.
Die gesamten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deuten nun auf einen Finanzkollaps und einen finanziellen Reset in den nächsten Jahren hin, sei es nun durch einen Krieg, eine Hyperinflation oder eine deflationäre Depression.
Markus Krall hat ja den Kollpas schon einige male bereits vor 2020 prophezeit. Aber irgendwie konnte der Kaugummi noch immer länger gezogen werden.
Ich stehe nun vor dem Dilemma. Soll ich der geplanten Schuldenorgie in unserer Stadt zustimmen?
Bei dem von mir erwarteten Finanzkollaps hätten wir dann an Sachwerten wenigstens eine modern ausgestattete Feuerwehr und eine sanierte Schule samt Hort und Kindergarten.
Ich bin mir aber auch nicht sicher: Wird die Stadt bei einem Finanzkollaps entschuldet oder werden die Schulden in der Stunde Null beim Reset wieder eingebucht? Bei der Währungsunion in der DDR wurden ja die Schulden auch 1 : 1 übernommen, während die Vermögen 1 : 2 abgewertet wurden.
Und dann bleibt auch auch noch die Restwahrscheinlichkeit, dass das Rad noch weiter gedreht wird, ohne dass es einen Finanzkollaps gibt. Das würde dann die immer weniger werdenden Einwohner unserer Stadt hart mit weiter steigenden kommunalen Steuern treffen.
Wie ist die Meinung des verehrten Forums zu diesem Thema?
Gruß Plancius
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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER
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