Kurzer Reisebericht vom äußersten Nordosten Deutschlands - Radtour am Stettiner Haff nach Polen
bearbeitet von Plancius, Sonntag, 07.06.2026, 12:23
Am Stettiner Haff geht’s entlang bis nach Altwarp. Hier gab es bis zum EU-Beitritt Polens einen kleinen Grenzübergang mit Fähre hinüber auf die polnische Seite nach Neuwarp.
In Altwarp kann man das ganze Elend Deutschlands im kleinen sehen. Die Kommunen reißen sich um Fördermittel, dann wird irgendetwas mit einem saftigen Eigenanteil der Gemeinde gebaut – und danach wird es nicht unterhalten und das Objekt gammelt so vor sich hin.
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Eingang zum Parkplatz/Wohnmobilstellplatz in Altwarp, direkt am alten Grenzübergang
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Die lieblos aufgestellten Sanitärcontainer sind zum Teil defekt. Hastig wurde ein Toilettenhäuschen aufgestellt.
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Der Stellplatz macht insgesamt einen ungepflegten Eindruck
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Auch um die kürzlich eröffnete Radausleihstation wuchert schon das Unkraut.
Wir Deutschen kriegen einfach nichts schönes mehr auf die Kette. Vieles wird nur noch so lieblos dahingerotzt.
Mit dem Kutter „Lütt Matten“ setzen wir hinüber ans andere Ufer. Im Jahr 2019 zahlte ich noch 4,50 EUR für die Fährfahrt, mittlerweile sind es 10 EUR.
In Neuwarp erwartet uns ein vor einigen Jahren frisch saniertes Dorf. Klar, wurde hier alles mit EU-Mitteln gebaut, aber man fragt sich doch, warum wir in Deutschland nicht in der Lage sind, EU-Mittel in angemessener Höhe einzuwerben und, was noch wichtiger ist, wenn denn Fördermittel geflossen sind, die entstandenen Objekte auch entsprechend zu pflegen und zu unterhalten.
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Saubere Plätze, nicht vom Unkraut überwuchert
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Auch hier Liebe zum Detail
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"Allen Mamas zur Ehre" auch auf deutsch
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Die Polen schämen sich nicht für ihre Flagge. Sie weht überall vor Rathäusern und an öffentlichen Plätzen.
Weiter geht’s auf einer alten Kleinbahnstrecke wieder zurück nach Deutschland. Auf polnischer Seite feinster Asphalt, der an der deutschen Grenze abrupt endet. Hier landet man für ein paar Hundert Meter im Tiefsand, so dass man sein Fahrrad schieben muss.
Den rund 50 km langen Rundweg entlang des Stettiner Haffs fahren bei gutem Wetter, am Wochenende und in den Ferien viele deutsche und polnische Touristen. Insbesondere für die Stettiner ist der Radweg ein beliebtes Ausflugsziel.
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Deutsch-polnische Grenze. Hier endet abrupt der asphaltierte Radweg.
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Hier beginnt der Sandweg
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Die Schiebestrecke im Tiefsand
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"Unser" Radweg
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Hinz und Kunz darf ungehindert rein in unser Land. Polnische Wildschweine haben aber gefälligst draußen zu bleiben.
Es ist wirklich eine Schande für unser Land, dass wir es nicht mal schaffen, 36 Jahre nach der Wende ein paar Hundert Meter Radweg zu bauen, um den Lückenschluss auf deutscher Seite zu tätigen.
Überhaupt habe ich den Eindruck, dass Polen mittlerweile in seiner Entwicklung an Ostdeutschland vorbeigezogen ist.
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Im Dörfchen Ried ist die Zeit seit der Wende stehengeblieben. Straße aus Betonplatten, kein Gehweg, alles macht einen ziemlich ungepflegten Eindruck. Es wohnen aber auch viele Künstler hier, von denen man sagt, dass sie ziemlich links seien und keinen Sinn für "Schönes" haben.
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Hauptstraße in Ried
Während die Investitionstätigkeit im Osten nach dem Gemeinschaftswerk „Aufschwung Ost“ so gegen 2010 abrupt zum Erliegen gekommen ist, ist die Investitionsdynamik in Polen ungebrochen. Die Städte sind optisch ansprechender geworden, man sieht auch viel mehr kommunales Personal herumwuseln, um die öffentlichen Plätze zu pflegen.
Aber auch der alte Westen Deutschlands wird mit rasanter Geschwindigkeit abgewirtschaftet. Die Bürger beiderseits des Rheins bekommen seit dieser Woche mit der Sperrung der Friedrich-Ebert-Brücke der A565 über den Rhein genau das serviert, was sie seit vielen Jahren gewählt haben. Eine Politik der mutwilligen Zerstörung ihrer Heimat samt Lebensgrundlagen.
Da brechen in Bonn und Umgebung zur Zeit ganze Lebensentwürfe in sich zusammen.
Sontagsgrüße in die gelbe Runde von
Plancius
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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER