Teil 2)

helmut-1, Siebenbürgen, Samstag, 11.04.2026, 12:38 (vor 11 Stunden, 34 Minuten) @ helmut-1672 Views

Überhaupt bin ich mit so mancher österr. Eigenheit nicht besonders glücklich. Man spricht in den offiziellen Medien vom „Nationalfeiertag“ am 26.10. Ich verwende das Wort „Staatsfeiertag“. Das Wort „Nation“ auf österr. Belange anzuwenden, finde ich etwas deplatziert, obwohl ich auch in Siebenbürger als überzeugter Österreicher auftrete und niemals meine österr. Staatsbürgerschaft gegen eine andere eintauschen würde.

Irgendwann bin ich der Frage nachgegangen, woher der Begriff „Deutsch“ resp. das „Deutschtum“ überhaupt stammt oder seine Wiege hatte. Ich sehe den Ursprung in der Nibelungensage, und das spielte sich geographisch damals vom Eisack bis in den Odenwald ab. Das teilt sich heute auf drei Staaten auf, damals gabs aber diese Grenzen nicht. Überhaupt sind aktuelle Grenzverläufe für den deutschen Sprach- und Kulturkreis irreführend.

Deutsch ist nicht nur in meinem Vaterland Österreich und in Südtirol gegenwärtig, sondern auch in der östlichen Schweiz, in den östlichen Landesteilen Frankreichs wie z.B. Elsass-Lothringen, im Süden Dänemarks, in den osteuropäischen Ländern findet man die Pommern, die Ostpreußen, die Schlesier, die Zipser in der Slowakei, die Sudetendeutschen, die Ungarndeutschen in Fünfkirchen, die Deutschstämmigen in der Bukowina (Ukraine) und in Bessarabien (Moldawien), sowie die Siebenbürger und die Banater in Rumänien und in der Batschka im heutigen Serbien.

Deshalb finde ich den Text des alten Deutschlandliedes („von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt“) nicht als territorialen Gebietsanspruch, sondern als ein Bekenntnis zur Existenz der deutschen Kultur und der deutschen Sprache, sowie vielen Traditionen.

Dazu kenne ich nur in Österreich den Begriff des „Nationalrates“ als Volksvertretung im Parlament, in anderen Ländern, wie z.B. in der Schweiz, ist es die „Bundesversammlung“, in Deutschland der „Bundestag“, in der DDR war es die „Volkskammer“. Überhaupt sind die Verfechter des Begriffes einer „österr. Nation“ für mich schon deshalb wenig glaubwürdig, weil es sich bei vielen Ortsnamen immer um den Hinweis auf die deutsche Zugehörigkeit handelt.

Beispiele:
Deutsch Goritz
Deutschfeistritz
Deutsch Brodersdorf
Deutsch Jahrndorf
Deutsch-Wagram
Deutsch Haslau
Bad Deutsch-Altenburg
Deutsch Kaltenbrunn, - etc. etc.

Ich habe noch keinen Ortsnamen entdeckt, bei dem statt des Wortes „Deutsch“ der Begriff „Österreichisch“ verwendet wird. Warum also die Verbissenheit mit dem Wort „National-Feiertag“ und „Nationalrat“? Der Begriff der Nation ist in meinen Augen etwas weiträumiges; etwas, was alles umspannt, wie ich in meiner Aufzählung der Geographie der Deutschstämmigen erklärt habe. Und ich unterstreiche nochmals, dass diese Denkensart nichts mit einem territorialen Anspruch zu tun hat.

Wie kindisch man bei anderen Beispielen mit historischen Begriffen in Deutschland und Österreich umgeht, werde ich am Montag, den 20.April dieses Jahres bei mir zuhause wieder feststellen. Da wird bei mir im Hof die Blaskapelle aufspielen, mit schönen deutschen Weisen und Volksliedern, mit Bier und Wein und gutem Gegrilltem. Meine guten Freunde unter den hier ansässigen Siebenbürger Sachsen werden dabei sein. Am nächsten Tag werden dann mir die Nachbarn, egal ob Rumänen oder Ungarn, wieder sagen, wie schön das beim Vorbeigehen auf der Straße geklungen hätte, und man hätte sich dabei an frühere Zeiten erinnert, als noch die Deutschstämmigen in unserer Stadt den Ton angaben.

Kein Mensch würde hier jemals auf die Idee kommen, das mit dem Geburtstag eines ehemaligen deutschen Führers in Verbindung zu bringen, diese beschränkte und verbissene Denkensart gibt es nur in Österreich und Deutschland.

Für mich ist es ein besonderer Anlass:
Am 20. April 1966 habe ich meinen Lehrvertrag unterschrieben, und bin bis zum heutigen Tag einschl. meiner Studien in Wien und Stuttgart ununterbrochen in meinem Beruf tätig. 60 Jahre in einem Beruf tätig zu sein, dessen Wahl man niemals bereut hat, das ist schon ein Anlass, den es zu feiern gilt.

Wie heißt es in einem chinesischen Sprichwort:

„Willst du für eine Stunde glücklich sein, so betrinke dich. Willst du für drei Tage glücklich sein, so heirate. Willst du für acht Tage glücklich sein, so schlachte ein Schwein. Willst du aber ein Leben lang glücklich sein, so werde Gärtner.“


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