Global betrachtet völlig richtig. Das Handeln lokaler Akteure kann aber für sie vorteilhaft sein.

Plancius, Donnerstag, 02.04.2026, 09:27 (vor 1 Tag, 0 Stunden, 16 Min.) @ Miesepeter762 Views

Hallo @miesepeter,

deine Ausführungen sind global und funktional betrachtet völlig richtig.

Das interessiert die Politik jedoch nicht. Diese handelt für ihr abgestecktes Territorium im Sinne ihrer Partikularinteressen. Das führt dann zur viel beschriebenen "Beggar-your-neighbor-policy".

Wenn Polen, wie jetzt geschehen, die Mehrwertsteuer und die Mineralölsteuer bis auf einen kleinen Restbetrag auf Benzin und Diesel aussetzt, so werden die Folgen des globalen Ölpreisanstiegs für die Polen abgemildert. Sie können weiterhin business as usual betreiben, ohne die Nachfrage nach Öl einzuschränken.

Sie können dadurch sogar einen Vorteil erzielen, wenn ihr großer Nachbar Deutschland keine Steuern auf Ölprodukte streicht. Die nachlassende Wirtschaftsaktivität bei uns, das Abgleiten des Transportsektors in eine existenzielle Krise kann zu einer erhöhten Nachfrage nach polnischen Produkten und Dienstleistungen führen.

- polnische Spediteure übernehmen vermehrt Frachten bei uns
- polnische Produkte werden billiger und bei uns mehr nachgefragt
- deutsche Firmen verlagern energieintensive Produktionen nach Polen

Wenn einzelne Länder also Ölprodukte subventionieren und die Mehrheit der Nachbarn dies nicht tut, kann ein solches Land sogar einen Vorteil daraus ziehen.

Da etliche andere Länder jedoch eine ähnliche Politik wie Polen betreiben, verpufft der Effekt der erhofften Wirtschaftsbelebung für diese insgesamt. Der große Verlierer wird aber unter dem Strich Deutschland sein, weil wir zuerst die Segel streichen und zuerst wichtige Industrien verlieren.

Gruß Plancius

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER


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