Deine Frage zur Instandsetzungszeit von lokalen! Stromnetzen

paranoia, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Donnerstag, 08.01.2026, 15:39 (vor 5 Tagen) @ DT1635 Views
bearbeitet von paranoia, Donnerstag, 08.01.2026, 15:50

Hallo DT,

Ich hatte ja gesagt: 2 Tage Wochenende, 2 Brückentage, dann Feiertag, dann kommt der Strom wieder.
Aber in der Tat scheint die Firma etn.at aus Niederösterreich angerückt zu sein, die am Montag abend (der Stromausfall war seit Sa morgen!) Berlin erreicht hat, weil die Monteure noch am Mo morgen ihre Werkzeuge vorbereiten mußten. Dann dauerte es 4h bis die Verbindungsbrücke gelegt war und dann gab es noch einen 24h Test, ob auch alles hält, das wars.

WTF, wieso wird da nicht direkt am Sa morgen losgelegt und das Ding ist am Sa abend fertig?

Können die Strom-/Netz- und Batterieexperten der Stadtwerke Hannover/enercity bzw. Tennet hier endlich einmal ein qualifiziertes Statement abgeben, was da so lange dauert und wieso man das ganze Wochenende Daumen gedreht hat?

ich kann nicht ausschließen, dass Du mich meinst. Ich bin kein Experte (nur interessierter Laie!) und möchte auch nicht als solcher tituliert werden, weil im öffentlich-rechtlichen Schundfunk jeder Interviewte so einen Titel angehängt kriegt.

Zu Deiner Frage:

Der Kern Deiner Frage ist ja durch die Beiträge von den Foristen Rainer und tradi beantwortet worden.

Betriebswirtschaftler stehen immer vor der Frage: Eigenfertigung oder Fremdbezug?
Offensichtlich sind solche Reparaturen so selten, dass der Netzbetreiber in Berlin eine Fremdfirma nutzt. Daran ist nichts auszusetzen. Der Netzbetreiber weiß aus Erfahrung, was wann und wie oft kaputt geht.

Die Dienstleistung der Verfügbarkeit eines Reparaturtrupps an 365 Tagen im Jahr für solche Ereignisse muss der Netzbetreiber offensichtlich extern einkaufen und das kostet eine Menge Geld, weil der Dienstleister ja die Ressourcen vorhalten muss.

Seitens des Angreifers war das Timing optimal.

Es gibt in Deutschland "Einrichtungen", die zählen zur kritischen Infrastruktur. Zählt das Stadtteilnetz in Berlin dazu? Ich glaube nicht!

In anderen Bereichen verläuft das anders. Fällt eine Ressource aus, wird ein Krisenfall ausgerufen.
Es wird ein vorherbestimmter Krisenstab und ein Lageteam aktiv. Dieses Teams übernehmen. Sie sind nicht mit der Unternehmensführung identisch. Das Lageteam sammelt alle Informationen und stellt sich dem Krisenstab zur Verfügung. Was gerne vergessen wird: Der Protokollführer! Der muss in beiden Teams vertreten sein, seine Aufzeichnungen schützen die beiden Teams vor Nachher-Besserwissern wie DT und paranoia.

Wie man es in einer kleinen Stadt macht, schreibt der NDR in einem wunderschönen Artikel, aber Vorsicht, die handelnden Personen sind alles pöse rächtsradikale Prepper!

https://www.ndr.de/notlage-stromausfall-was-macht-der-norden-wenn-es-dunkel-wird,stroma...

Das Krisenmanagement in Berlin muss sich also am Plan der Stadt Ellerau messen lassen.

In Berlin hätte ich folgendes erwartet:

1. Schadensaufnahme durch Netzbetreiber
2. Schätzung maximale Reparaturdauer, Benachrichtigung der Entscheider, die Punkt 3 ausrufen können
3. Feststellung einer Krisensituation, Einberufung von Krisenstab und Lageteam.
4. Umsetzung der Maßnahmen
5. Information der Bevölkerung über Radio, Lautsprecherwagen der Polizei*1 oder auch Fußstreifen

a) Sicherstellung der Wasserversorgung durch Tankwagen des THW (eventuell auch Feuerwehr?)
Schlund im Ahrtal war 3 Tage ohne Außenkontakt. 2 Tage ohne Trinkwasser gelten als kritische Grenze zum sterben!

b) Besetzung der Sammelpunkte ("Leuchttürme") durch Rettungs- und Hilfskräfte
c) Einrichtung von "Wärmeinseln" mit Strom zum Laden von Akkus und Handys
d) Ermittlung der vulnerablen Gruppen (immobile Senioren, Kranke, die zu hause an der netzbetriebenen Medizintechnik hängen), eventuell Evakuierung

Jedes Jahr haben wir in Hannover Maschseefest. Die Mobilfunkbetreiber stellen dann einen extra Handy-Funkmast auf. Die Sicherstellung der mobilen Kommunikation ermöglicht es den Bürgern, sich weitestgehend selbst zu helfen.

Meiner Meinung nach ist Deine Erwartungshaltung etwas überzogen. [[sauer]]
Zur Beurteilung der Lage in Berlin müsste man überprüfen, wie schnell welche Krisenleistungen erbracht worden sind.

Anscheinend mußte der Bürgermeister Wegener ja lieber die Zeit mit seiner Geliebten, der Bildungssenatorin Berlins verbringen, anstatt zu handeln.

Der Bürgermeister muss aus psychologischen Gründen sofort dasein, und die Sammelpunkte abklappern.
Man erwartet, dass er mitfriert. Eine Funktion hat der während der Krise eventuell gar nicht, vielleicht auf dem Lautsprecherwagen.

"Wir sind im Zeitplan" ist Desinformation. Besser fände ich:

"Wir erwarten schlimmstenfalls eine Ausfalldauer von 2 Wochen. Wir hoffen, es in drei Tagen zu schaffen. Sicherheitshalber behandeln wir den Anschlag als Katastrophensituation."

Fazit:

Es geht nicht darum, jede Leitung zu verbuddeln oder neben jede Leitung einen Polizisten zu stellen.
Es geht darum, ein strukturiertes Konzept für alle möglichen Arten von Krisenlagen zu besitzen, Krisenlagen auszurufen und das Konzept umzusetzen.
Daran müssen die Verantwortlichen messen.

Das muss man aber auch üben, selbst wenn es nur eine Trockenübung des Krisenstabs und des Lageteams ist.

Sicherheitshalber sollte man sich nicht auf den Staat verlassen.

kostenlose Vorsorgeinfos gibt es bei:

https://www.bbk.bund.de/DE/Home/home_node.html
https://www.saurugg.net/

Hier steht wirklich alles drin (kostenpflichtig, Empfehlung eines Mitforisten, der das Buch im Kopf hat):
https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1001443416

"Urban Survival" von Thomas Gast bitte nicht kaufen. Das ist unstrukturierter Müll.

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.


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