So treiben uns die Zentralbanken in die Abhängigkeit! (Benjamin Mudlack im Interview)

stocksorcerer @, Mittwoch, 21.08.2024, 07:08 vor 523 Tagen 4233 Views

bearbeitet von stocksorcerer, Mittwoch, 21.08.2024, 07:20

Für mich das insgesamt interessanteste Interview zum Thema, das ich dieses Jahr gesehen habe. Ganz schwierig, die Inhalte ordentlich zusammenzufassen, da klickt man wohl besser auf die Abschnittsbeschreibungen unter dem Video. Ich habe mal eine Stelle rausgesucht, die ich wichtig fand, es gibt aber sehr viele.

https://youtu.be/KUcSB1cTDk4?t=1764

Spannend fand ich, wie "sicher" unsere "digitalen" Wertpapierkonten seit 2007/2008 (JP Morgan gewinnt Prozess bei Zugriff auf Kunden-Vermögen bei Lehman-Pleite) sind, wenn Banken in der Krise als Besitzer das erste Zugriffsrecht haben.

Lieben Gruß
stocksorcerer

Von Paul C. Martins 'Staaten sind Militärdiktaturen im Wartestand' zum chinesischen 'Sozialkredit-System'

Ostfriese @, Mittwoch, 21.08.2024, 10:02 vor 523 Tagen @ stocksorcerer 3755 Views

Hallo stocksorcerer

Ganz schwierig, die Inhalte ordentlich zusammenzufassen, da klickt man wohl besser auf die Abschnittsbeschreibungen unter dem Video.

Exakt.

Es gilt, jenseits der Dunbar-Zahl zu verstehen, dass Zentralmachtsysteme keine Macht besitzen, sondern Ordnungen ihrer Potenziale (=Möglichkeiten) sind - sie besitzen gemäß @Silke kein Zentrum, obwohl sich alles zentrisch ausrichtet. Die Prozesse suchen sich entsprechend ihren Potenzialverteilungen ihre Akteure, auch wenn der eine oder andere davon mehr oder weniger zu profitieren scheint.

Die EZB zum Beispiel ist das von der Zentralmacht beauftragte Derivat, um Macht - mithilfe des derivativ aus der Zentralmacht entstandenem Geld - zu zedieren. Darüber ist die Europäische Union zu verorten. Im Hintergrund gedeihen und wirken die globalen Beraternetzwerke und einige die Staaten beratende Großkanzleien. Wie gesagt: Staaten sind Simulationen.

https://archiv1.dasgelbeforum.net/index.php?id=297456 Wow, Ashitaka , Dienstag, 22.10.2013, 19:37 (vor 3955 Tagen) @ Zarathustra

Der Staat hat nur abgeleitete Macht, ist Derivat der Macht. Seine Verschuldung, sie ist das Fundament, welches verschwinden wird. Denn er kann sich nicht verschulden, ohne zugleich seine Gläubiger zu vernichten (z.B. Monetarisierung). Demokratie ist Blindheit, aufgeschobener Völkermord. Das Diktat ist ebenso unfähig zum Überleben. Jeder Debitist weiß, dass die Staaten der Welt an den Seilen der Verschuldung hängen. Sie sind unfähig sich jemals davon zu befreien, es ist die Haut, welche ihre Organe schützt, verteidigt, welche das Recht, den Rechtsraum schaffen. Nichts ist da, alles ist vorgeschoben (versprochen, verschuldet, vorfinanziert).

Spannend fand ich, wie "sicher" unsere "digitalen" Wertpapierkonten seit 2007/2008 (JP Morgan gewinnt Prozess bei Zugriff auf Kunden-Vermögen bei Lehman-Pleite) sind, wenn Banken in der Krise als Besitzer das erste Zugriffsrecht haben.

Paul C. Martins Erkenntnis - Staaten sind Militärdiktaturen im Wartestand - findet als perfekte Zentralmachtordnung ihre moderne Realisierung im chinesischen Sozialkredit-System.

https://www.arte.tv/de/videos/109848-000-A/was-china-der-welt-nicht-zeigt-total-trust/ Was China der Welt nicht zeigt - Total Trust 92 Min. Verfügbar bis zum 19/09/2024

Gruß - Ostfriese

Es reicht schon zu, dieses Szenario in einem kleineren Maßstab zu analysieren.

Dionysos @, Mittwoch, 21.08.2024, 10:53 vor 523 Tagen @ stocksorcerer 3620 Views

Um bei dem aktuellen Beispiel der insolventen FWU Versicherung und deren 285.000 Kunden mit 9 Mrd. Euro Beitragssumme zu bleiben. Diese Personen hatten bereits bei Vertragsabschluss ihr Urteil besiegelt.

https://www.youtube.com/watch?v=COVmsKouRmE

Aber selbst die schlauen Investoren, die z. B. beim Lateiner das gelbe Zeug gekauft haben, damit dieser es ganz sicher im Ausland verwahren soll, sind sich des Risikos gar nicht bewusst. Der Lateiner besitzt einen Vertrag mit diesem Lager. Der Anleger besitzt aber lediglich einen Vertrag mit dem Lateiner. Der Investor hat kein direktes Zugriffsrecht auf dieses Depot im Ausland.

Wenn z. B. der Lateiner irgendwelche unerwünschten Personen zu seinem Kundenkreis zählt, kann es vielleicht einmal möglich sein, dass der Gesetzgeber ein Verbot zu Ausübung des Gewerbes an den Lateiner ausspricht.

Es könnte sich aber auch wie folgt abspielen: Eine Behörde sucht in der Abwasseranlage nach Darmbakterien und wird bei einem positiven Befund die ganze Kommune oder das Land in Quarantäne stecken.

Man sieht, ob es sich dabei um gelbe - oder braune Kacke handelt, ist völlig egal.

Es geht immer um die Zeit DANACH. Hmm, aber so hatte W.E. auch immer argumentiert.

https://abc7.com/post/oxford-gold-group-more-complaints-emerge-beverly-hills-firm-promi...

Gruß
Dionysos

--
Armut schafft Demut, Demut schafft Fleiß, Fleiß schafft Reichtum,
Reichtum schafft Übermut, Übermut schafft Krieg, Krieg schafft Armut.

In dem Zusammenhang: Es hieß doch immer, viele Länder z.B. Italien würden in den Ruin getrieben, wenn die Zinsen wieder hochgehen. Nach 2 Jahren ist jetzt aber nichts passiert. Wie kann das sein?

BerndBorchert @, Mittwoch, 21.08.2024, 13:21 vor 523 Tagen @ stocksorcerer 3261 Views

bearbeitet von BerndBorchert, Mittwoch, 21.08.2024, 13:35

Es ist nicht der Fall, dass die EZB die Staatsanleihen massiv aufkauft, denn sie stößt seit 2 Jahren netto welche ab (Verkürzung der Bilanz um 2,5 Bill. Euro):

https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik/2024/08/12-konjun...

Bernd Borchert

Deutsche Staatsanleihen als rettender Anker

Ostfriese @, Mittwoch, 21.08.2024, 15:23 vor 523 Tagen @ BerndBorchert 3557 Views

Hallo Bernd

Anleihen, die von Staaten bester Bonität emittiert werden, also als frei von Ausfallrisiko über das gesamte Laufzeitspektrum aktiv auf einem liquiden Markt handelbar gelten, werden als ausfallrisikofrei angesehen. Dazu zählen Deutschland und die USA. Neben Staatsanleihen solcher Staaten werden auch Swaps und Pfandbriefe als frei von Ausfallrisiko angesehen.

Unmittelbar geht Italien nicht in den Ruin, weil die deutschen Staatsanleihen eben die tragenden Pfeiler des Euro bilden in diesem Spiel der Finanztitel-Hausse, in der es ausschließlich auf die Zinsdifferenz und niemals auf die Zinssätze selber ankommt.

https://archiv.dasgelbeforum.net/ewf2000/forum_entry.php?id=129210 Perfider Dienstag, Goldstandard, maximal mögliche Kurse verfasst von dottore, 08.07.2002, 15:56

Gruß - Ostfriese

Ostfriese: "werden auch Swaps ...als frei von Ausfallrisiko angesehen."

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Mittwoch, 21.08.2024, 22:21 vor 523 Tagen @ Ostfriese 3032 Views

Hallo Ostfriese,

warum soll das so sein?

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Re: Ostfriese: "werden auch Swaps ... als frei von Ausfallrisiko angesehen."

Ostfriese @, Donnerstag, 22.08.2024, 10:12 vor 522 Tagen @ paranoia 2842 Views

Hallo paranoia

Mein Beitrag bezieht sich über das Teilwort zinsspread aus der zinsspread-induzierte Hausse, die in meinem Link über PCMs Ausführungen zu finden ist, inhaltlich auf Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Credit_Spread .

warum soll das so sein?

Weil die Staatsanleihen in $ oder € in überschaubaren Zeiträumen als wenig volatil und damit als Referenzen zu anderen Finanzprodukten gelten, wie ich zwischen den Zeilen z.B. in

https://fastercapital.com/de/inhalt/Credit-Spread--Ueberlegungen-zum-Credit-Spread--Die...

zu lesen vermag.

@Silkes Zitate

Die Prozesse suchen sich entsprechend ihren Potentialverteilungen ihre Akteure, auch wenn der eine oder andere davon mehr oder weniger zu profitieren scheint.

und vor allem (meine Hervorhebung)

In jahrtausendelangen Optimierungsprozessen hat sich das ZMS globalisiert und dem Zugriff einzelner Menschen oder Personengruppen entzogen, so wie das Geld heute eben keine Naturalien, kein Edelmetall, keine Banknote und kein Bit mehr ist, sondern eine von all den Schleiern der Verdinglichung befreite Systemeigenschaft.

sind in

https://archiv2.dasgelbeforum.net/index.php?id=434085 Ein Zentralmachtsystem hat kein Zentrum obwohl sich alles zentrisch ausrichtet. Silke, Samstag, 06.05.2017, 00:24 @ Ashitaka 3057 Views

zu finden.

Gruß - Ostfriese

Kritik: Ostfriese: "werden auch Swaps ... als frei von Ausfallrisiko angesehen."

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Donnerstag, 22.08.2024, 10:58 vor 522 Tagen @ Ostfriese 2776 Views

Hallo Ostfriese/Ashitaka? :),

in Deinem Beitrag mit dem Titel "Deutsche Staatsanleihen als rettender Anker"
erwähnst Du Staatsanleihen, Pfandbriefe und Swaps.

In Staatsanleihen und Pfandbriefe kannst Du investieren, Swaps sind Derivate, vereinfacht gesagt, Wetten. Es ist nicht sinnvoll, Swaps in dem Kontext der Diskussion zu erwähnen.

Derivate, also auch Swaps, besitzen einen Marktwert, der positiv, negativ oder Null sein kann.
Eine Wette, die sich zu Deinen Gunsten entwickelt, hat aus Deiner Sicht einen positiven Marktwert, aus der Sicht des Kontrahenten einen negativen. Der Marktwert kann sich aber auch zu Deinen Lasten entwickeln.

Vor der Finanzmarktkrise 2008 haben sich die Marktteilnehmer Kreditlinien eingeräumt.
Heutzutage werden Swaps täglich nach Feststellung des Marktwerts nachbesichert.
Zwischen die beiden Kontrahenten tritt bei Standardswaps ein Clearinghaus, aber erwähne ich nur der der Vollständigkeit halber.

Wenn sich Dein heute abgeschlossener Swap heute zu Deinen Gunsten entwickelt, trägst Du ein Kreditrisiko auf Deinen Swap-Kontrahenten. Um das zu eliminieren, zahlt der Kontrahent den Marktwert (morgen) in bar.
Entwickelt sich der Swap zu Deinen Lasten, musst Du ihm/dem Clearinghaus den Marktwert des Swaps überweisen.
Es fließen also die täglichen Wertänderungen des Swaps hin und her und reduzieren das bisher entstandene Kreditrisiko auf Null.

Wenn nun Dein Kontrahent ausfiele und der Swap über einen positiven Marktwert verfügt, schaust Du in die Röhre und erleidest einen Verlust, weil Dir Dein Kontrahent den Marktwert nicht auszahlt. Vielleicht kriegst Du ja noch eine kleine Quote vom Insolvenzverwalter. Dummerweise weiß kein Mensch, wie sehr sich das Underlying, also der Basiswert eines Swaps so bewegen kann.
So ein Swap birgt also trotz Besicherung ein Ein-Tages-Kreditrisiko.

Terminbörsen verlangen von allen Teilnehmern die Stellung von Sicherheiten, Cash oder Staatsanleihen VOR Abschluss eines Geschäfts. Mir ist jedoch nicht bekannt, dass Derivate-Clearinghäuser das tun und nicht alles Swaps werden über ein Clearinghaus abgewickelt.

Nur mal ein Beispiel, was "so geht": Zu Karneval 1992 oder 1993 bewegte sich USD/JPY an einem Tag um 10%, vielleicht zehnmal so viel wie an einem durchschnittlichen Tag.

Zusammenfassung:
Swaps sind fast frei von Kreditrisiken, aber keiner kann Dir sagen, wie wahrscheinlich das ist, dass der Kontrahent Pleite geht und sich gleichzeitig der Wert des Swaps an einem extremen Tag zu Deinen Gunsten bewegen kann.

Falls Du nun daran dachtest, mit Hilfe von Zinsswaps eine feste Verzinsung zu erzielen, würdest Du einen Swap abschließen, bei dem Du den festen Zinssatz erhältst, sagen wir nominal EUR 10 Mio, Laufzeit zehn Jahre. Du empfängst dann jährlich einen festen Zinssatz, müsstest aber halbjährlich 6-Monats-Euribor an Deinen Kontrahent zahlen.

Um nun das Zahlungsprofil eines festverzinslichen deutschen Staatsanleihe oder eines Pfandbriefs zu erhalten, müsstest Du Dein Kapital in einen Floater (variabel verzinsliche Anleihe) investieren.

Mit Kauf eines Floaters trägst Du aber ein Kreditrisko auf den Emittenten. Ein Floater, der halbjährlich 6-M-Euribor ohne Auf- oder Abschläge zahlt, entspricht dem Kreditrisiko der Referenzbanken, die den Zinssatz feststellen.

Wenn Du also einen Floater kaufst und in einem Zinsswap Empfänger bist, dann investierst Du synthetisch zum Kreditrisiko der Euribor-Banken. Das ist aber nicht gleich oder annähernd null.

Hinweis: Wegen des Kaufs des Floaters erhältst Du auf der variablen Seite +6M-Euribor aus der Verzinsung des Floaters.

Im Rahmen des Zinsswaps musst Du den 6M-Euribor an Deinen Kontrahenten zahlen, beide Zahlungen sind netto Null. Es verbleibt der Erhalt des fixen Zinssatzs aus dem Swap, mit der Du netto eine synthetische feste Verzinsung erzielst.

Fazit
Es ist im Kontext von risikofreien Investments nicht sinnvoll, Swaps zu erwähnen, zum einen wegen des oben beschriebenen Restrisikos, zum anderen, weil sich in den Swapsätzen nicht nur die Struktur der Zinskurve, sondern auch die Bonität der Referenzbanken reflektiert und die sind nicht kreditrisikofrei.

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Was mir nicht einleuchten will, ist die schlichte Tatsache, dass wir auf Millionen von Seiten …

Ostfriese @, Freitag, 23.08.2024, 19:42 vor 521 Tagen @ paranoia 2669 Views

Hallo paranoia

Was soll das

… Ostfriese/Ashitaka? :),

Im Gelben Forum, in dem sich die User auf einer gemeinsamen Erkenntnisreise - wie besonders während der Recherchearbeit im ehemaligen alten EWF - befinden, hat der Ostfriese […] nur die systemische Kernfrage hinter dem vordergründigen Fragezeichen für eine Antwortfindung im Blick: Für ihn gilt ausschließlich, den versteckten Motor des Systems - the hidden engine - zu ergründen.

Die täglich wahrnehmbare erlebbare Wirklichkeit vieler Foristen und Blogger steht offensichtlich im Widerspruch zu den Lehrinhalten, die ihnen an den Schulen und Akademien vermittelt wurden: Die zurückgehende Anzahl der Beiträge und sogar die Schließung der Blogs/Foren wie Stelters bto, Stöckers Zinsfehler, Renée Menéndez' soffisticated, Fazit der FAZ usw. zeigen es.

Sie sind Opfer ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit. Ihnen fehlt der Mut, sich den Panzerungen der eigenen Denkstrukturen zu entledigen.

https://archiv.dasgelbeforum.net/ewf2000/forum_entry.php?id=254247 Re: Nochmals zu Termin, Sanktion und Zwang verfasst von dottore, 17.02.2004, 16:05

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→ Hi Dimi,

vielleicht nochmals zur Erklärung. Es geht um den Zwang, etwas zu tun.

1. Dass getauscht wird; bedeutet nicht, dass es einen Zwang dazu gibt. Es gab z.B. auf Tobriand den Tausch Fisch/Yam, obwohl beide Seiten es bei dem hätten belassen können, was sie zur Verfügung hatten. Es ist aus keiner Tauschwirtschaft zu erkennen, dass sie sich nennenswert dynamisiert hätte.

2. Dass eine Abgabe (Tribut, Steuer) erzwungen wird, darf angenommen werden. Die entscheidenden Punkte dazu sind Termin und Sanktion, sofern der Termin nicht erfüllt wird.

3. Wird verliehen / geliehen ergibt sich ebenfalls ein Zwang, nämlich der, das Geliehene zum Termin zurückzugeben bzw. bis dahin zu fertigen und auszuhändigen. Auch dazu bedarf es, um einen Zwang darzustellen, einer Sanktion. Auch daraus leitet sich keine permanente Dynamisierung ab, da es mit der Entrichtung der Sanktion (u.a. Verspätungszuschlag) sein Bewenden hat.

4. Es muss also nach etwas gesucht werden, dass jene, die sich subsistenzmäßig, wenn auch mit geringem Fortschritt (Domestizierung, Irrigation o.ä.) erhalten, auf Dauer unter Zwang (Termin, Sanktion) gehalten werden. Dabei ist die daraus resultierende Abgabe für den Abgabenfordernden eine Bequemlichkeit, für den zur Leistung Verpflichteten eine Last.

5. Da auch andere nach dieser Bequemlichkeit (Ausdruck: Hierarchie) streben und gleichzeitig die Leistenden unwillig werden, gerät der Abgabenfordernde (Macht) seinerseits - falls er seine Stellung nicht aufgibt - unter Druck, seine Position zu halten. Er ist gezwungen, seine Position defensiv bzw. offensiv zu verteidigen. Der Zwang, unter dem er steht, ist der nachvollziehbare Wunsch, die Sanktion zu vermeiden, die ihn nach Verlust seiner Position ereilt.

6. Das Mittel, seine Position zu halten, sichern, auszubauen ist - außer unter Zuhilfenahme supranatürlicher Kräfte (Priester o.ä.) - schlicht die Waffe. Diese muss er möglichst monopolisieren (lahmer Schmied-Phänomen), was zu Metallabgaben führt (in der Bronzezeit getrennt nach Kupfer und Zinn).

7. Als Abgabe kann er redistributionsfähige Subsistenzmittel abfordern (Getreidesilo-Phänomen), was seine Verteiler- (Redistributions-) und Machtfunktion zugleich stärkt und gefährdet. Oder er nimmt Protzabgaben entgegen, die er thesauriert, ohne sie wieder auszugeben, was auch nicht beabsichtig war (Gerloff).

8. Fordert er teilbares Edelmetall, kann er es zunächst thesaurieren (Tempelbank), muss es aber in irgendeiner Form wieder dorthin zurückschleusen, aus dem es ursprünglich kam (nicht reproduzierbar).

9. Die zu Edelmetallabgaben Verpflichteten müssen sich das, was sie laufend leisten müssen, ihrerseits bei Thesaurierer beschaffen, es von dort ertauschen (Beginn des Fernhandels, wobei der Händler, siehe altassyrisch tamkarum zunächst als Agent des Machthabers auftritt - royal agent -, vgl. Radner), mit dem Metall auf Reisen geht und die gewünschten Güter beschafft; dabei entwickeln sich Unterhändler usw., der tamkarum wird auch Banker usw.). Das Metall beginnt, zu zirkulieren, d.h. es kehrt wieder zu dem Platz zurück, von wo es als Abgabe abgefordert wird. Das Edelmetall ist keineswegs small exchange, sondern beschränkt sich im Bereich der Abgabenmacht auf kleine Machtcliquen (siehe noch Etrusker).

10. Es kommt zu ersten Preisen, die sich zunächst ausschließlich auf Stück- und nicht etwa Gattungsgüter beziehen und das ausdrücken, was das Stückgut im Abgabengut wert ist.

11. Wird der Machterhalt in großen Stil in Frage gestellt (Umsturz, Krieg) und reicht zum Machterhalt nicht die vorhandene manpower aus, muss diese - ebenso wie die erwähnten Güter - gekauft werden, Klartext: Es werden jetzt mit dem Abgabengut nicht Sachen, sondern Dienstleistungen ertauscht, also machtherhaltende Fremdtruppen (Söldner). Diese lassen sich aus naheliegenden Gründen (Transport usw.) nicht in Subsistenzmitteln entlohnen, sondern just in dem Edelmetall, in dem seit jeher Fremdtruppen bezahlt wurden. Die Fundlage dazu ist von überwältigender Eindeutigkeit, reicht vom Assyut-Hort, der einzigen ägyptischen Goldmünzprägung (nach Sikulo-punischen Münzfuß), der römischen Goldprägung nach (!) Cannae bis zu den größten Münzhorten, die je gefunden wurden (Norddeutschland, Skandinavien, Gotland usw.).

12. Auch die größten Tributforderngen bzw. Beuten (Karthago, Persepolis, Danegeld bis hin zu den Reparationen nach WK II) bestehen aus Edelmetall, das seinerseits, da Abgaben- bzw. Tributgut den besagten Wert, ausgedrückt in anderen Gütern erhält.

13. Ist der Metallabgabenschuldner zwar solvent, aber nicht im Abgabengut selbst liquide, muss er sich dieses über Leihvorgänge (monetär) beschaffen, was nicht nur den Zwang zur sanktionsbewerten Rückgabe (Zählung = Vorzählung, sobald gewichtsgenormt, speziell: gemünzt) beinhaltet, sondern auch den enorm hohen Zinssatz (20-30% p.a. im frühen Nahen Osten), der sich aus der Sanktionsdrohung (Tod, Versklavung, Schuldknechtschaft) erklärt und nicht etwa aus irgendwelchen fabelhaften Gewinnmöglichkeiten, die sich aus dem toten Kapital (Metallgeld) erzielen ließen.

14. Der Zinssatz ist immer Kurzfristzinssatz (man hofft, sich der Misslichkeit rasch und mit einem glücklichen Schlag entledigen zu können) und nicht etwa längerfristig zur Verfügung gestelltes Kapital - auch wenn sich der Vorgang wiederholen lässt.

15. Hätte es Langfrist-Kapitalisten gegeben, müssten sich von ihnen irgendwelche Spuren finden lassen (Privatpaläste, Prunkgräber), was aber nirgends der Fall ist, woraus zu schließen ist, dass diese Schichten ab Vorliegen einer bestimmten Thesaurierungsmasse selbst in den Kampf um die Macht eingeschaltet haben (Bürgerkriege, am besten die umfangreichen - nach Staats- und Abgabenstandard geprägten - IIIViri-Münzen in der Endphase der römischen Republik).

Es geht also nicht um den Aspekt Tauschen oder Leihen auf privater Ebene, die sich irgendwie glückhaft ergänzen und den Prozess dynamisieren, sondern um den Zwang, der zunächst und zuerst Abgabenzwang ist, von dem alles Weitere unschwer abgeleitet werden kann.

Da die Machtausübung in Form des bewaffneten Zwangs sowohl zu diseconomies führt (wer arbeitet schon gern für andere) als auch permanent Machtgefährdung bedeutet (neue Schweine an den Trog), hat sich als ein probates Mittel die laufende Machtzession erwiesen, die sich (Idealbeispiel England) bis herunter zur Zession sogar des Abgabenmonopols in Form des Etat- und Abgabenerhebungsrechts (Herrscher-Landlords-Rentiers-Parlament, nicht an die Bevölkerung selbst!) entwickelt hat (moderne Demokratie mit Haushaltsrecht der gewählten Volksvertretung) entwickelt.

Das Abgaben-Erhebungs-Privileg endet nunmehr vor unseren Augen in sich selbst, da auf die Abgaben gezogen wird (lief auch schon jahrhundertelang davor parallel, allerdings kernmacht- bzw. herrscherbezogen), womit die künftigen Steuern zediert werden. Längst sind in allen modernen Staaten mehr als die Steuern eines Jahres an die Halter von Staatstiteln (Bills, Bonds, usw.) abgetreten.

Das Ende dieses letzten Machterhaltungsinstruments ist erreicht, sobald die überhaupt möglichen (bei freier Wirtschaft natürlich mehr als sonst) Steuern nicht mehr ausreichen, um die bereits zedierten (und mit [Jahres-]Fälligkeit versehenen!) Steuern zu decken, alias die Zinsen (= immer Abgaben ex Abgabenerzwingungsmittel Eigentum bzw. Macht) auf die Staatsschulden zu decken.

Dies kann zwar noch gestretcht werden (Notenbanken usw.), endet aber so oder so. Spätestens dann, wenn zusätzliche Beleihungs- (und damit BIP-Mehrungs- und damit Steuererhebungs-)möglichkeiten, die als Besicherung immer den Zugriff auf vorhandenes (Grundbesicherung) oder erwartetes Eigentum (Lohnpfändung) nicht mehr möglich sind (vgl. Paper).

Noch sind Möglichkeiten zu sehen (Bevölkerungsvermehrung, neue property rights, neue Märkte usw.), was aber nicht bedeutet, dass diese Veranstaltung erst endet, nachdem auch der letzte noch potenzielle Schuldner, der aktuelles oder potenzielles Eigentum anzubieten hätte, sich in den Kettenbrief eingereiht hat, sondern irgendwo davor.

Letztlich bleibt's dabei, dass sich das Welt-BIP (wie auch immer verteilt, wobei sich die Verteilung zugunsten der Zessionsbegünstigten verschlechtert) um mindestens den Betrag erhöhen muss, um das es bereits zediert wurde, alias also um die Zinsen steigen muss.

Dass die Zeit bis dahin kein Zuckerschlecken ist, zeigt vielleicht noch besser als die üblichen Reiche der Antike jenes von Assur. Dort hatte sich eine mit heutiger Wirtschaft absolut vergleichbares Gebilde entwickelt (alles war vorhanden, privates Eigentum, Handel, Geld, Zins, sogar Aktiengesellschaften) - und dennoch ging es in großen inneren Wirren unter. (meine Hervorhebung)

Dass Assyrien eine andere - ursprünglich unterjochte und waffentechnisch inferiore - Macht schließlich überrannte, könnte aufmerksamen Zeitgenossen ein Hinweis sein. Muss aber nicht. Es kann sich auch alles irgendwie auflösen und wir jäten wieder das Feld und jagen Proteine im Freien. Wer weiß?

Noch ein letztes: … nachlesen können, wie Kulturen auf- und niedergingen und wir auf einmal die einzigen seien, denen derlei Fahrt erspart bleiben soll.

Die Prinzipien von Tausch, Leihe, Geld, privatem Eigentum usw. sind über 4000 Jahre alt. Warum haben sie nicht - einmal entdeckt - die Menschheit zu ununterbrochenem Glück und Segen geführt? Die Diskontinuitäten müsste man dann wohl finsteren Mächten oder dem Bösen in die Schuhe schieben, was selbst für mein bescheidenes Gemüt dann doch zu schlicht wäre.

Vor mir steht eine zapotekische Skulptur aus Obsidian. Der derzeit beste Steinschneider Casimiro Guiterrez erklärt, dass es ihm a) ein Rätsel sei, wie sie geschaffen wurde und er b) viele Monate brauchen würde, um mit modernsten Maschinen ein Duplikat zu fertigen.

Synthesen gibt's halt viele.

Gruß!

..............................

Gruß - Ostfriese

Widerspruch zwischen Realität und akademischen Theorien

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Freitag, 23.08.2024, 21:15 vor 521 Tagen @ Ostfriese 2495 Views

bearbeitet von paranoia, Freitag, 23.08.2024, 21:18

Hallo Ostfriese,

Hallo paranoia

Was soll das

… Ostfriese/Ashitaka? :),

wenn ich im gelben Forum die Beiträge so überfliege, dann fallen mir manchmal Ähnlichkeiten auf, ohne dass ich mich dafür groß anstrengen muss! So bist Du auf meinem Radar erschienen.

Eine Reihe von Foristen haben sich auch dazu bekannt, früher unter anderem Namen im Forum geschrieben zu haben. Für mich sind Namenswechsel ein Negativmerkmal, nicht nur bei Unternehmen wie Blackwater und Arthur Anderson, sondern auch bei Forennamen.

Ein paar Erweckungserlebnisse meinerseits will ich Dir nicht vorenthalten. Die Beschreibung der Ereignisse bei Baring Brothers im Nachrichtenmagazin Spiegel im Vergleich zu der Darstellung in der Financial Times haben mir gezeigt, dass die Redakteure beim Spiegel keine Ahnung haben und dass die Lage bei Themen, in denen ich nicht firm bin, vermutlich genauso ist. Einen Beitrag von mir dazu findest Du auch in einem gelben Forenarchiv.

Schon im ersten Semester fiel mir die Hochstaplersprache an der Uni auf. Viel gestelzter Schwurbel und wenig dahinter. Erst durch einen späteren - sagen wir "Bekannten" - wurde mir klar, welche dämlichen Punktesammelspielchen die Akademiker (nicht nur im Bereich BWL und VWL, sondern z.B. auch in der Elektrotechnik, wie ich erfuhr) mit Hilfe ihrer "Veröffentlichungen" in "Journals" betreiben.
Ich zitiere mal Herrn "T", der sagte, "Paranoia, wer Brücken bauen kann baut Brücken und schreibt keine Bücher darüber, wie man Brücken bauen könnte!".
"T" sagte auch mal, "Paranoia, wir haben gerade einen ganz schlechten Artikel in einem Journal platziert, in der Ausgabe hat auch Nassim Taleb 'was geschrieben. Ich sagte nur noch: "T, Du bist echt ein Drecksack!!" und "T" lachte.

Als ich mich vor über dreißig Jahren in einer ausländischen Bildungseinrichtung aufhielt, kam Prof. Ottmar Issing auf Einladung der Schulleitung vorbei. Es waren die Nachwehen der Wiedervereinigung am Finanzmarkt und die Devisenmärkte spielten verrückt. Nach voheriger privater Lektüre von Issing's "Geldpolitik" fragte ich den Professor, ob die betroffenen Länder (zur Verteidigung ihrer Wechselkurse) nicht die Mindestreserve erhöhen könnten? Er verneinte mit Hinweis auf die Euromärkte. Die aber spielten in seinem Buch gar keine Rolle.
Das nehme ich ihm heute noch übel: Trotz Kenntnis der Realität beschreibt der in seinem Buch doch glatt eine so stark vereinfachte Realität, die mit der Wirklichkeit nichts mehr gemein hat!
Das hängt vermutlich auch damit zusammen, dass ansonsten der einzige mathematische Zusammenhang, eine Summenformel für Geldschöpfung in einer Volkswirtschaft ohne "Euromärkte" keinerlei Bedeutung mehr hat.
So konnte man sagen, wir (in der VWL) habe auch eine mathematische Formel! [[top]]

Die Volkswirtschaftler sind eigentlich nur Marketingarbeiter. Zitat von Herrn "K": Wir beweisen das und wenn nötig auch das genaue Gegenteil! VWLer sind wichtig zur pseudowissenschaftlichen Rechtfertigung von politischen Maßnahmen, denn mit der Wissenschaft legt sich doch keiner an...

Paul C. Martin wurde nicht als Debitist geboren. Er war Monetarist, hatte bei Milton Friedmann promoviert. Eines Tages begegnete er Herrn Hoppenstedt?. Das ist ein Chart-Anbieter aus den 1980er-Jahren, der produzierte Charts, die aussahen wie verlängertes DIN-A4-Papier. Und irgendwie sprach Hoppenstedt mit Martin über Langfristzeitreihen. Und in diesem Kontext - leider habe ich die Details vergessen, so ein Ärger! - ging bei Paul C. Martin eine Lampe an und ein Erkenntnisprozess startete.

In der Finanzwelt und beim Geldsystem gibt es nichts Neues mehr.

Die letzten schönen Erkenntnisse für mich waren andere Themen:
BBouviers Erörterungen zu Zivilisationszyklen und die Mephistopheles Behauptungen zum Thema Verdummung.

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Realität ist Simulation: Die wirtschaftswissenschaftlichen Theorien sind allesamt …

Ostfriese @, Samstag, 24.08.2024, 17:37 vor 520 Tagen @ paranoia 2531 Views

Hallo paranoia

So bist Du auf meinem Radar erschienen.

Eine Reihe von Foristen haben sich auch dazu bekannt, früher unter anderem Namen im Forum geschrieben zu haben. Für mich sind Namenswechsel ein Negativmerkmal, nicht nur bei Unternehmen wie Blackwater und Arthur Anderson, sondern auch bei Forennamen.

Vor 9 Jahren bin ich als heute 75-Jähriger über die sich im machtfreien Raum angesiedelte und mich wenig überzeugende Heinsohn/Steiger'sche Eigentumsökonomik und deren Satz:

Dies wird etwa von Paul C. Martin (2006) nicht richtig erfaßt, wenn er gegen die Eigentumsökonomik damit argumentiert, daß Geld zuvörderst machtvolle Regierungen zur Voraussetzung habe.,

der in der Fußnote ihrer Eigentumsökonomik (metropolis-verlag) auf S.145 zu finden ist, zur Beschäftigung mit Paul C. Martins Darlegungen über den Debitismus und die Machttheorie, die als choc und punktum (Roland Barthes) das eigentliche Versagen aller bisherigen Deutungsversuche unserer historischen, politischen und ökonomischen Wahrnehmungen beschreiben, gelangt.

Natürlich waren vor allem @dottores, aber auch @Ashitakas, @Silkes, @Phoenix5', @Weiners, @ Zandows, @sensortimecoms, @nvf33s, @BillHicks Beiträge und vieler weiterer User bei der Anlage eines eigenen Archivs wichtig, um mich schnell in die Thematik des Forums einzuarbeiten.

Die allseits festzustellende Desorientierung der westlichen Eliten ist ihrem intellektuellen Beharren auf überholten Prinzipien und der Tatsache geschuldet, dass weltweit an fast allen Universitäten und Akademien die im machtfreien Raum angesiedelte Neoklassik gelehrt wird.

Autoren, die vom süßen Nektar des machtbasierten Debitismus genascht haben, der natürlich Gift für die im machtfreien Raum angesiedelte Neoklassik ist, haben wie Dr. Stelter (Eigentumsökonomik = Debitismus. Nichts anderes ist das, was die Diskutanten im Gelben Forum 'Debitismus' nennen, nach dem mir persönlich bekannten und auch sehr geschätzten Paul C. Martin.) den Blog bto liquidiert oder lassen wie Michael Stöcker (Die Analysen des Debitismus sind hilfreich für ein korrektes Verständnis unseres Geldsystems, aber Systeme scheitern in einem modernen dualen Fiat-Kreditgeld-Standard nicht am Vorher-Nachher-Problem (das kann monetär elegant über die Fiat-Schiene gelöst werden), sondern am Matthäus-Effekt. … Si vis pacem, para bellum. Das wusste schon Platon, der sich von daher für den wehrhaften Staat einsetzte. Daran hat sich bis heute leider nichts geändert.) und Renée Menéndez (Ich kann ja mal versuchen den PCMs 'kryptischen' Satz, 'So ist das heutige Geld nicht nur eine Quittung für eine noch nicht erbrachte Steuer, sondern für eine niemals zu erbringender Steuer' zu deuten, was in Unkenntnis der zeitlichen Abläufe der debitistischen Gegebenheiten nicht gelingt) seit geraumer Zeit ihre neoklassischen Blogs ruhen.

Bei den Inhalten der Deinem Satz

Ein paar Erweckungserlebnisse meinerseits will ich Dir nicht vorenthalten.

folgenden Ausführungen geht es um das in der deutschen Sprache bestehende Verhältnis Wirklichkeit ↔ Realität, das im Englischen wegen des einzigen Wortes Realität = reality = Wirklichkeit m.W. nicht besteht.

Der Schweizer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure (1857 – 1913) vertrat – als Begründer der modernen Linguistik und Semiotik - die Ansicht, dass sprachliche Zeichen die Welt nicht einfach so wiedergeben, wie sie sind, sondern dass deren Bedeutung erst im Zeichensystem der Sprache konstituiert werde. Ein Zeichen besteht bei Saussure dabei aus Signifikant (Bezeichnendes) und Signifikat (Bezeichnetes), wobei ersteres das Lautbild und letzteres die Vorstellung eines Begriffs, die Inhaltsseite, widerspiegelt.

Uwe Wesel führt in seiner Abhandlung Zur Entstehung von Recht in frühen Gesellschaften aus, dass mit der neolithischen Revolution das Gewohnheitsrecht (costum) der Stammesgemeinschaften im Wege der zentralinstanzliche Herrschaft von außen zerstört wurde. Gewohnheitsrecht ist statisch, friedlich, selbstregulierend, im Konsens auf Einigung gerichtet. Ausgehend vom ursprünglichen Laut wird das neue aufgezwungene, gesetzte, steuerbare und hierarchische Recht bewusst mithilfe der Sprache, die die Realität bildet und formt, zwecks sanktionsbewehrter Macht von oben den Untertanen aufoktroyiert, um letztendlich die nicht-tilgbare Erstfinanzierung des Staatlichen refinanzierbar in die Zukunft zu schieben.

Das steht im Einklang mit Ferdinand de Saussures Einsicht, dass sich die inhaltliche Deutung des Zeichens - das Signifikat - nicht vom Gegenstand herdenken lässt, sondern sich in einer ausgedehnten und willkürlichen Abfolge der Abgrenzungen des Signifikanten zu allen anderen erschließt. Sie ist für die gegenwärtigen Betrachtungen essenziell. Der Signifikant (= Ausdrucksseite) bildet das Signifikat (= Inhaltsseite) eines Zeichens nie vollständig ab - die Zeichen gehen immer der Körperlichkeit voraus. Die Konkurrenz der Zeichen zu anderen Zeichen führt zu ihrer Relativität. Das bedeutet, dass der Sinn und die Deutungen der Sprache immer instabil bleiben. Es gibt keine eineindeutige Beziehung zwischen einem Zeichen und seinem Inhalt. Die Zeichen haben keine außerhalb ihrer selbst liegenden Bezugspunkte mehr - der endlose Verweis aufeinander formt gemäß Jean Baudrillard - der von den Fassungslosen Verhasste - die Hyperrealität. Kommunikation erzeugt vielfache Fehldeutungen, weil die Bezugssysteme, die trotzdem gesucht und benötigt werden, unterschiedlich sind - sie ist oftmals ein Aneinander-Vorbeireden.

Jean Baudrillards Gedanken in Der symbolische Tausch und der Tod (S. 13):

Das ist das Schicksal eines jeden Systems, das sich durch seine eigene Logik zur totalen Perfektion und zur totalen Zerrüttung verurteilt, zur absoluten Unfehlbarkeit und also zur unwiderruflichen Ohnmacht: Alle gebundenen Energien zielen auf ihren eigenen Tod. Darum ist die einzige mögliche Strategie katastrophisch, nicht dialektisch. Man muss die Dinge bis zum Äußersten treiben, bis zu jenem Punkt, an dem sie sich von selbst ins Gegenteil verkehren und in sich zusammenstürzen.

Die Vertreter der Tauschökonomie - von wegen von gleich auf jetzt - können auf der Grundlage ihrer Referenzsysteme von den Anhängern debitistischer Deutungsversuche mit der Machttheorie nur sehr schwer beeindruckt und umgestimmt werden. Das gilt nicht nur für die vielen User und Leser des Blogs, sondern auch für den 47-jährige CDU Generalsekretär Dr. Linnemann: Mir ist jedenfalls kein Beispiel auf diesem Globus bekannt, wo Verschuldung zu Wachstum und Beschäftigung geführt hat. Das Gegenteil ist richtig.

@Ashitaka in

1 - https://www.dasgelbeforum.net/index.php?id=570155 Sklaverei im Zeitalter der Simulation, Ashitaka, Sonntag, 04.07.2021, 18:07 @ Weiner 5203 Views

Wir haben den Kontakt mit der Wirklichkeit, dem Erfahrbaren, dem Originären verloren. Dafür nehmen wir seit dem Jahr 2001 immer weitläufiger Kontakt mit dem Bezeichnendem auf, dass, bei voller Aufmerksamkeit bzw. Hinterfragung, auf gar keine Bezeichnung mehr verweisen will. That's the magic! Es ist diese dritte Phase, vor der uns Jean Baudrillard schon 1982 eindringlich gewarnt hat, eine die Realität in Zeiten global vernetzter Medien entführende, für alle seitdem Geborenen ohne die Chance des Kontakts zum referenziell Äußeren einwirkende Simulationskraft des herrschenden Systems.

2 - https://archiv2.dasgelbeforum.net/index.php?id=391163 Antwort, Ashitaka, Mittwoch, 20.01.2016, 15:08 @ nvf33 7069 Views

Die Realität, entspricht nicht der Wirklichkeit. Die Realität ist immer eine sinnbasierte Simulation, von körperlichen über weltlichen bis hin zu den universellen Selbstmodellen. Realität ist subjektiv. Die Wirklichkeit können wir nicht beschreiben. Die derzeitigen Fortschritte der Bewusstseinsforschung bestehen darin, dass die Wirklichkeit als etwas unsere Sinne und den daraus konstruierten Sinn Umgebendes erkannt wird, während die Realität als das entlarvt wird, was sie immer nur war:

Simulation, Selbstmodellierung, Übereinkunft ohne Erklärung der Herkunft.

Es gibt keinen Unterschied. Die Realität ist Simulation. Schau dir deine Hand an. Du erblickst eine Simulation deiner Hand. Schau einem Mitmenschen ins Gesicht und es handelt sich um eine Simulation. Was dort gegenüber aufwartet, kann der Mensch nur simulieren. Die Wirklichkeit kann nicht erblickt werden, denn sie hat keine Perspektive. Deshalb das Beispiel mit dem Apfel auf dem Tisch. Wie sähe ein Apfel aus, der aus jeder Perspektive erblickt wird? Wie sähe ein Apfel aus, der aus keiner Perspektive erblickt wird, d.h. kein Bewusstseinsinhalt ist?

3 - http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=432112&page=1&category=0&or... Ein Ende der Therapiesitzungen verfasst von Ashitaka, 02.04.2017, 12:23 @BillHicks 12184 Views

… für die Tonne, da die wahren machttheoretischen / debitistischen Voraussetzungen in den Hintergrund bzw. wegsimuliert werden.

Gruß - Ostfriese

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