Wenn der Wert der Zeit und der Sinn für das rechte Maß verloren gehen (Maßlosigkeit)...

heller, Freitag, 22.12.2023, 08:54 (vor 813 Tagen) @ Zorro3354 Views
bearbeitet von heller, Freitag, 22.12.2023, 08:58

... dann treibt der Baum der Wirtschaft solche "Blüten" (so heißt ja auch Falschgeld).

Der Wahn um eine keimfreie Welt und die beliebig langen Transportwege (Haltbarkeit) hat zu den Einwegverpackungen geführt.
Die Mindestgrößen für Toiletten für drei plus x Geschlechter sowie die Einrichtungsstandards treiben die Fixkosten von Gaststätten in die Höhe. Ebenso die Arbeitszeitregelungen und die konkurrierende soziale "Hängematte", die für viele das Durchstehen von Durststrecken unmöglich machen. Gaststätten, die von Großfamilien und Freunden betrieben werden, ausgenommen.
Ganz zu schweigen von den schwindelerregenden Pachten in Innenstadtlagen.

Es gibt nur noch wenige selbständige Berufe, die ohne nennenswerte Fixkosten betrieben werden können. Mir fallen dazu grade ein:
Der Physiotherapeut, der nur Hausbesuche macht
Die beratenden Berufe, wenn sie quasi als Digitalnomaden unterwegs sind
Einzelhandwerker

Das Gros schleppt die Fixkosten als antreibende Debitismus-Leistungspeitsche hinter sich her und nur eine Minderzahl kommt ans Ziel eines glücklichen, gesunden Alters.

Zurück zum Cafe:
Was hat der Cafebetreiber für Möglichkeiten, den Umsatz pro Stunde in den Zielbereich zu bringen (Vorausgesetzt, es kommen genügend Gäste)?
In Frankreich und Italien kostet der Espresso stehend am Tresen die Hälfte von dem gleichen Getränk am Sitzplatz.
Beim Eintreten eine Gedeck-Gebühr verlangen und dafür die Preise pro Getränk senken?
Auf der Preisliste die Zusammensetzung der Kosten für einen Cappuccino auflisten?
Die Gäste per Aufnahmegebühr in eine Genossenschaft einbinden, die die Miete stemmt (oder gleich das Cafe besitzt)?

Das Schlimmste ist, dass in der Schule keine Kostenrechnung und keine Staatsfinanzierung gelehrt wird. Das Allgemeinverständnis ist einfach unter aller Sau. Es gibt Leute, die lassen sich im Fachgeschäft beraten und kaufen danach dann 30% billiger im Internet. Und wundern sich, dass die Fachgeschäfte verschwinden oder das Verkaufspersonal keine Ahnung mehr hat. Andererseits gibt es für den Einzelnen keine Chance, die Früchte seines eigenen Engagements auch zu ernten - er verschwindet in der Masse genauso wie derjenige, der im Mietwohnungsblock Energie spart, wenn alle dieselben pauschalen Nebenkosten zahlen.

Wir leben als Gesellschaft von der Substanz runter und die Verteilungskämpfe des übrigbleibenden Restes wird zunehmend härter - siehe aktuelle Sparmaßnahmen der Bundesregierung. Das System ist so organisiert, dass das "Leben von der Substanz" belohnt wird, vor allem für diejenigen, die bei dieser Organisation beteiligt sind.

"Ein Sozialist ist jemand, der von den Starken nimmt und den Schwachen gibt - und von der Differenz ganz gut lebt." (Ich weiß nicht, von wem der Satz stammt - aber er bringt es auf den Punkt.)


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