Mit ein paar zusätzlichen Eckpunkten sieht es besser aus
An sonnigen Tagen im Juni kann ich 40 kWh am Tag produzieren, also ca. 32 kWh überschüssigen Strom ins Netz einspeisen.
Du könntest diese 32KWh auch in dein E-Fahrzeug einspeisen, dann gibt dir das ca. 150 km getankte Reichweite pro Sonnentag.
An dunklen Tagen von Mitte November bis Anfang Februar produziere ich gerade mal 0,5 kWh. Seit Mitte November haben wir fast keine Sonne mehr gesehen, so dass ich täglich mindestens 7 kWh aus dem Netz beziehen muss.
Das ist individuell richtig, allerdings für das Gesamtsystem weniger relevant, denn im Winter gleicht die hohe Produktion aus Windkraft die wegfallende Produktion aus Solaranlagen aus, wie aus der kürzlich hier von Zorro verlinkten Statistik hervorgeht.
Und im Sommer würde ich dann 80 kWh Strom produzieren, für den ich gar keinen Bedarf habe. Bauen viele Leute soviel an PV-Kapazität auf und drücken dann den Strom im Sommer ins Netz rein, dann kann dieser viele Strom nie und nimmer verbraucht werden. Wird dann dieser Überschussstrom auch noch mit 8,3 ct vergütet, so ist das ein ökonomischer Irrsinn, der von allen Stromverbrauchern ohne jeglichen Nutzen bezahlt werden muss.
Da die Summe aus Photovoltaik und Windkraft über alle Monate des Jahres relativ konstant ist, muss aus Sicht des Gesamtsystems der Ausbau beider Erzeugungsarten nur parallel verlaufen, um einen höheren Anteil der alternativen Energien ohne extreme Überschüsse oder Engpässe zu ermöglichen.
Was nützt mir also die Produktion von 80 kWh Strom im Juni, wenn ich 30 kWh Strom im Winter pro Tag benötige, die Anlage dann aber nur 2 kWh täglich abwirft.
Die Energie für die Wärmepumpen muss also zwangsläufig aus zusätzlichen Windkraftanlagen gewonnen werden, wenn keine fossilen oder nuklearen Energieträger genutzt werden sollen. Dass die Sonne im Winter nicht scheint, ist keine neue Erkenntnis.
Aber den ganzen Ideologen, die sich im PV-Forum tummeln, ist dieser simple Sachverhalt einfach nicht vermittelbar. Sie denken, wenn sie den überschüssigen Strom im Sommer verkaufen, ist dies praktisch der Speicher, wo sie im Winter dann den Strom für ihre Wärmepumpe beziehen können.
Ich weiss nicht, wer sich in diesen Foren tummelt, aber ich denke, dass aus obigen Betrachtungen schon hervorgeht, dass die Situation nicht ganz so absurd ist, wie sie hier dargestellt wird. Alternative Energien können sicherlich, insbesondere mittel- und langfristig, eine Hauptrolle bei der Energieversorgung spielen. Die Kosten erscheinen vertretbar, Wind und Solar haben zudem beide den Vorteil, dass sie - einmal installiert - die Energieversorgung unabhängiger von externen Brennstofflieferanten und geopolitischer Erpressung machen, was sicherlich auch ein berücksichtigenswerter Vorteil ist.
Unabhängig davon ist es natürlich kein sicheres Vorgehen, die bestehenden Energiekapazitäten abzubauen, bevor die Infrastruktur für die sie ersetzenden Anlagen fertiggestellt ist. Das macht aber ausser Deutschland auch niemand, ebenso wie sich ausserhalb Deutschlands niemand die Alternative zu Kernkraft als nichtfossilem Brennstoff mit Grundlastfähigkeit so radikal verstellt.
So sind sie halt, die Deutschen.
Gruss,
mp