Kosten Steuerberater bei monatlicher Buchführung?

tar ⌂ @, Gehinnom, Dienstag, 11.07.2023, 17:56 vor 1037 Tagen 3194 Views

Hallo,

mein Steuerberater bezieht die Gebühr immer auf einen Gegenstandswert, was wohl üblich ist. Dieser bestimmt sich anhand der Betriebseinnahmen und -ausgaben. Der größere der beiden Beträge wird als Gegenstandswert genommen. Die Betriebseinnahmen und -ausgaben steigen logischerweise im Laufe des Jahres jedoch beständig an.

Mitunter behält mein Steuerberater auch im Folgejahr den alten Gegenstandswert bei, obwohl die Betriebseinnahmen und -ausgaben ja ab Januar wieder von vorne beginnen.

Da hätte ich nun 2 Fragen, da ich im Netz dazu nicht wirklich fündig werde:

1. Muss der Gegenstandswert nicht zu jedem Jahresbeginn wieder neu starten?

2. Ergibt sich der Gegenstandswert (bei monatlicher Buchführung) aus den jeweils monatlichen -oder- aus der Summe aller innerhalb eines Jahres aufgelaufenen Betriebseinnahmen (bzw. Ausgaben)?

Vielen Dank!

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Gruß!™

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regelt §33 StBVV

Dieter @, Dienstag, 11.07.2023, 20:38 vor 1037 Tagen @ tar 2364 Views

Soweit ich weiß ist die Bemessungsgrundlage der Gesamt-Vorjahresumsatz.
Nach der Gebührenordnung ist aber die mögliche Spannbreite extrem, sodaß nach meiner Erfahrung Verhandlungsgeschick gefragt ist, da der Spielraum doch üppig ist - unter Berücksichtigung des tatsächlichen Aufwandes.

Andererseits sind die Steuerberater zur Zeit noch extrem überlastet aufgrund der vielen Zusatzaufgaben, die denen seit Corona aufgehalst wurden (vermutlich mit extremen Gewinnen, die der Staat seinen Handlangern zuschiebt), sodaß die Verhandlungsposition in vielen Fällen für den Mandanten derzeit unvorteilhaft ausfällt. (wird sich aber wieder ändern)

Gruß Dieter

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Das sektenhafte Denken und Handeln der Grünen und ihrer Anhänger und Wählerschaft ist für Menschen mit gesundem Menschenverstand nur schwer nachzuvollziehen.

Im Grunde Verhandlungssache

Echo @, Dienstag, 11.07.2023, 20:40 vor 1037 Tagen @ tar 2385 Views

Es bleibt dir nicht viel übrig als Preise zu verlgeichen. Aber die meisten sind sowieso überarbeitet. Mit etwas Glück nimmt man dich noch auf. Theoretisch lassen sich die Honorare frei verhandeln, aber die meisten rechnen ähnlich ab. Wenn man eine besondere Situation hat (z.B. viele Kleinbetragsrechnungen oder wenige Große), dann kann die Vereinbarung schon Geld sparen. Ich erinnere mich sogar noch an Zeiten als es Flatrate Angebote gab, 100€ netto im Monat für GmbH Buchhaltung - das Angebot wurde vom Markt genommen.

Wenn es immer wiederkehrende Vorgänge sind kann man es womöglich sogar ohne Steuerberater erledigen aber die Formulare sind frustrierend. Mittlerweile gibt es wohl auch KI basierte Kontierung von Belegen. Cloudbasiert sowieso.

Im Grunde sind Steuerberater die Schutzgeldmafia die man braucht damit man seine Ruhe hat. Diese wiederum bezahlen ein Heidengeld an Spezialfirmen wie Datev.

Jährlich

Ashitaka @, Dienstag, 11.07.2023, 20:51 vor 1037 Tagen @ tar 2765 Views

bearbeitet von Ashitaka, Dienstag, 11.07.2023, 21:02

Hi tar,

Mitunter behält mein Steuerberater auch im Folgejahr den alten Gegenstandswert bei, obwohl die Betriebseinnahmen und -ausgaben ja ab Januar wieder von vorne beginnen.

Machen wir auch bei einigen, aber niemals pauschal in jeder Branche. Man kann ja auch monatlich mit abweichenden Vereinbarungen abrechnen. Wir leben im Jahr 2023. Alles muss hinterfragt werden.

Siehe unten.

Da hätte ich nun 2 Fragen, da ich im Netz dazu nicht wirklich fündig werde:

1. Muss der Gegenstandswert nicht zu jedem Jahresbeginn wieder neu starten?

Nein, die unterjährigen Abschläge sind frei verhandelbar.

2. Ergibt sich der Gegenstandswert (bei monatlicher Buchführung) aus den jeweils monatlichen -oder- aus der Summe aller innerhalb eines Jahres aufgelaufenen Betriebseinnahmen (bzw. Ausgaben)?

Streng genommen: Jährlich (auf Vorjahr bezogen).

Aber Gegenstandswerte hin, Gegenstandswerte her.

Ich betreue z.B. einen Mandanten, dessen Buchführung mit knapp 120.000 Buchungen pro Monat mit unzähligen Zahlungssystemen und Verkaufsplattformen aufwartet (Umsatz zwischen 2 und 3 Mio. pro Monat). Das kann man dem Mandanten mit Gegenstandswerten gar nicht verkaufen und ist auch so streng genommen gar nicht abrechenbar. Was ist Vorbereitung, was ist Systemberatung, was ist sonstige Tätigkeit?! Wir greifen durch Fakturasystemoptimieungen bis in das Zahlungsmanagement und das Serversystem bzw. ausgelagerte Speicherorte des Mandanten (Microsoft 365 ist richtig angewandt ein Segen).

Am Ende muss es fair sein und für beide Seiten verträglich. In Zeiten der Digitalisierung und einem top-down in sich geschlossenem Kreis aus Debitoren-/Kreditorenimporten bzw. -Zugpferd/OCR-Erkennungen mit OP-Ausgleich wie Bestell-/Rechnungs-/Transaktionsnummer ballern meine Fachwirte und deren untergeordneten Fachangestellten zehntausende Buchungen mit hunderttausenden Euro an Umsätzen binnen Minuten ins System und sind am Ende mehr mit der umsatzsteuerlichen Verprobung und Abstimmung von Aufrechnungen / EU-Auslandssacheverhalten (igL, Ausfuhren, Reihengeschäfte, Dreiecksgeschäfte, OSS-Verfahren) beschäftigt, als mit der eigentlichen Buchführung.

Buchhaltung darf sich heute fast ausschließlich um Systemanalysen und Effizienzgewinnung drehen. Wer da keine Mitarbeiter hin ausbildet, wird nur noch Krawall in 5-10 Jahren haben. Weil uns schlicht die Zeit fehlt und sich die Kosten enorm nach oben bewegen. Das dämmert immer mehr Beratern und ich sehe da wirklich schwarz. Meine Branche - und ich will mich da auch wenn wir gut aufgestellt sind gar nicht immer außen vor nehmen -maßlos überfordert. Bei dem Personal von vor 30 Jahren handelt es sich heute buchhalterisch (ausgenommen diejenigen die von Natur aus Begeisterung für Weiterentwicklungen zeigen) schnell um Praktikanten. Man muss soviel investieren um die alle mitzureißen. Oder man sitzt es aus und kippt vor negativen Deckungsbeiträgen aufgrund deren Überforderung hinten über.

Mit der ersten Frage bei einem Erstgespräch gebe ich bereits gegenüber dem Mandanten den Takt vor und erkläre weshalb bereits dieses Gespräch nicht umsonst ist. Das Ziel lautet Kostenkontrolle, für beide Seiten. Ich hab in früheren Kanzleien soviel Blabla gehört. Heute darf es nur noch straight nach vorne gehen. Sind die Kreise (Von Auftrags-/Bestellannahmen bis Zahlunsgausgleich) nicht schließbar, ziehen sie bitte weiter. An sowas hat kein Angestellter mehr Lust bzw. die Chance einer Zeiterfassung, bei der am Ende Deckung und damit auch das Potential für Gehaltsverhandlungen wächst.

Und ich kann mich damit nur überwachend beschäftigen, Vorschläge der Mitarbeiter umsetzen und allen das Gefühl verleihen, dass wir gemeinsam auf der Voyager durchs All fahren. Dazu haben wir vor einem Jahr Tabula Rasa gemacht und mehr als 30 Mandatsverhältnisse aufgehoben. Mittels Rechnung. Wir wurden echt gefeiert und die Fachwirte ziehen nun mit Analysen das Ruder an sich, wachsen in leitende Team-Positionen, was wir auch nicht mehr mit dem Gehaltsgefüge der Steuerberaterbranche wertschätzen können / wollen. IT/Steuerfachwirte mit 100 TEUR Jahresgehalt sind bereits in Ausnahmen Gegenwart. Vor 20 Jahren unvorstellbar. Weil sie auch 250 bis 300 TEUR Umsatz durch ihren Optimierungseinsatz, enormen Zeitersparnisse und dann auch wegen der in Echtzeit stimmigen Buchführungen sehr gut abrechenbare Jahresabschlüsse reinbringen.

Die Steuerberatung ist heute ein Spagat zwischen Höllenritt und einem immer aufregender werdendem Ausflug in neue Welten. Und dennoch glauben viele, dass bereits ein E-Roller und Tankgutschein Begeisterung entfacht. Man merkt echt, was für Generationen da werben. Da lachen sich die jungen Auszubildenden doch tot. Sie wollen auf die Voyager.

Herzlichst,

Ashitaka

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Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.

Ich mache meine Buchführung selbst mit collmex ...

Plancius @, Dienstag, 11.07.2023, 22:34 vor 1037 Tagen @ tar 2487 Views

... ist von SAP Entwicklern programmiert und mit Abstand die leistungsfähigste Cloud Lösung mit dem besten Preis Leistungsverhältnis. Für 21 Euro pro Monat erfasse ich meine Stunden auf Projekte, lege Angebote und Aufträge an, fakturiere, erfasse Reisekosten und vieles mehr. Durch den Import des Kontoauszuges werden offene Posten automatisch ausgeziffert und anschließend Buchungsvorschläge erstellt. Die Vorgänge wiederholen sich ja ständig und durch Fuzzi Logik werden die Buchungsvorschläge immer genauer, so dass ich immer mehr nur noch auf den Sichern Button drücken brauche. Zum Schluss Umsatzsteuervoranmeldung automatisch erstellen inclusive Senden ans Finanzamt plus intrastat bei EU Rechnungen. Danach noch Belege einscannen und mit der Buchung verknüpfen. Alles in allem dauert bei mir 3 Stunden im Monat.

Nee, die Steuerberater wollen immer Schuhkartons mit Belegen usw. Da bin ich doch viel schneller, wenn ich's selber mache. Und noch dazu mit einem hohen Automatisierungsgrad. Cloud macht's möglich.

Gruß Plancius

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER

Ich bin mit meinen Mini Buchungen mit https://www.mcrichter.de/ recht zufrieden

Lenz-Hannover @, Dienstag, 11.07.2023, 23:01 vor 1037 Tagen @ Plancius 2331 Views

Wirklich nett: Man zahlt einmal für das Produkt und fertig.

Danke an alle

tar ⌂ @, Gehinnom, Mittwoch, 12.07.2023, 11:05 vor 1036 Tagen @ tar 1895 Views

Es geht bei mir (Freiberufler, kein Gewerbe) um 10-20 buchhalterisch relevante Belege im Monat, davon 1-2 Kundenrechnungen. Die Belege bereite ich so vor, dass der Buchhalter sie der Reihe nach durchblättern und einpflegen kann. Das ändert sich auch nie - ganz gleich ob die Einnahmen/Ausgaben bei 500 € oder 50.000 € im Monat liegen. Daher finde ich es recht abstrus, mal eine Gebühr von 50 € und mal eine von 220 € im Monat zu bekommen, da die Aufwände selbst konstant sind.

Werde mir wohl mal die Softwarelösungen genauer anschauen müssen. Können die denn auch den Jahresabschluss (Überschussermittlung, Umsatzsteuererklärung) vornehmen? Wie sieht es mit Einkommenssteuererklärung, BWA und SuSa aus?

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Gruß!™

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