Das Inka-Reich, der machtbasierte Debitismus und der symbolisch-rituelle Untergang der Inka-Kultur - des …
Hallo auf dem Forum
Von Cusco ausgehend eroberten die Inka in wenigen Jahrzehnten von 1400 bis 1532 zwischen dem 15. und 16. Jhd. ein - in einer Längenausdehnung (Wegstrecke) von rund 6000 km wie von Tunis bis zum Nordkap - begrenzt von der östlichen Pazifikküste und dem westlichen Amazonas Tiefland ausgehendes föderal strukturiertes - zunächst nicht einnehmbares Reich aus vier Teilen - Chinchay Suyu (NW), Anti Suyu (NO), Kunti Suyu (SW) und Qulla Suyu (SO), das aus einer Zentralregierung mit einem Herrscher an der Spitze bestand: Inka-Reich = Reich aus vier Teilen .
Knots were made in the cords to represent units, tens, and hundreds; and, in imperial accounting , the cords were differently coloured to designate the different concerns of government -- such as tribute, lands, economic productivity, ceremonies, and matters relating to war and peace . The quipus were created and maintained as historical records and were kept not only by high officials at the capital of Cuzco--judges, commanders, and important heads of extended families--but also by regional commanders and village headmen.
Geradezu klassisch für die Buchführung in einer Feudal- alias Kommandowirtschaft! Die Abgaben (Schulden) und anderes wurden so "accounted" . Warum sollten die Inka-Nachfolger vergessen haben, dass es leichter ist, eine Schuld zu buchen (wodurch sie ja nicht verschwindet) und nach Zahlung einer (welcher ist egal) Ware wieder auszubuchen als zu sagen: Wir buchen erst, nachdem die Ware vorhanden ist. Der Witz beim Buchen ist doch, dass die Ware (Leistung) noch nicht vorhanden ist . Sonst müsste sie nicht gebucht werden.
Auch bei den Inka kamen die Schulden vor der Zahlung: - dottore , 07.06.2001, 14:36 https://archiv.dasgelbeforum.net/ewf2000/forum_entry.php?id=65589
Die Anthropologin Sabine Hyland widerlegt die Ansicht, dass die Inka eine Zivilisation ohne eigenständige Schrift gewesen seien, obwohl sie bekanntlich eine Buchhaltung in Form von numerischen Khipus besaßen.
S. Hyland entdeckte im letzten Jahrzehnt in dem von der Moderne noch unbeeinflussten Andendorf San Juan de Collata heilige und das historische Gedächtnis bewahrende narrative Khipus, die ganz anders waren, die sie bisher gesehen hatte , also von jenen mit den bekannten Merkmalen der numerischen Buchungssysteme abweichende Khipus aus Tupicocha .
Sabine Hyland, Das Dorf Collata liegt eingebettet in die Berge außerhalb von Lima, Peru https://www.sapiens.org/language/khipu-andean-writing/
Sabine & William Hyland Collata Quipu, July 2015, https://www.sapiens.org/language/khipu-andean-writing/
Die Collata-Khipus sind ohne Knoten und viel komplexer – sie lassen sich logosyllabisch und phonographisch als Lautschrift deuten, bei denen die Schriftzeichen für größere Einheiten stehen als die Buchstaben in Texten. Das heißt, dass sie ihre Botschaften durch eine Kombination aus phonetischen und ideographischen Symbolen aufzeichnen. Die logosyllabischen Collata-Khipus sind dreidimensionale Schriftsysteme, in denen der Tastsinn eine ebenso wichtige Rolle spielt wie das Sehen. Analog zu Jean-François Champollions Methode der Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen im Jahre 1824 dechiffrierte S. Hyland die ersten Abstammungszeichen mithilfe von Hirten des Dorfes und Rückgriff auf Listen einer spanischen Inka-Volkszählung aus dem Generalarchiv in Sevilla. Jede Schnur steht für eine Silbe, deren Aneinanderreihung zu Wörtern, Sätze und Texten mit dem Ziel führt, die Geschichte und ihre Rituale der Inka in ihren eigenen Worten darzustellen, um ein Fenster zu einer neuen andinen Welt der Literatur, Geschichte und Kunst zu öffnen.
Die spanischen Chroniken legen dar, dass die Inka bei der Eroberung ihres riesigen Reiches äußerst rücksichtslos mit Gewalt und Grausamkeit vorgegangen seien. Dem war aber nicht ausschließlich so: Die Einnahme des mehr als 1000 km von Cusco entlegenen Titicacasees und ihre Herrschaft sicherten sich die Inka mit den Prinzipien der kulturellen Aneignung als Form von Teile und Herrsche .
Besonders am Titicacasee hatte die Expansion also eine weitaus komplexere Ausprägung als nur die kriegerische Eroberung. Da Felsen, Berge und Flüsse als heilig galten, wurden gemäß dem Hylozoismus als rituelle Weltanschauung, dass der sämtlichen Materie ein Lebensprinzip innewohnt, zu verehrende Opferschatullen und Miniaturen als Opfergabe in der Nähe von Riffen und Felsen dargeboten.
Sequin, Université libre de Bruxelles, Antiquity Publications LTD, https://www.nationalgeographic.de/fotograf/t-seguin
Die obige Opfergabe - als eines von vielen -, die am auserwählten Ort ans Wasser des heiligen Titicacasees übergeben wurde, ist ein Paar: Vielleicht eine Dualität Mann / Frau oder Sonne / Mond. Lange vor den Inka versenkte schon die einheimische präkolumbische Bevölkerung heilige Opfergegenstände im See.
Durch die Übernahme und die Kontrolle des lokalen Glaubens machten die Inka die lokale Bevölkerung mittels kultureller Aneignung untertan und sicherten ihre Herrschaft über das Gebiet des Titicacasees dauerhaft: Nicht die Waffe stand so sehr im Vordergrund ihrer Machtausübung, sondern die Übernahme der nicht von ihnen selbst eingeführten religiösen Rituale und die Worte der sich neu entwickelnde Sprache durch die charismatischen Inka-Führer mit ihrer Entourage.
Im Zusammenhang mit den geschichtlichen Beziehungen zwischen Italien und Sizilien sprach J. Fest in der Verfilmung seines Buches Im Gegenlicht – Eine italienische Reise ebenfalls von der Verschmelzung:
"… Die Verschmelzung ist das Genie Italiens: Zuerst kamen die Dorer und die Phönizier, dann griechische Tyrannen, Rom, die Normannen, 2000 Jahre lang – ein ständiges Auf und Ab der Geschichte. Auch von Italien fühlt es sich erobert …"
Durch die Strategie der kulturellen Aneignung und der Besetzung bereits heiliger Orte gelang es den Inka die Randgebiete um die Hauptstadt Cusco zu unterwerfen. Diese Politik der Vereinnahmung und Verschmelzung sollte eine ideale Welt zu schaffen, die alle eroberten Völker und die heiligsten Stätten der Anden vereint. Diese Ideologie wurde in Stein gemeißelt und in Keramik geformt und gebrannt. Das zeigen neue Erkenntnisse aus Machu Picchu .
Machu Picchu vom Huayna Picchu ausgesehen, https://de.wikipedia.org/wiki/Machu_Picchu
Seit ihrer Entdeckung im Jahre 1911 wird sie als Erholungsrefugium für 750 Menschen dargestellt. Um 1450 soll sie auf Pachacútecs Betreiben gebaut worden sein. Nach Überzeugung der peruanischen Anthropologin Lucia Salazar machte der Herrscher sie zu einem Manifest seiner Zivilisationsideologie – seines Legitimationsglaubens . Die kulturellen Marker und die Isotopenanalyse und -signatur der Zähne der 174 Skelette von Menschen, die in Machu Picchu beigesetzt und deren Särge nur sehr einfache Gebrauchsgegenstände beigefügt waren, zeigten, dass die Bediensteten, die den Herrschern dienten, in verschiedenen Teilen des Reiches geboren wurden. Sie stammten aus allen Regionen des Reiches.
Indem der Herrscher alle Bediensteten aus allen Provinzen seines Reiches nach Machu Picchu holte, machte er die Festung zu einem Mikrokosmus – einer metaphorischen Miniatur seines multiethnischen Reiches. Die Aspekte der Ästhetik und Heiligkeit von Stadt, Landschaft und Steinen lassen Machu Picchu als Ideal der Inka-Kosmologie erscheinen.
Als Prestigeobjekt war die Stadt modern, die akkurat geschlagenen Terrassen waren beeindruckend proportioniert, der Stadtkern vereinte Gebäude von im ganzen Reich einzigartiger Qualität, alles war rein, harmonisch und ausgeglichen. Machu Picchu war nicht nur ein Ort des Rückzugs – einer Sommerfrische -, sondern Modell-Stadt eines perfekten Mikrokosmos aus allem, was das Reich sein wollte.
Es zeigt sich das wahre Gesicht der Inka: Der meisterlichen Beherrschung von Symbolen und Glaubensritualen ist es zu verdanken, dass es ihnen gelang, in wenigen Jahrzehnten zwischen dem 15. und 16. Jhd. fast hundert verschiedene Völker zu einem mächtigen Imperium zu verschmelzen.
Die gängige bisherige Lehrmeinung sagt, dass der spanische Überfall im Jahre 1532 das Reich ohne Gegenwehr zusammenbrechen ließ. Der belgische Archäologe Peter Eeckhout zeigt in den Ruinen des ehemals stark frequentierten heiligen Pilgerziels Pachacámac , dass der Widerstand der Inka nicht passiv, sondern sehr ungewöhnlich und bemerkenswert war.
P. Eeckhout, Université libre de Bruxelles, https://historia.nationalgeographic.com.es/a/hallada-momia-intacta-1000-anos-antiguedad...
Peter Eeckhout und peruanische Archäologen fanden in einem Tempel aus der Spätzeit des Inka-Reiches Scherben heiliger Opfergaben: Sie sind alle zerbrochen, zerstört und über das Heiligtum verstreut. Da die Scherben gleicher heiliger Objekte aus unterschiedlichen Regionen des Reiches in den verschiedenen Räumen zu finden waren, konnten diese Objekte nicht von den Konquistadoren bei ihren Plünderungen zerstört worden sein. Nach unbekannten rituellen Mustern wurden die Scherben und Teile anderer heiliger Objekte an verschiedenen Stellen des Tempels verteilt. Die Inka haben ihre heiligen Kultobjekte absichtlich zerschlagen und im Tempel verstreut.
Peter Eeckhout:
Was hier geschah und woran wir jetzt teilhaben, ist eine freiwillige Auflösung des Tempels. Statt sich dem ultimativen Sakrileg der Plünderung auszuliefern, auf das meist Brände und Zerstörungen folgen, haben die Inka und Tempeldiener entschieden, den Tempel selbst zu schließen. Das ist eine Form des symbolischen Widerstandes - … kulturellen Selbstmordes. Aber anstatt dabei zuzusehen, wie die Stätte nach Plünderung zerstört oder verwüstet wird, wollten sie die Dinge selbst in die Hand nehmen und auf eine gute Art und Weise beenden .
Wenn Dinge im Bewusstsein und der Welt der Inka geschaffen wurden, gab man ihnen Leben und wenn man sie zerbrach, tötete man es. Diese Zerstörung war ein letztes Ritual, um ihre Welt zu schließen.
Die Priester ließen sich nicht tatenlos auslöschen: Sie leisteten moralischen und symbolischen Widerstand und machten sich damit selbst zu - den anrückenden Konquistadoren sicher nicht bewusstgewordenen - Akteuren ihres Untergangs. Bei ihrem Weg nach Cusco hinterließen die Konquistadoren nur Chaos: 90% der Einwohner wurden getötet oder von eingeschleppten Krankheiten dahingerafft. Der letzte Herrscher der Inka zog sich mit seinen wenigen Anhängern in die abgelegene - zunächst vergessene und vor einem Jahrzehnt vom amerikanischen Archäologen Brian S. Bauer wiederentdeckte mit Herrschaft-Symbolen versehende - Stadt Vilcabamba in den Amazonas Urwald zurück, um von der dortigen letzten, bis Mitte des 16. Jhd., genutzten Bastion, den letztendlich vergeblichen Widerstand zu organisieren.
Die von den letzten Inka in Vicabamba herbeigesehnte Pachakuti (= Zeitenwende), die Wiederherstellung des Reiches mit der Wiedererlangung der Macht war 1572 zum Scheitern verurteilt.
Das universelle hermetische Prinzip der Entsprechung in uns, dass es immer eine Übereinstimmung in den verschiedenen Ebenen von Sein und Wirken gibt, bleibt gültig: Wie früher, so morgen oder Wie gestern, zu heute !
Ist das Brüsseler Prinzipat schon vor Vollendung seiner durch die Werte der Aufklärung mit den perfekten dissimulierenden Narrativen – Vernunft, Humanismus, souveränes Individuum, Freiheit, Menschenrechte, Transparenz, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie – als begründender durchsetzbarer kultureller eurozentrischer Legitimationsmythos dem Untergang geweiht?
Wie können nach dem mörderischen Das Jahrhundert der Wölfe (N. Mandelstam) die abendländisch christlichen Kulturen Europas die Dinge selbst in die Hand nehmen und auf eine gute Art und Weise beenden ?
https://www.arte.tv/de/videos/094476-000-A/das-reich-der-inka/
Gruß - Ostfriese

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