Da steht nicht mal dran, wie lange das Audio dauert. Kannst Du es zusammenfassen, eventuell auch erklären, was Target2 überhaupt ist? owT

BerndBorchert @, Montag, 03.07.2023, 10:19 vor 974 Tagen @ Martin 1679 Views

Ein kleiner Wegweiser

Martin @, Montag, 03.07.2023, 13:31 vor 974 Tagen @ BerndBorchert 1975 Views

bearbeitet von Martin, Montag, 03.07.2023, 13:43

Ich ging davon aus, dass Target 2 hier schon wiederholt diskutiert worden war und einigermaßen bekannt ist. Das Ganze geht 1h40Min. Ich kann das zwar kurz zusammenfassen, der Podcast enthält aber viele Details auch über die finanziellen Schweinereien, die über die EU zugunsten von Südländern laufen, so dass sich die Zeit m.E. lohnt.

In den ca. ersten 45 Minuten erläutert Stelter die gegensätzlichen Positionen bekannter Ökonomen zur Bedeutung von Target 2. Danach kommt das Gespräch mit Albrecht.

Wenn innerhalb der Euro-Zone von Land zu Land Zahlungsverkehr von Käufer zu Bank 1 zu Notenbank 1 zu Notenbank 2 zu Bank 2 zu Verkäufer stattfindet, bleibt der Betrag zwischen den Notenbanken als Schuld, bzw. Forderung bestehen. Da in der Vergangenheit vor allem von den Südländern viel in Deutschland investiert wurde, stehen jetzt ca. 1,2 Bio. Forderungen gegen die Notenbanken der Südländer, genannt Target 2, in den Büchern der Bundesbank. Nach Auffassung beispielsweise des deutschen Mitglieds des EZB-Direktoriums Frau Schnabel, ist Target 2 lediglich ein Verrechnungsposten, können die 1,2 Bio nicht von der Bundesbank unserem Finanzminister zur Verwertung freigegeben werden.

Dr. Albrecht zeigt aber einen Weg, wie dieser Betrag in Giralgeld gewandelt werden kann. Ich schlage vor, ab 45 Min reinzuhören (den Podcast kann man mittendrin anklicken) bis die Neugier gestillt wird. Ab 1:02 geht es um einen Lösungsansatz.

Target 2-Schieflage gegenüber Deutschland in Wahrheit viel höher

sensortimecom ⌂ @, Montag, 03.07.2023, 14:14 vor 974 Tagen @ Martin 1860 Views

bearbeitet von sensortimecom, Montag, 03.07.2023, 14:35

Target-2 ist im Prinzip ganz einfach. Die ZBs der einzelnen Euroländer rechnen die grenzüberschreitenden Transaktionen mit der EZB ab. Verbindlichkeiten (in Euro) einer ZB gegenüber der EZB bewirken negatives Target, Forderungen positives Target.

Die Gesamtsumme in der EZB-Bilanz (7 Billiönchen) müsste man genau genommen nach einem Schlüssel auf die einzelnen Euro-Länder aufteilen. Wenn man jetzt bedenkt, dass die EZB davon 5 Billionen allein für die Stützungskäufe von Anleihen- und Wertpapieren zumeist notleidender Südländer ausgegeben hat (de fakto handelt es sich dabei genau so um eine grenzüberschreitende Transaktion, alles andere daraus konstruieren zu wollen ist Lüge!), und man weiss, dass die zum Grossteil unverkäuflich sind, kommen eine Menge Verbindlichkeiten dieser Länder gegenüber der EZB dazu! Und wenn man nur grob den Schlüssel DE - übriges Euroland mit 1 zu 5 schätzt, erhöht sich eigentlich allein schon durch diese Tatsache Target-2 auf fast zweieinhalb Billionen. Noch ärger würde es, wenn man einen Schlüssel von 3 zu 3 schätzt...

Die Target2 Salden sind so hoch, weil "Südländer soviel in D investieren"?? Ist der Grund nicht ein ganz anderer: nämlich dass die PIGS viel mehr Staatsschulden in Euro machen

BerndBorchert @, Montag, 03.07.2023, 14:14 vor 974 Tagen @ Martin 1772 Views

bearbeitet von BerndBorchert, Montag, 03.07.2023, 14:22

als die Nord-Staaten im Vergleich zu ihrer Wirtschaftskraft, d.h. ihrem Anteil an der EZB. Ist da vielleicht ein Verständnisproblem bei allen Teilnehmern an diesem Audio? oder bei mir ...

Bernd Borchert

1 Stunde 40 min ist für mich unmöglich. Nicht mal reinhören. Wenn es schriftlich wäre, könnte man blättern, aber das ist das Problem von Videos und Audios.

Ja, auch. Und negative Zahlungsbilanz, simpel.

sensortimecom ⌂ @, Montag, 03.07.2023, 14:17 vor 974 Tagen @ BerndBorchert 1733 Views

Deine Frage zu Target II: "weil Südländer soviel in D investieren"

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Montag, 03.07.2023, 15:06 vor 974 Tagen @ BerndBorchert 1779 Views

Hallo Bernd Borchert,

Deine Überschrift lautete:

Die Target2 Salden sind so hoch, weil "Südländer soviel in D investieren"?? Ist der Grund nicht ein ganz anderer: nämlich dass die PIGS viel mehr Staatsschulden in Euro machen

Nein. Die Staatsverschuldung in den Südstaaten ist eine zweite Baustelle.

Für Zahlungsverkehrsfragen ist der Zweck der Zahlung unbedeutend. Ob nun Monsieur Dupont sich einen VW Golf kauft oder eine französische Chemie-Firma eine deutsche Chemie-Firma übernimmt, ist für Target II irrelevant.

Entscheidend ist, dass der französische Käufer früher DM-Valuta zum Marktpreis erwerben musste um deutsche Güter zu kaufen. Die DM wurde von Jahr zu Jahr immer wertvoller, so dass der Appetit der Ausländer auf deutsche Güter gedämpft wurde - der Golf wurde halt immer teurer, nicht nur für die DM-Inländer, die Deutschen. Damals gab' es schon Notfallpläne, bei Daimler z.B: Dolores (Dollar low rescue). Dieser Mechanismus bildete einen natürlichen Regulator für den sogenannten Exportweltmeister (jedes Opfer eines Einbruchdiebstahls müsste man eigentlich auch Exportweltmeister nennen).

Heutzutage wird dem Ausländer das Geld einfach gedruckt. Wenn ein Zentralbank Geld druckt und dann mit dem Helikopter abwirft, bedeutet die Menge des neu gedruckten Geldes einen Verlust in gleicher Höhe. Bei eingehenden Zahlungen über Target II wird die Bundesbank über eine Forderung an die Banque de France entschädigt.

Beispiel: Herr Dupont kauft sich für €50.000,- einen neuen Golf. Seine Hausbank, die SocGen (Société Génerale) belastet sein Girokonto in gleicher Höhe. Die SocGen zahlt über Target II das Geld an Volkswagen Deutschland, bei der Deutschen Bank Wolfsburg. Die SocGen hat nun €50.000,- weniger auf ihrem Zentralbankkonto und ist also weder ärmer noch reicher geworden, von den Überweisungsgebühren einmal abgesehen.
Die Banque de France hat €50.000 Verbindlichkeiten gegenüber der SocGen weniger, dafür aber €50.000 Schulden gegenüber der Bundesbank.

Die Bundesbank schreibt die eingehenden €50.000 der Deutschen Bank Wolfsburg gut. Das wäre isoliert ein Verlust der Bundesbank, aber sie hat ja dafür ein Guthaben bei der Banque de France über €50.000.

Damit dem dummen Michel und anderen Nordeuropäern nicht auffällt, dass die Kohle überwiegend nur in eine Richtung fließt und die Bundesbank immer mehr dubioses französisches Zentralbankgeld hält, wird nun umgebucht, oder besser umetikettiert. Aus den Forderungen der Bundesbank gegenüber der Banque de France (Sicht Bundesbankbilanz) werden EZB-Forderungen und den Verbindlichkeiten der Banque de France gegenüber der Bundesbank werden EZB-Verbindlichkeiten (Sicht aus der Banque de France).

Dumm ist nur, dass man mit Forderungen gegenüber der EZB nicht bezahlen kann.
Aber wer den obigen Text verstanden hat, versteht auch, wie der Saldo wieder schrumpft.

Bei Austritt aus dem Euro oder wenn der Euro generell zerbricht, müssten in der Bundesbankbilanz an Stelle der EZB-, bzw. der Target-Forderungen plötzlich ein Cocktail von Forderungen an Zentralbanken des Eurosystems, typischerweise der Südstaaten stehen.

In einer neuen Welt ohne Währungsknechtschaft haben diese Forderungen aber einen schwankenden Marktwert. Tritt nur Deutschland aus, gibt es einen Währungskurs zwischer neuer deutscher Mark und Euro. Für die auf neue deutsche Mark lautende Bilanz der Bundesbank bilden die Target bzw. EZB-Forderungen ein großes Risiko.

Vermutlich werden die EZB-Forderungen nur mit massiven Verlusten zu verkaufen sein.

Es gibt aber neben den oben beschriebenen - durch Warentransaktionen motivierten - Zahlungsverkehrsvorgängen aber auch durch Kapitalverkehr motivierte Zahlungsverkehrsvorgänge.

Darauf gehe ich aber nicht ein, das Obige sollte als Erklärung reichen.

Gruß
paranoia

P.S.: Die Aufwertungstendenz der DM schützte den Michael auch vor Preisanstieg bei Nahrungsmitteln und Energie, die beiden einzigen Artikel des Warenkorb des Verbraucherpreisindex, auf deren Kauf man nicht verzichten kann...

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Wenn der Euro auseinanderbricht

Rheingold2, Dienstag, 04.07.2023, 08:05 vor 974 Tagen @ paranoia 1582 Views

Dann müßte doch die Zentralbank Frankreichs ihre Verbindlichkeiten an die Deutsche Bundesbank in D-Mark bilanzieren. Und je höher der Außenwert der D-Mark steigt, desto höher sind die Auslandsschulden der frz. Zentralbank in frz. Francs gerechnet.

Danke für den Link! Die Ausführungen von Herrn Dr. Hans Albrecht sind das Beste, was ich bisher zu dem Thema gehört habe.

Albrecht @, Montag, 03.07.2023, 13:42 vor 974 Tagen @ Martin 1913 Views

Danke für den Link!
Die Ausführungen von Herrn Dr. Hans Albrecht sind das Beste, was ich bisher zu dem Thema gehört habe. Die Aufzeichnung hat leider keine Zeitmarken. Dr. Albrecht kommt in den letzten 60% der Aufzeichnung zu Wort.


Im Übrigen möchte ich jetzt zu Beginn der Urlaubssaison wieder darauf hinweisen, dass jeder deutsche Urlauber, der in der EURO-Region Urlaub macht die Targetforderungen der Bundesbank an die EZB reduzieren kann, wenn er sein Urlaubsgeld ausschließlich mit seiner Kreditkarte am Geldautomat des EURO-Urlaubslandes zieht bzw. alle Rechnungen mit der Kreditkarte bezahlt.
Also KEIN Geld in Deutschland zieht um damit im EURO-Land Urlaub zu machen, sondern das Geld immer erst im Urlaubsland ziehen.

Wenn nur 10 Millionen Urlauber 1000 Euro im EURO-Ausland statt in Deutschland ziehen, reduziert sich das Target 2 Saldo um 10 Milliaren EURO zu Gunsten Deutschlands.

Das löst das Problem zwar nicht generell, aber jeder Deutsche (auch Holländer und Luxemburger) tut damit das, was in seiner Macht steht den im Beitrag genannten sozialen Sprengstoff zu reduzieren. Durch Wahlen kann dieser Betrug leider nicht verhindert werden.


Gruß

Albrecht

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SCHEITERT DER €URO, ENDET DIE KNECHTSCHAFT!

Die Großen hören auf zu herrschen, wenn die Kleinen aufhören zu kriechen.
Friedrich von Schiller (1759 - 1805)

Target II - Salden - alte Frage von Albrecht und meine Antwort

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Montag, 03.07.2023, 14:05 vor 974 Tagen @ Albrecht 1998 Views

Hallo Albrecht,

hier noch mal der Link zum alten Gesprächsfaden:

https://www.dasgelbeforum.net/index.php?id=497400

Gruß
paranoia

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Wer glaubt, dass eine Umbuchung innerhalb einer Bank keinerlei Auswirkungen hat, der irrt sich

Soham @, Montag, 03.07.2023, 23:48 vor 974 Tagen @ Martin 1697 Views

Wenn behauptet wird, dass die Target 2-Salden unerheblich sind, weil es sich nur um Änderungen von Kontoständen innerhalb einer Bank handelt, der irrt sich.

Fall 1: Die Bank hat zwei Kunden, welche beide einen Kontostand von "Null" aufweisen. Es dürfte klar sein, dass weder die Bank noch die Kunden ein Problem haben.

Fall 2: Einer der beiden Bankkunden überweist an den anderen Bankkunden 100.000 EUR. Die Bilanzsumme der Bank ist unverändert. Bankkunde 1 hat gegenüber der Bank eine Verbindlichkeit in Höhe von 100.000 EUR und Bankkunde 2 hat gegenüber der Bank eine Forderung von 100.000 EUR.

Entsprechend mancher Argumentation im Hinblick auf die Target 2-Salden sollte der Übergang von Fall 1 auf Fall 2 völlig unproblematisch sein, da es sich ja nur um eine Umbuchung zwischen zwei Konten der Bank handelt. Dies ist aber mitnichten der Fall. Eine Bank wird diese Überweisung keinesfalls ausführen ohne vom Bankkunden 1 Sicherheiten im Wert von 100.000 EUR einzufordern. Der Punkt ist nämlich, dass durch die Überweisung eine Forderung des Bankkunden 2 gegenüber der Bank in Höhe von 100.000 EUR entstanden ist, welche die Bank jederzeit begleichen können muss. Kann sie das nicht, so ist die Bank insolvent. Eine Umbuchung innerhalb von zwei Konten der gleichen Bank ist insoweit nicht unproblematisch, sondern kann zur Insolvenz der Bank und damit zum Forderungsausfall für den Bankkunden 2 führen. Genau so wird es auch bei den Target 2- Salden sein. Warum fordert die BRD nicht einfach die 1,2 Billionen zur Zahlung von der EZB und nutzt dies z.B. zur Reduzierung der deutschen Staatsschulden? Genau - dann würde sich sehr klar zeigen, dass es nicht egal ist, wie hoch die Forderungen und Verbindlichkeiten innerhalb der Target 2-Salden sind.

Problem professioneller Tauschkreise (Bartening Agencies)

Rheingold2, Dienstag, 04.07.2023, 07:24 vor 974 Tagen @ Soham 1582 Views

Ich meine damit nicht die Initiativen von Gutmenschen a la "tausche Rasenmähen" gegen "Kuchen backen", sondern die professionellen privat organisierten Agenturen, die Gewerbetreibenden zusätzlichen Umsatz versprechen.

Man kauft dort und verkauft dort seine Waren und Dienstleistungen teilweise oder zur Gänze in Tauscheinheiten (meist eins zu eins zur Landeswährung), die Agentur hält sich rechtlich raus und spielt nur den Vermittler, nimmt für jede Tauschbewegung eine Provision.

Was dann häufig passiert:
Ein Teil der Kunden nutzt dies zur zusätzlichen Auslastung, baut also mehr und mehr "Vermögen" auf (=Forderung gegenüber den Tauschkreismitgliedern), ein Teil der Kunden nutzt dies zur zusätzlichen Liquiditätsbeschaffung, baut also mehr und mehr Verbindlichkeiten auf.
Saldo Null. Es wird ja nur zwischen den Konten hin- und herbewegt.

Zeit für den Exitus:

Die Agentur löst sich auf und verkauft rechtmäßig nach seinen AGB "seine" Forderungen an den nächsten Tauschkreis, erklärt daraufhin die Insolvenz, womit diejenigen, die dort "Vermögen" aufgebaut haben, ihre Forderungen los sind. Insolvenzverfahren wird dann mangels Masse abgelehnt.

Als Kurator der Rheingold-Initiative war das eine interessante Erfahrung für mich, weil solche Bartening-Agenturen wohl das wirkliche Leben spiegeln.

Solche Bartening Agenturen haben ein reines Profit-Interesse, wobei m.E. das Provisionsgeschäft eher untergeordnet ist, dafür aber die abschließende Exit-Strategie hohe Profite verspricht.

Beim Rheingold gab es weder Provisionen noch die Möglichkeit einer solchen Exit-Strategie. Wir Rheingolder wollten das debitistische alte Geldsystem überwinden. Damit waren wir aus der Sicht dieser professionellen Bartening-Experten nicht "professionell" :-)

Da diese Agenturen darauf angewiesen sind, dass genausoviele in das System einspeisen wie andere entnehmen, braucht es Voll-Kaufleute, die es für sinnvoll erachten, Geld (=Forderungen) anzuhäufen, um des Anhäufens wegen. Sie waren glücklich, dass sie immer "mehr hatten".

Ist ja im Bankensystem des alten Geldes auch nicht anders. Die Leute arbeiten tatsächlich den ganzen Tag, um auf ihre Bankkonten noch mehr Geld schaufeln zu können. Im internationalen Handel waren wir Deutschen sogar mächtig stolz, als Exportweltmeister über Jahrzehnte die Größten im Anhäufen von Forderungen an das Ausland zu sein und hätten das gerne so ewig weiter gemacht (wenn entsprechend geringe Löhne und geringe Energiepreise das ermöglichen, jetzt könnte man dank hoher Energiepreise und steigender CO2-Abgaben dieses "Erfolgsmodell" nur durch weitere Absenkung der Einkommen erreichen)

Ich kannte persönlich Walter Smets, der RES Barter Systems in Belgien aufbaute, sich jedoch vom eigenen Barter-System korrumpieren ließ

Plancius @, Dienstag, 04.07.2023, 09:23 vor 973 Tagen @ Rheingold2 1535 Views

Hallo Rheingold,

ich habe Walter Smets erstmalig 1997 im belgischen Leuwen kennengelernt. Damals steckte RES noch in den Kinderschuhen. Walter Smets war professioneller Vertriebler und hat sein Barter-System mit eigenen Händen auf der Ochsentour aufgebaut.

Er ist jeden Tag durch Leuwen von Geschäft zu Geschäft, von Firma zu Firma gelaufen und hat versucht, die Inhaber vom Bartering zu überzeugen. Hat er sich genug Absagen eingefangen, ist er mittags zurück in sein Büro, hat sich auf seine Couch gelegt, meditiert und Kräfte gesammelt. Dann ging er wieder genau dorthin, wo er morgens freundlich mit einer Absage hinauskomplimentiert wurde, bis er die Unterschrift zur Teilnahme an seinem Barter-System hatte.

Er vermarktete dann sein System über Franchising in ganz Belgien. Ich kannte auch einige seiner Generalvertreter in den Provinzen, die ebensolche Energiebündel wie Smets waren und von der Idee des Barterings überzeugt waren.

Während in Deutschland zur selben Zeit BCI Barter Clearing aus München Insolvenz mangels Teilnehmer anmelden musste und EBB Barter in Baden-Baden so langsam dahin siechte, führte Smets das professionelle Bartering in Belgien zu einem kometenhaften Aufstieg, inclusive Bankzulassung als Finanzimediär.

Leider ließ sich Smets dann vom Erfolg berauschen. Er griff praktisch als quasi Inhaber einer Zentralbank in die Tasche seiner Barter-Firma. Er bezog Leistungen aus dem System, kaufte für sich und seine Familie teure Autos, stattete Immobilien mit teurem Mobiliar aus, feierte rauschende Parties. So häufte er Schulden gegenüber dem Barter-System an, die er nicht begleichen konnte. Die belgische Finanzaufsicht bereitete dem Treiben dann ein Ende und das erfolgversprechende Unternehmen kollabierte an Schiefständen in seiner Bilanz.

Auch hier zeigt sich mal wieder, dass charakterliche Eigenschaften bzw. Defizite einen viel größeren Einfluss auf den Gang der Geschichte haben als irgendwelche Mächte im Hintergrund. Erfolg oder Misserfolg einer Sache hängen mehr als man glaubt von den Menschen ab, die an bestimmten Machtpositionen sitzen, von ihrer charakterlichen Disposition und von welchen Leidenschaften sie getrieben werden.

Gruß Plancius

--
"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER

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