Energie: am 29.10.2023 spielt die Meyer-Werft wieder mal Schiffe-Tetris
Werte Foristen,
wenn die Meyer-Werft 'mal wieder ein Schiff fertig gebaut hat, dann hat das meist viel Tiefgang - zu viel Tiefgang für die flache Ems. Die wird dann aufgestaut, damit so ein Schiffsneubau das Dock verlassen kann.
Das wäre eigentlich keiner Rede wert, wenn die Schiffe nicht nur viel Tiefgang hätten, sondern auch hoch sind - zu hoch für die 380 KV-Hochspannungsleitung, die die Ems kreuzt.
3,90m Abstand von der Hochspannungsleitung braucht der Stapelläufer, damit für die Jungs auf der Brücke des Kreuzfahrtschiffs keine Gefahr besteht.
Eine Fernsteuerung einzubauen, geht wohl nicht.
Konkret muss die Ems ausreichend Tiefgang bieten, aber auch nicht so viel, dass der Stapelläufer sich so weit anhebt, so dass der oben genannte Abstand zur Hochspannungsleitung unterschritten wird.
2006 wurde die Leitung mit fatalen Folgen abgeschaltet. Es wurde das sogenannte (n-1)-Kriterium verletzt, das besagt, dass bei Ausfall einer Leitung die Netzstabilität gewährleistet sein muss.
Nach der Abschaltung, eventuell aber auch durch die Abschaltung wurde das Netz an anderen Stellen überlastet, was eine Abschaltungskaskade nach sich zog, denn immer, wenn eine Leitung abschaltet, fließt der Strom über das verbliebene Netz und kann auch dort weitere Abschaltungen verursachen, weil der zusätzliche Strom andere Leitungen über die zulässigen Grenzen hinaus belasten kann.
Bei Überbelastung trennen sich Leitungen automatisch vom Netz.
Bei dieser Panne waren sogar Verbraucher in Nordspanien ohne Strom.
Vor diesem Hintergrund kann man verstehen, dass die Leitwarte die Leitung am liebsten in Betrieb lassen würde.
Niemand hat die Absicht ... das Brückenpersonal des neuen Ozeanriesen unter Spannung zu setzen.
Und so wird das Problem mit deutscher Gründlichkeit angegangen:
1. Man versucht durch administrative Eingriffe, die Auslastung der Leitung im Vorfeld zu mindern, denn eine genutzte Leitung wird warm und hängt noch weiter durch. Konkret heißt das, Abschalt- und Einschaltbefehle an ausgewählte Kraftwerke erteilen um den Strom weg von der Leitung zu lenken. Das sind sogenannte Redispatch-Maßnahmen, deren Kosten allerdings zu Lasten der Meyer-Werft gehen sollen.
2. Permanente Überwachung der Ems und der Leitung. Wind, Sonne und Temperatur und Pegelstand werden gemessen um eine Idee zu haben, wie weit die Leitung durchhängt.
Wenn sich der Ozeanriese einmal der Leitung in Sichtweite genähert hat, kommt es zum Schwur.
Große Schiffe sind träge. Wenn dann die Leitung zu tief hängt, wird die Besatzung des Ruderhaus sicherlich nicht schreiend über Bord springen, weil das Schiff nicht vor der Leitung gestoppt werden kann.
Es könnte sein, dass dann die Leitung aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden muss, eine Zwickmühle für die Jungs in einem unscheinbarem Einfamilienhaus außerhalb von Hannover. Im schlimmsten Fall droht also wieder eine Abschaltungskaskade.
Drücken wir also den Beteiligten die Daumen, auch im eigenen Interesse.
Vielleicht erweist sich dann dieser Beitrag dann doch hoffentlich nur als Sturm im Wasserglas...
Gruß
paranoia
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Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.