Dein Gerechtigkeits-Empfinden ist irrelevant.

Hannes, Sonntag, 23.04.2023, 20:42 (vor 1044 Tagen) @ Rheingold2867 Views

Als das National-China Tschiang-Kai-Schecks aus dem UNO Sicherheitsrat geworfen wurde und ein Land nach dem anderen seine diplomatischen Beziehungen aufkündigte, war ich elf und empört-

Ich empfand das als totalen Verrat geschlossener Verträge und völkerrechtlicher Verpflichtungen.

Links aufgewachsen ging es mir weniger darum, ob der Massenmörder Mao (der Gute) mehr Recht hätte als der Nationalist Tschiang-Kai-Scheck (der Böse), sondern darum, dass man Verträge nicht einfach bricht.

Als linker Deutscher konnte ich mit den Wiedervereinigungs-Geschichten der Konservativen überhaupt nichts anfangen. Die DDR erschien mir wesentlich ausländischer und weiter entfernt als die Niederlande oder Frankreich.

Dass Deutschland sich aufgeteilt hatte in eine BRD, DDR, Österreich, Deutsch-Schweiz, Elsaß, Tirol, Trient, Deutsch-Belgien und die Niederlande, fand ich vor allem kulturell völlig in Ordnung. Die Ostgebiete hielt ich für verloren, da dort inzwischen ganz andere Leute lebten, deren erneute Vertreibung ich nicht befürworten wollte.

Dass es überall auf der Welt deutsche Exklaven gibt, empfand ich als Bereicherung (Amish, Donau-Schwaben usw.)

So ich als Kind.

In China haben wir nun die Situation, dass beide Landesteile ein einiges China fordern, Taiwan forderte es als National-China für ganz China, die Volksrepublik China das gleiche für ganz China. Da waren die sich sogar einig.

Nun fordert Borell die Entsendung von europäischen Kriegsschiffen in das Seegebiet, dass das Festland China von seiner Insel Taiwan trennt. Das ruft sicherlich in beiden Ländern Erinnerungen an die europäischen Besetzungen während des Boxer-Aufstandes, der Opium-Kriege wach und wird wohl auf energische Empörung nicht nur unter den Festland-Chinesen, sondern auch auf der chinesischen Insel Taiwan sorgen.

Wie sieht das eigentlich völkerrechtlich aus? Wenn laut UNO und internationalem Völkerrecht China ein Land inklusive Taiwan ist, wem gehört dann das Seegebiet zwischen den beiden Landesteilen? Das müßte doch dann kein internatioales Gewässer, sondern integraler Bestandteil Chinas sein, in dem fremde Militärs nichts zu suchen haben.

https://freeassange.rtde.life/international/168355-eskalationskurs-borrell-fordert-eu-k...

Hi,

alles schön und gut.

Es geht zwischen Staaten immer nur um Kräfteverhältnisse. Das Völkerrecht ist der Versuch, Eskalationen zu vermeiden, funktioniert auch ab und an. Dass die U. S. A. sich einen Dreck um das Völkerrecht scheren, ist in deren (militärischer) Stärke begründet. Die Kräfteverhältnisse ändern sich wie das Klima. So entstehen Kriege. So weit ich weiß, gibt es auf Taiwan Investitionen bestimmter Interessengruppen. Wenn China stark genug ist, wird es das Territorium Taiwans in seinen Staat eingliedern, mit oder ohne die HighTech-Buden (ungeachtet der Eigentümer-Interessen, Patente sind auch irgendwie Völkerecht, ohne Durchsetzungsfähigkeit - Stichwort Kanonenboote - ebenso irrelevant).

Gute Nacht

H.

PS: Will sagen, hier haben wir ein schönes Beispiel für relative Irrelevanz des Völkerrechts wegen brutal neuer Kräfteverhältnisse in der Region.


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