Hallo n0by
Honfleur gilt als die Wiege des die Schönheit des Augenblicks festhalten wollenden Impressionismus'. Die Maler Gustave Courbet, Alfred Sisley, Johan Jongkind, Claude Monet, Camille Pissarro, Pierre-Auguste Renoir und Paul Cézanne (der, "der Vater von uns allen ist", wie Picasso ihn titulierte) kamen mit der Eisenbahn, den Farben aus den Tuben und ihren Leinwänden nach Honfleur und trafen sich oft in der Ferme St-Siméon, einem Bauernhof, der als eine der Geburtsstätten des Impressionismus gilt. Maßgeblichen Anteil daran hatte der französische Maler Eugène Boudin als Vorläufer des Impressionismus.
Dass sich überhaupt so viele Werke aus Frankreich im Land der aufgehenden Sonne befinden, hat mit der Öffnung der Insel während der Regierung von Kaiser Mutsuhito, genannt Meji (reg. 1868–1912) zu tun. Im Jahr 1858 schloss er Freundschafts- und Handelsverträge mit Amerika, England, Frankreich, Russland und den Niederlanden ab. Kaiser Meiji förderte Industrialisierung und organisierte das Staatswesen neu, beides nach westlichen Vorbildern.
Umgekehrt erzeugte der hohe künstlerische Wert der Drucke des Verpackungsmaterials für Tee und andere Güter in Frankreich eine regelrechte Sammelwut nach japanischer Kunst. Die Bilder- und Formensprache der Bilder der heiteren, vergänglichen Welt wurde eine Quelle der Inspiration für den Impressionismus. Japonismus bezeichnet den Einfluss, den die japanische Kunst auf vor allem auf die französischen Künstler hatte.
Ab den 1890er Jahren verarbeiteten japanische Künstler die Ideen der westliche Malerei in ihren eigenständigen Werken.
Toyosaku Saïtō war mit Claude Monet befreundet und rezipierte ab Anfang des 20. Jahrhunderts unter Beibehaltung überlieferten japanischer Prinzipien den Malstil der Impressionisten: Er arbeitete mit eher gedämpften Nuancen, was seine […] Arbeiten sanfter, eleganter und dekorativer erscheinen ließ. So erfuhr der Impressionismus eine 'Japanisierung'.
Analog zu Vincent van Gogh's Gemälde Holzsammler im Schnee sehen wir in Toyosaku Saïtō's Werk die Schäferin mit ihren Tieren als Punctum – als Choc –, während das Gebäude von der hinter den Hügeln untergehenden Sonne in warme Farben gehüllt wird.
https://artinwords.de/japans-liebe-zum-impressionismus/ Toyosaku Saïtō, Fluss im Abendlicht, 1913, Öl auf Leinwand, 65,5 × 161 cm, The National Museum of Modern Art, Tokio.
Gruß - Ostfriese