Warum möchte niemand mehr Heizungsmonteur werden?

Plancius @, Sonntag, 16.04.2023, 22:13 vor 1049 Tagen 5862 Views

Ich habe diese Woche kurzfristig meine Heizungsfirma zur Wartung meiner Heizung im Hause gehabt, um prüfen zu lassen, ob mein Gasbrennwertgerät noch ein paar Jahre durchhält. Der Monteur meinte, der ist noch prima im Schuss, kein Lochfraß in der Brennkammer, also alles bestens.

Zwischendurch kam noch der Chef vorbei und ich konnte noch ein bisschen mit ihm schnacken. Für mich war es völlig unverständlich, dass er keine Heizungsmonteure findet. Das ist doch so ein interessanter, abwechslungsreicher und auch geistig anspruchsvoller Beruf und kann die reinste Goldgrube sein, wenn man nach bestandener Meisterprüfung seine eigene Heizungs-/Sanitärfirma aufmacht. Und trotzdem ist es 12 Jahre her, wo er seine letzte Bewerbung erhalten hat. Notgedrungen muss er auf polnische Leiharbeiter zurückgreifen.

Er sagte mir, das generelle Problem beginne neben dem Elternhaus, wo die Eltern die Kinder in eine Beamtenlaufbahn drücken, bereits in der Schule. Gerade wir in Mecklenburg-Vorpommern haben eines der schlechtesten Schulsysteme in Deutschland. Das kann man u.a. daran erkennen, dass in unserer Stadt vor 4 Jahren eigentlich ein ganzer Jahrgang der 10.Klasse der Regionalschule den Abschluss nicht geschafft hätte. Erst nach Intervention seitens des Ministeriums wurden die Noten nach oben korrigiert, so dass alle Schüler die Schule verlassen konnten.

Der Heizungsbauer deckt ein breites Tätigkeitsspektrum ab. Er montiert die Verrohrung, schließt Heizkessel an die Strom- und Gasversorgung an, montiert Solaranlagen und Sonnenkollektoren sowie Wärmepumpen. Er benötigt ein breites Wissen in Mathematik, Physik, Chemie und Elektrotechnik.

Wie dimensioniert man eine Heizungsanlage?
Welche Metalle können miteinander? Elektrochemische Spannungsreihe.
Welche Aufgabe hat eine Opferanode?
Wie verhindert man Korrosion in Heizungssystemen? Wozu muss Wasser entsalzt und mit einem Inhibitor versehen werden?
Wie realisiert man einen hydraulischen Abgleich? Strömungsmechanik.
Usw. usf.

Der Chef meinte, auf die Beantwortung solcher Fragen hätten die heutigen Schulabgänger keinen Bock. Das Interesse für Naturwissenschaften ist überhaupt nicht vorhanden. Man kann die Fächer ja auch abwählen.

Selbst seine Gesellen sind nicht dazu zu bewegen, nochmals die Schulbank für die Meisterprüfung zu drücken. Sie nehmen es hin, die Arbeiten beim Kunden gegen Bezahlung auszuführen, aber nochmals die Schulbank zu drücken und dröge Physik zu büffeln, vielleicht auch noch Buchführung und Kalkulation - nein, um Gottes Willen, danke.

Danisch meinte heute auch einen Grund gefunden zu haben, warum die Kernkraft in Deutschland abgeschafft werden musste. Wir ertrinken in Dummheit und Faulheit.

https://www.danisch.de/blog/2023/04/16/warum-die-kernkraftwerke-weg-mussten/#more-56410

Einen schönen Start in die Woche wünscht

Plancius

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER

Heute: Paris-Straßburg: 400 Km, >200Km/h. Straßburg-Karlsruhe... 80 Km, <70 Km/h

Revoluzzer @, Sonntag, 16.04.2023, 22:53 vor 1049 Tagen @ Plancius 5031 Views

Es ist nur noch peinlich, eine Schande...

TGV von Paris >300 Km/h unterwegs, auf die Minute pünktlich in Straßburg, unter 2 h Fahrzeit.

Nach der dt. Grenze, der gleiche TGV: Stillstand, Bummelzug, Stillstand, bis KA >30 Minuten Verspätung auf ca. 80 Km Strecke...

Es ist so traurig, erbärmlich...

Als ob man von einem 1. Welt-Land in ein 3. Welt-Land kommt.

Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik = "Gas, Wasser, Schei.e" (Sanitär ist das Problem für viele) owT

BerndBorchert @, Sonntag, 16.04.2023, 23:48 vor 1048 Tagen @ Plancius 3881 Views

bearbeitet von BerndBorchert, Sonntag, 16.04.2023, 23:52

Das kann nicht der Grund sein. Auch praktisch alle anderen Blaumann-Berufe finden keine Nachwuchs.

Plancius @, Montag, 17.04.2023, 08:37 vor 1048 Tagen @ BerndBorchert 3483 Views

Unser örtliches Autohaus findet schon seit Jahren keinen Automechaniker mehr, früher der Traumberuf vieler Jungen.

Elektriker dito.

Maurer und Tiefbauarbeiter sind auch schon seit fast 20 Jahren nicht mehr zu finden. Viele öffentliche und gewerbliche Aufträge werden von polnischen Firmen übernommen.

Polsterer ist seit der Wende ein aussterbender Beruf. Und die paar Polsterer im weiteren Umland ertrinken in Arbeit. Viele Leute möchten Erbstücke beziehen lassen, Motorrad-, Oldtimer und Yachten-Inhaber wollen spezielle Sitze und Verkleidungen, das ganze Mobiliar der Schlösser und Herrenhäuser muss aufgearbeitet werden, Hotels und Gaststätten benötigen individuelle Polstermöbel und Raumausstattungen.

Und keine Handwerkskammer oder keine IHK bringt dieses Thema mit Brisanz in die Medien. Die kassieren nur ihre Beiträge und schweigen sich aus.

Gruß Plancius

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER

Überleg mal: Du bist ein technisch interessierter Teenager und willst eine Lehre machen: Heizung, Gas, Wasser, Dämmung - alles interessant und hochaktuell, aber das mit der Schei.e ist schei.e. owT

BerndBorchert @, Montag, 17.04.2023, 08:55 vor 1048 Tagen @ Plancius 3067 Views

Und dann wird hier über KI und damit verbundene Jobverluste gejammert!

FOX-NEWS @, fair and balanced, Montag, 17.04.2023, 09:12 vor 1048 Tagen @ Plancius 3233 Views

Das kann gar nicht schnell genug kommen, um all die Bürohengste und -stuten aus ihren Sesseln zu vertreiben. Die Alternative Bürgergeld wird viele motivieren, sich noch einmal umzuorientieren. [[top]]

Die Botschaft muss jetzt nur noch bei denen ankommen, die vor der Entscheidung der Berufswahl stehen. :-P

Grüße

--
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Afuera!

Gibt doch einen ganz einfachen Grund:

Kaladhor, Münsterland, Montag, 17.04.2023, 10:19 vor 1048 Tagen @ Plancius 4151 Views

Im gleichen Maße wie die Anzahl der Abiturienten angestiegen ist, ist die Anzahl der Azubis gesunken!
Abitur ist halt immer noch gleichgestellt mit Studium, daher gehen 99,99% aller Schulabgänger erstmal an die nächstbeste Uni fast ausschliesslich ein Schwachsinnsstudium, das keiner benötigt - meistenteils irgendwas Geisteswissenschaftliches, denn zu mehr reicht es oftmals schlicht nicht. Diesen Niedergang sieht man auch daran, dass von den Universitäten für viele Studiengänge mittlerweile empfohlen wird, bestimmte Vorkurse zu besuchen, damit evtl. fehlende Vorkenntnisse nachgearbeitet werden können.

Das Traurige: Ich habe das Ende der 90er vorausgesehen, als diese Entwicklung begonnen hatte, und "ausgemalt", was uns erwarten wird. Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass ich sogar noch zu optimistisch war.
Fakt ist, dass die Hauptschulen zu Verwahranstalten verkommen waren, daher wurden diese dann mit den Realschulen zu den Sekundarschulen zusammengelegt....tja, und der kleinste gemeinsame Nenner beider früheren Schulformen war dann halt die Verwahranstalt. Und die Integrität der Gymnasien wurde halt durch die von der SPD forcierte Einführung der Gesamtschulen gebrochen, natürlich als Ganztagsangebot, damit man die Kinder möglichst lange in der Indoktrination behalten kann.

Das Ergebnis heute ist dann, dass unsere Kinder nach zehn Jahren Schulbesuch eine fürchterliche Rechtschreibung und nur minimalste Grammatikkenntnisse besitzen, kaum noch Fähigkeiten im Kopfrechnen besitzen und bedenkenlos alles nachplappern, was ihnen irgendwelche suspekten "Vorbilder" vorbeten.
Auch hier findet man aktuell ein passendes Bild beim Danisch:
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Damit ist doch alles gesagt.
Man sollte nur immer im Kopf behalten, das WIR - unsere eigene Generation und bei jüngerne Forenmitgliedern auch deren Elterngeneration - das Zugrunderichten des deutschen Bildungssystems zugelassen haben!

Deutschland hat fertig!
Grüße

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Ich bin nicht links, ich bin nicht rechts, ich kann noch selber denken!

Immer daran denken: Wer die Altparteien wählt, wählt den Krieg!

Du hast zwar recht, dass ein Land, dass Professuren für "Gendermainstreamforschung" und solchen Quatsch vergibt, fertig hat, aber ... mkT

igelei, Lammd des Stasi2.0-Rollcommanders, Montag, 17.04.2023, 14:35 vor 1048 Tagen @ Kaladhor 2966 Views

... was konnte man denn tun, außer den Nachwuchs außerschulisch selbst zu bilden? Bei uns ging das noch, es waren noch ein paar alte "polytechnisch" ausgebildete DDR-Lehrer da und somit noch eine ziemlich ordentliche Bildung, als die Ideologie wegfiel.
Trotzdem haben wir sozusagen auch "Ergänzungsbildung" zur Verfügung gestellt. Junior hat dann Abi gemacht, NICHT studiert und einen ordentlichen Beruf gelernt, nämlich Fluggerätemechaniker und hat Spaß an einer gut bezahlten Arbeit, bei der du lebenslang lernen musst.

Das Traurige: Ich habe das Ende der 90er vorausgesehen, als diese Entwicklung begonnen hatte, und "ausgemalt", was uns erwarten wird. Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass ich sogar noch zu optimistisch war.

Nicht nur du, DT hat davor auch schon ewig gewarnt. Auch die Zerstörung des Ingenieurswesens und die Etablierung von "Bachelor" und "Master" hat zum Abstieg des deutschen Bildungswesens auf mittlerweile knapp über Dritte-Welt-Niveau beigetragen.

Man sollte nur immer im Kopf behalten, das WIR - unsere eigene Generation und bei jüngerne Forenmitgliedern auch deren Elterngeneration - das Zugrunderichten des deutschen Bildungssystems zugelassen haben!

Deutschland hat fertig!
Grüße

Wie hätte man es denn verhindern können? Und wozu? Das Land bekommt genau das, was es (die Mehrheit) verdient. Frankreich geht auf die Barrikaden, wenn das Rentenalter von 62 auf 64 erhöht wird, in der Plandemiezeit haben wir gesehen, dass die Deutschen alles mit sich machen lassen, wehrlos, verweichlicht, ängstlich und dumm. Nee, recht gast du, Schland hat fertig ...

MfG
igelei

MfG

Tut mir leid: Ich schließe mich nicht ein in das "Wir".......

Olivia @, Montag, 17.04.2023, 18:37 vor 1048 Tagen @ Kaladhor 2787 Views

Im Gegenteil. Ich habe ziemlich viel Kraft aufwenden müssen, immer "gegen den Strom" zu schwimmen.

Jetzt werde ich mir sicherlich nicht auch noch den "Schuld-Schuh" anziehen.

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For entertainment purposes only.

Was wiederrum die Folge von Standesdünkel, Beamtenmentalität und neoliberaler Phase ist...

Andudu, Dienstag, 18.04.2023, 08:57 vor 1047 Tagen @ Kaladhor 2317 Views

bearbeitet von Andudu, Dienstag, 18.04.2023, 09:01

Abitur ist halt immer noch gleichgestellt mit Studium, daher gehen 99,99% aller Schulabgänger erstmal an die nächstbeste Uni fast ausschliesslich ein Schwachsinnsstudium, das keiner benötigt - meistenteils irgendwas Geisteswissenschaftliches, denn zu mehr reicht es oftmals schlicht nicht. Diesen Niedergang sieht man auch daran, dass von den Universitäten für viele Studiengänge mittlerweile empfohlen wird, bestimmte Vorkurse zu besuchen, damit evtl. fehlende Vorkenntnisse nachgearbeitet werden können.

...das fing schon zu meiner Abiturzeit (Anfang der 1990iger) an, wer nicht studiert hatte, hatte eine höhere Wahrscheinlichkeit für Arbeitslosigkeit und eine geringere Wahrscheinlichkeit für ein angemessenes Gehalt und gescheite Arbeitszeiten.

Was passiert also? Alle Eltern üben Druck aus, auf ihre Kinder, auf die Lehrer und auf die Politik. Je schlimmer die Jobsituation in einem Bundesland war, desto mehr Druck, deshalb ist das Niveau in Bayern und BaWü ja noch einigermaßen hoch, das in NRW und Berlin usw. aber unter aller Sau.

Verschärfend kommt die Dreigliedrigkeit des Schulsystemes, kombiniert mit Migrationsproblemen, dazu. Ein perverses westdeutsches System (eigentlich noch von den Nazis oder vom Kaiser, glaube ich), in dem man schon in der fünften Klasse (!) die Kinder in "Versager", Mittelmäßige und "künftige Elite" separiert und die Bildungseinrichtungen auch noch entsprechend unterschiedlich mit Geld ausstattet (wobei in die "Versager"nicht etwa mehr, sondern weniger Geld investiert wird, da sie eh abgeschrieben sind).

Natürlich versucht jeder, der auch nur einen Funken Ehrgeiz in sich hat, nicht "Versager" oder mittelmäßig zu sein und seinen Kindern so ein Schicksal zu ersparen, insbesondere eine Karriere an der Hauptschule führt schnell in einen Abwärtskreislauf, da schlechter bezahlte Lehrer, der Unterricht ist unruhiger und schlechter ausgestattet, das Niveau deprimierend, die Kinder ziehen sich gegenseitig runter, die Erwachsenen rümpfen bei Hauptschule die Nase. WAS ZUR HÖLLE soll daraus noch Positives erwachsen?!

Aber das ist nur eine Seite. Dazu kommt die teilweise unerträgliche Beamtenmentalität, die alles am Bildungsstand festmacht (den man ein lebenlang mit sich herumträgt und nur schlecht aufwerten kann). Ein Beispiel? Ich arbeite als Softwareentwickler mit FH-Diplom, seit fast zwei Jahrzehnten, hatte aber auch immer eine Neigung zur Pädagogik (in jungen Jahren redete man uns das aus, Lehrer gäbe es zu viele). Vor einigen Jahren suchte man in BaWü Quereinsteiger u.a. als Informatiklehrer und was tut der deutsche Beamtenstaat? Er zahlt FH-Abgängern einen vollen Tausender weniger als normalen Diplomanten, ja ARSCH lecken! Ich soll die selbe Arbeit machen, aber zeitlebens einen Tausender im Monat weniger verdienen (und ich kenne das Niveau an normalen Unis, es ist teilweise grauenerregend und nicht selten niedriger als an der FH)? Ich hätte mich jeden Tag darüber geärgert, also habe ich es gelassen. Dazu die neoliberale Unsitte, Lehrer nur noch befristet einzustellen und in den Sommerferien rauszuwerfen und sowas.

Generell ist das Umsatteln in Deutschland unattraktiv. Die an sich gute, intensive und vergleichsweise lange Ausbildung, kann man halt einfach nicht mehr machen, wenn man eine Familie ernähren muss und ein Haus abbezahlen. Davon abgesehen hat niemand mit Ü30 Lust, sich nochmal mit Schulabgängern in die Berufsschule zu hocken und sich als Azubi im Betrieb demütigen zu lassen. Das sind alles Strukturen, die einen Wechsel maximal erschweren. Was passiert also? Die Fehleinschätzungen der Vergangenheit werden ausgelebt, statt in einen besseren Beruf zu wechseln.

Auch dafür habe ich zahlreiche Beispiele. Ein guter Kumpel von mir hatte z.B. in den 90igern "Verwaltungsfachangestellter" gelernt, in Sachsen (gute Übernahmechancen!). Nach der dreijährigen Ausbildungszeit war das mit den "guten Übernahmechancen" irgendwie in Vergessenheit geraten, er war direkt arbeitslos und in einem anderen Bundesland wurde absurderweise der Abschluss nicht anerkannt. Was macht er also, er war ja noch jung? Er schult um, damals der große Hype: Mediengestaltung blabla, "neuer Markt", Internet etc. super Jobchancen! Wir alle wissen was daraus geworden ist. Als er mit der Ausbildung (er hatte sogar das Fachabi noch nachgeholt) fertig war, fristete er sein Dasein in einer lokalen Fernsehklitsche, mittlerweile ist er eine niedrige Charge im Zwangsgebühren-Lügen-TV mdr. Der war in der Realschule einer der besten in der Klasse und mir immer eine Nasenlänge voraus und dann so eine verpeilte Karriere! Dank dämlicher Hypes in den Lügenmedien, mangelnder horizontaler Durchlässigkeit, fehlender Anerkennung von Abschlüssen etc.

Das mit dem Umsatteln scheint sich gerade zu drehen.

Griba @, Dunkeldeutschland, Dienstag, 18.04.2023, 21:38 vor 1047 Tagen @ Andudu 2153 Views

Mein Sohn hat nach zwei Jahren FH-Studium der Elektrotechnik unter C-Bedingungen das Handtuch geworfen und lernt jetzt erst mal was ordentliches: Elektroniker für Geräte und Anlagen. In der Berufsschule ist er der jüngste und muß sich neben studierten Physikern und Fachwirten für irgendwas als Mit-Lehrlingen gehörig anstrengen, um mithalten zu können.

--
Beste Grüße

GRIBA

Das Problem fehlender Blaumann-Berufe scheint auch bei den Ukrainern ein großes Problem zu sein.

Plancius @, Montag, 17.04.2023, 10:27 vor 1048 Tagen @ BerndBorchert 3808 Views

Aktuelles Beispiel: Großer Agrarbetrieb in Mecklenburg mit vielen 100 ha Acker- und Grünland und einigen großen Stallanlagen zur Milchviehhaltung.

Der Betrieb beschäftigt Deutsche, Polen, Rumänen und Litauer und ist ständig auf der Suche nach Arbeitern. Das Arbeitsamt versucht seit einigen Monaten, Ukrainer im ersten Arbeitsmarkt unterzubringen. Es gibt wohl Druck von oben.

Der Geschäftsführer denkt, die Ukraine hat ja einen großen Agrarsektor und da werden wohl einige passende Leute für ihn dabei sein. Er schreibt einige Stellen aus, für die keine oder nur wenig Sprachkenntnisse vorhanden sein müssen oder die er mit den bei ihm arbeitenden Russen/Deutschrussen/Kasachen mitlaufen lassen kann, die dann die Sprachbarriere überwinden helfen: Tierpfleger/Melker, Landmaschinenschlosser, Elektriker, Traktoristen.

Jedoch sind nur ca. einer von 10 zu gebrauchen. Fast alle sind nach eigener Auskunft Akademiker: Kernphysiker, Lehrer, Wissenschaftler usw. oder Visagist, Schauspieler usw. Wird nach Zeugnissen und Abschlüssen gefragt, kann kein einziger seine Ausbildung belegen. Selbst wenn ein passender gefunden wird, kommt jener mit einer langen Liste von Terminen: Zahnarzt, um sich die Zähne machen zu lassen oder diese und jene Behandlung oder geplante Operation im Krankenhaus.

In letzter Zeit schickt das Arbeitsamt auch Afrikaner vorbei, die angeblich Ukrainer sind. Fragt man nach, ob die Unterhaltung in russisch geführt werden kann, so wird dies verneint, weil man kein russisch kann. Die Ukraine hat wohl ein neues Geschäftsmodell entdeckt: Sie schient jetzt verstärkt ukrainische Pässe an Afrikaner zu verkaufen, damit diese ungehindert in die EU einreisen können und den privilegierten Flüchtlingsstatus bekommen.

Gruß Plancius

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER

Kennst du sie nicht, die zahlreichen Raketenwissenschaftler und Nuklearphysiker?

Joe68 @, Montag, 17.04.2023, 10:54 vor 1048 Tagen @ Plancius 3574 Views

Mein Schwiegervater hatte, vor langer Zeit, eine Wohnung an eine kosovarische Asyl-Familie vermietet, der Mann war auch Pilot, nach seiner Aussage.
Beliebte Ausrede bzgl unterqualifizierter Jobangebote.

Ich kenne einige Ex-Heizungsmonteure, es ist ein Knochenjob...

Andudu, Dienstag, 18.04.2023, 07:47 vor 1047 Tagen @ Plancius 2786 Views

...und nicht allzu gut bezahlt, man kriecht in dunklen schmutzigen Kellern herum usw. Der Heizungsmonteur, der damals meine Anlage mit aufgebaut hat (ein Ossi, wie ich), ist zu einer besser bezahlten (?) jedenfalls stressfreieren Hausmeisterstelle gewechselt. In meiner Firma ist auch einer, der wegen seiner kaputten Knie aus dem Bereich raus musste.

Wenn die Branche Leute will, dann können die nicht mehr wie früher werben, sie sollten es konkret tun (Gehaltsangabe und zwar eine fette) und den jungen Leuten mit Teilzeitarbeitsmöglichkeit entgegenkommen. Die guten Jugendlichen versuchen nach wie vor Abi + Studium zu machen und einen gut bezahlten, stressfreien und angeseheneren Bürojob zu bekommen (ob das immer gelingt, ist eine andere Frage), übrig bleiben die, die für die komplizierteren Tätigkeiten eigentlich ungeeignet sind.

Es ist der Ausfluss einer Kultur, die selbst ausgemachte Spinner ehrt, sobald sie einen Doktortitel (oder "grad" ist mir schei**egal) vor sich hertragen, ihnen hohe Gehälter zahlt, während sie über den Sani-Techniker die Nase rümpft. Das ist wie mit der Jungenbevorzugung in asiatischen Ländern, für sowas zahlt man am Ende immer einen Preis, im Extremfall scheitert sogar die Kultur daran.

Gerade das mit der Bezahlung ist immens wichtig.

Plancius @, Dienstag, 18.04.2023, 08:46 vor 1047 Tagen @ Andudu 2680 Views

Es ist hier bei uns schon so, dass sich die Handwerksbetriebe gegenseitig die Gesellen mit höheren Gehaltszahlungen abwerben, gerade im Heizungs- und Sanitärbereich. Aber trotzdem haben die Handwerker bei einem Wechsel in eine stressarme, weniger anstrengende Stelle, insbesondere im öffentlichen Dienst mindestens 500 - 800 EUR pro Monat mehr netto in der Kasse.

Heiß begehrt sind hier Stellen als Gemeindearbeiter bei der Stadt/Gemeinde oder Hausmeister für Schule/Kindergarten/Krankenhaus/Arbeitsamt usw. Der öffentliche Dienst hat in den letzten Jahren sehr hohe Gehaltssprünge gemacht. Das ist überhaupt das Grundübel unserer Zeit: Der stressarme öffentliche Dienst mit Frühverrentung, Bullshitjobs (Sozialarbeiter allerorten ...) und Jobs für staatlich angeordnete Zwangsmaßnahmen (TÜV, Schornsteinfeger, ...) bringen in der Regel viel mehr Geld ein als echte wertschöpfende, nettosteuerzahlende Jobs.

Ein weiteres Problem, gerade bei den Azubis, ist das vergleichsweise geringe Lehrlingsgehalt im Handwerk. Eine Ausbildung in einem Bürojob oder im öffentlichen Dienst bringt schon mal 1.200 EUR pro Monat ein, während der Lehrling im Handwerk mit 600 EUR abgespeist wird. Hier ist auf jeden Fall mal eine staatliche Regulierung angesagt oder es werden Höchstgrenzen für Lehrlingsentgelte festgelegt.

Trotzdem ist für mich nicht nachvollziehbar, warum die stark gestiegenen Stundensätze im Handwerk für den Kunden nicht bei den Gesellen ankommen. Da müssten doch jetzt mindestens 20 EUR / Stunde für jeden Gesellen drin sein. Man kann ja als Meister auch einen Teil des Lohns am Jahresende ausschütten, in Abhängigkeit von den Kranktagen im Jahr. Was wiederum ein großes Problem für die Betriebe ist. Denn viele Gesellen genehmigen sich bis zu 6 Wochen Krankheit im Jahr, um dann ihre eigenen Projekte durchzuziehen.

Gruß Plancius

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER

So ist es!

Andudu, Dienstag, 18.04.2023, 09:30 vor 1047 Tagen @ Plancius 2579 Views

bearbeitet von Andudu, Dienstag, 18.04.2023, 09:36

Es ist hier bei uns schon so, dass sich die Handwerksbetriebe gegenseitig die Gesellen mit höheren Gehaltszahlungen abwerben, gerade im Heizungs- und Sanitärbereich. Aber trotzdem haben die Handwerker bei einem Wechsel in eine stressarme, weniger anstrengende Stelle, insbesondere im öffentlichen Dienst mindestens 500 - 800 EUR pro Monat mehr netto in der Kasse.

Heiß begehrt sind hier Stellen als Gemeindearbeiter bei der Stadt/Gemeinde oder Hausmeister für Schule/Kindergarten/Krankenhaus/Arbeitsamt usw. Der öffentliche Dienst hat in den letzten Jahren sehr hohe Gehaltssprünge gemacht. Das ist überhaupt das Grundübel unserer Zeit: Der stressarme öffentliche Dienst mit Frühverrentung, Bullshitjobs (Sozialarbeiter allerorten ...) und Jobs für staatlich angeordnete Zwangsmaßnahmen (TÜV, Schornsteinfeger, ...) bringen in der Regel viel mehr Geld ein als echte wertschöpfende, nettosteuerzahlende Jobs.

Ja! Selbst in den Firmen sind Papierschubserjobs oft super bezahlt, haben aber meist ausgesprochen geringen (manchmal negativen) Nutzen. Selbst in der Techbranche ist das (teilweise) so, in Deutschland ist der Gehaltsabstand zwar nicht so krass wie bei den Amis, aber die Arbeitsbedingungen ähneln sich trotzdem oft. Gerade gestern gelesen:
https://www.golem.de/news/tech-branche-wir-arbeiten-nicht-null-2304-173002.html

Wenn man dann noch die Versager und Dauerprovokateure in der Politik und den Medien sieht, mit Gehältern jenseits von gut und böse, kann man richtig wütend werden!

Wobei der ÖD von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist. Mein Bruder in Bayern wollte da mal anfangen, ich glaube bei der Polizei München, aber die zahlen da so einen Durchschnittstarif, von dem er in München gar nicht hätte leben können, zumindest nicht mit Familie...

Ein weiteres Problem, gerade bei den Azubis, ist das vergleichsweise geringe Lehrlingsgehalt im Handwerk. Eine Ausbildung in einem Bürojob oder im öffentlichen Dienst bringt schon mal 1.200 EUR pro Monat ein, während der Lehrling im Handwerk mit 600 EUR abgespeist wird. Hier ist auf jeden Fall mal eine staatliche Regulierung angesagt oder es werden Höchstgrenzen für Lehrlingsentgelte festgelegt.

Oder Untergrenzen. Beim Umlernen sind niedrige Lehrlingsgehälter nämlich auch eine Hürde, irgendwann will man ja mal eine Familie gründen, ein Auto haben und bei den Eltern ausziehen.

Trotzdem ist für mich nicht nachvollziehbar, warum die stark gestiegenen Stundensätze im Handwerk für den Kunden nicht bei den Gesellen ankommen. Da müssten doch jetzt mindestens 20 EUR / Stunde für jeden Gesellen drin sein.

Keine Ahnung. Den Großteil fressen vermutlich die Steuern und Abgaben weg.

Man kann ja als Meister auch einen Teil des Lohns am Jahresende ausschütten, in Abhängigkeit von den Kranktagen im Jahr. Was wiederum ein großes Problem für die Betriebe ist. Denn viele Gesellen genehmigen sich bis zu 6 Wochen Krankheit im Jahr, um dann ihre eigenen Projekte durchzuziehen.

Ja die Arbeitszeiten und -bedingungen sind halt auch einfach oft hart. Obiger Bruder, der in München lebt, hatte ursprünglich Elektriker gelernt, die waren da oft auf Montage unter Bedingungen, unter denen ich nicht leben und arbeiten wöllte. Der Chef war ein grober unhöflicher Drecksack (der sprach die Azubis nicht mit Namen an, sondern hatte sie einfach durchnummeriert) und kurz bevor die Firma den Bach runterging, hat er seinen Mitarbeitern noch Beteiligungen aufgenötigt, die dann natürlich weg waren. Entsprechend hat besagter Bruder auch nie wieder als Elektriker gearbeitet.

Dass z.B. in der Gastronomie Leute fehlen, kann ich ebenfalls nachvollziehen...

Danke für diesen Artikel!

FOX-NEWS @, fair and balanced, Dienstag, 18.04.2023, 10:03 vor 1047 Tagen @ Andudu 2409 Views

Ja! Selbst in den Firmen sind Papierschubserjobs oft super bezahlt, haben aber meist ausgesprochen geringen (manchmal negativen) Nutzen. Selbst in der Techbranche ist das (teilweise) so, in Deutschland ist der Gehaltsabstand zwar nicht so krass wie bei den Amis, aber die Arbeitsbedingungen ähneln sich trotzdem oft. Gerade gestern gelesen:
https://www.golem.de/news/tech-branche-wir-arbeiten-nicht-null-2304-173002.html

[[top]]

Ist in den öffentlichen Verwaltungen kaum anders. Viel Zeit geht da drauf zu prüfen, ob man zuständig ist und vor allem keine Fehler zu machen.

Trotzdem ist für mich nicht nachvollziehbar, warum die stark gestiegenen Stundensätze im Handwerk für den Kunden nicht bei den Gesellen ankommen. Da müssten doch jetzt mindestens 20 EUR / Stunde für jeden Gesellen drin sein.


Keine Ahnung. Den Großteil fressen vermutlich die Steuern und Abgaben weg.

Da muss man nur überschlagen, wie viele Sesselfurzer mit durchgefüttert werden müssen ... :-P

Grüße

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Afuera!

Das wird sich irgendwann von selber einregeln

FOX-NEWS @, fair and balanced, Dienstag, 18.04.2023, 09:32 vor 1047 Tagen @ Plancius 2517 Views

Wenn alle einen White Collar Job haben wollen und keiner mehr Rohstoffe zu Gütern formt bzw. diese einbaut, also einen Blaumann tragen will, wer soll den Laden dann finanzieren? Ohne den primären (Rohstoffe) und sekundären Sektor (Verarbeitung) geht es nicht. Aufsteigende Nationen haben da ein gutes Verhältnis zum Dienstleistungs- und Finanzsektor und in Staaten, die sich auf Zettelwichserei (Verwaltung und Finanzwesen) konzentrieren, geht es tendenziell bachab für die Allgemeinheit. Wer das genauer wissen will, braucht sich nur die jeweiligen Realeinkommensentwicklungen anzusehen.

Kurz gefasst: Irgendwann ist der Suppenkessel leer ... und dann müssen die Zutaten neu geschnippelt und gekocht werden. Problematisch wird es, wenn keine Köche mehr da sind, weil die ausgewandert, in Rente oder gar nicht geboren worden sind und zudem die Esser sich nicht für eine Umschulung eignen. :-P

Grüße

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Afuera!

Ein Meister verdient oft mehr als ein Ing. in den Anfangsjahren

Dieter @, Dienstag, 18.04.2023, 11:57 vor 1047 Tagen @ FOX-NEWS 2386 Views

Hallo Fox-news,

So wie von Dir angedeutet, wird es mit Sicherheit kommen. Der ausgebildete Praktiker wird mehr verdienen als der Studierte ohne prakt. Erfahrungen.
Die Wertigkeiten werden sich verschieben, einfach weil der Bedarf in Bezug auf Mangel sich verschiebt.

In meiner ehem. Branche verdiente ein Ing. mit Gesellenprüfung nach dem Studium weniger als der frisch gebackene Meister. Denn Ing. gab es genug, Meister nicht.

Gruß Dieter

--
Das sektenhafte Denken und Handeln der Grünen und ihrer Anhänger und Wählerschaft ist für Menschen mit gesundem Menschenverstand nur schwer nachzuvollziehen.

2004 begann unter Rot Grün der Niedergang des deutschen Handwerks.

Durran @, Dienstag, 18.04.2023, 08:58 vor 1047 Tagen @ Plancius 2702 Views

Bis dahin gab es in allen Handwerksberufen eine Meisterpflicht.

2004 wurde diese in den meisten Gewerken abgeschafft. Also gingen die Meisterabschlüsse massiv zurück.
Fast jeder konnte einen Handwerksbetrieb eröffnen. Eins konnte er allerdings nicht. Lehrlinge ausbilden.

Und so gingen auch die Gesellenabschlüsse in den Keller. Es gibt Bereiche im Handwerk wo es 90 Prozent weniger Meister und Gesellenabschlüsse gibt.

Gerade im Heizungsbau muss man zumindest bei großen Betrieben auf Baustellenmontage. Die ist selten am Wohnort. Wer möchte denn heute noch auf Montage? Die ganze Woche in einer ranzigen Pension schlafen, weit weg von der Familie.

Aber nehmen wir einfach einen Schneider. Solides Handwerk, wird immer gebraucht.
Wenn du heute Schneider bist und als kleiner Betrieb arbeitest hast du ein enormes Risiko zu verarmen.
Für eine Hose kürzen bekommst du vielleicht 15 Euro. Alles andere macht auch wirtschaftlich keinen Sinn. Du brauchst dafür eine Stunde. Abzüglich der Mehrwertsteuer bleiben 12 Euro übrig.

Der Stundensatz in einer markengebundenen Autowerkstatt beträgt 120 Euro und mehr.

Also die wirklichen Hand -werks-berufe sterben einfach aus. wirtschaftlich nicht mehr darstellbar.
So lange die Textilien günstig aus Asien importiert werden können auch bislang kein Problem.

Aber es verschwindet das Know How, die Technologien, die Maschinen und die Fachkräfte. Unwiederbringlich. Und es wird sich rächen.

wie wäre es mit Ablösesummen ?

Dieter @, Dienstag, 18.04.2023, 11:45 vor 1047 Tagen @ Durran 2414 Views

Hallo Durran,

bekanntlich bilden in aller Regel die Behörden nicht aus, da sie dazu fachlich nicht geeignet sind.

Das führt dazu, daß sie große Mengen ausgebildeter Fachkräfte abwerben vom Handwerk verbunden mit den Verlockungen des "Öffentl. Dienstes" und deren Arbeitszeiten und Bequemlichkeiten (wer zu schnell arbeitet wird gemobbt).
Daneben haben auch Handelsbetriebe wie Baumärkte erheblichen Bedarf an ausgebildeten Kräften, die dann das Handwerk stellt.

Eigentlich wären Ablösesummen fällig, zu entrichten an die jeweiligen Handwerkskammern oder Landwirtschaftskammern, sobald ein ausgebildeter Handwerker aus dem Handwerk oder dem landw. Bereich ausscheidet in einen anderen Bereich (öffentl. Dienst oder Handel, oder irgendw. Organisationen oder Ausland, Entwicklungshilfe).

Gruß Dieter

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