Ergebnis meiner privaten Umfrage zum geplanten Gas- und Ölheizungsverbot in 2024
bearbeitet von Plancius, Montag, 10.04.2023, 19:14
Ich habe die letzten 8 Tage praktisch jeden Haus- oder Eigentumswohnungsinhaber, der mir über den Weg lief gefragt, was er im Hinblick auf das geplante Gas- und Ölheizungsverbot in 2024 plant.
Meine Umfrage richtete sich an jeden, den ich beim Einkaufen, beim Bäcker oder einfach so auf der Straße traf. Ich habe viele Nachbarn, Eltern auf dem Kinderspielplatz, viele in meinem Gartenverein gefragt, ich habe Freunde, Bekannte und Verwandte wegen dieses Themas extra angerufen. Da ich sehr angefressen wegen Habecks Gesetzesentwurf bin, wollte ich einfach mal wissen, wie andere so über das Thema denken, ob sie auch wütend sind, ob ihnen die Thematik überhaupt zu Ohren gekommen ist oder ob sie das geplante Gesetz einfach ignorieren.
Hier die Ergebnisse meiner Umfrage.
Zunächst ist einmal der Umstand zu berücksichtigen, dass sich alle Befragten im Osten der Republik befinden. Hier sind praktisch alle Heizungen bis Ende der 90er Jahre von Kohle auf Gas umgestellt worden. Da wo es noch kein Erdgas gab, hat man zunächst einen Flüssiggastank gehabt, später ist man an das Erdgasnetz angeschlossen worden und hat seinen Wärmebedarf mit russischem Erdgas der Klasse H, sprich mit hohem Methan- und damit Heizwert gedeckt. Die meisten Leute haben ein Gasbrennwertgerät, manche einen Niedertemperaturkessel, einige wenige einen Gaskessel älterer Bauart und einige Besitzer einer Eigentumswohnung eine Gasetagenheizung. Praktisch alle Heizkessel gehen auf eine Nutzungsdauer von 30 Jahren zu.
Überraschend: Kein einziger der Befragten gedenkt, sich eine Wärmepumpe anzuschaffen.
Über die Hälfte der Befragten möchten in diesem Jahr noch die Heizung gegen eine neue Gasbrennwertheizung austauschen. Die Anschaffung eines neuen Heizkessels war in Anbetracht einer fast 30jährigen Nutzungsdauer ihrer Heizungsanlage bereits ins Auge gefasst worden, man hätte den Heizkessel aber eigentlich erst getauscht, wenn er wirklich "fertig" gewesen wäre und zieht die Anschaffung wegen Habecks Gesetz nun ein paar Jahre vor. Die finanziellen Mittel in Höhe von 5.000 bis 8.000 EUR hierfür sind in allen Fällen verfügbar.
Hauptgrund für das Anschaffen eines neuen Gaskessels ist eine Art "Abwrackprämie". Dieses mal nicht in Form einer Auszahlung oder Subvention, sondern im Vermeiden der wesentlich höheren Kosten für Anschaffung und Betrieb einer Wärmepumpe. Niemand glaubt, dass die Wärmepumpe wirtschaftlicher ist. Vielmehr möchte man sich mit einer neuen Gasheizung "Ruhe" für die nächsten 30 Jahre vom System "kaufen" und denkt, man geht so den Weg des geringsten Widerstandes. Genauso ist man auch mit der Corona-Impfung verfahren. Man hatte nach der Spritze seine Ruhe und ist in aller Regel gut damit gefahren und das System ist einem nicht weiter auf den Geist gegangen.
Ausnahmslos alle gehen weiterhin für die nächsten Jahre von einem Verhältnis von etwa 1 : 3,5 zwischen Gas- und Strompreis aus, d.h. der Strompreis wird auch weiterhin mehr als 3 mal so teuer sein wie Erdgas. Sollte der Gaspreis steigen, geht man auch von einer Strompreiserhöhung aus. Wegen der millionenfachen Verwendung des Erdgases für Heizzwecke in Haushalt und Gewerbe und dem erst vor wenigen Jahren erfolgten flächendeckenden Anbindung fast aller deutscher Ortschaften an des Erdgasnetz geht man auch von einer weiteren Verfügbarkeit von Erdgas zu erschwinglichen Preisen auch in den nächsten Jahrzehnten aus. Weitere CO2-Bepreisungen für Erdgas hat niemand auf dem Schirm.
Alle sind sich sicher, dass die Grünen bei der nächsten Bundestagswahl verschwunden sein werden und die nächste Regierung alle irren Klimaschutzgesetze wieder rückgängig macht. Es möchte nur niemand das Risiko eingehen, in der Zwischenzeit bis zur nächsten Wahl in 2025 aufgrund eines Defekts der Heizungsanlage auf einmal zur Anschaffung einer kostspieligen Wärmepumpe genötigt zu werden.
Bei Besitzern von Eigentumswohnungen werden jetzt kurzfristig Eigentümerversammlungen einberufen, um die Thematik zu besprechen und eventuell auch in diesem Jahr noch in eine neue Brennwertheizung zu investieren.
Einige wenige waren empört und sagten, der Staat habe ihnen gar nichts im Hinblick auf die Heizung reinzureden. Sie heizen, wie sie wollen und damit basta. Es wird auch nichts neues an Heizkessel angeschafft, sondern dann wenn was kaputt gehet, kauft man sich das, was man für richtig und wirtschaftlich hält.
Ich kenne diese Art von Maulhelden allerdings nur zu gut. Sie waren damals auch die ersten, die sich haben impfen lassen und werden auch dieses mal wieder den Bückling vor dem Habeckschen Gesetz machen, wenn es denn soweit ist.
Am Interessantesten war für mich, dass eigentlich niemand so zornig ist wie ich. Sie nehmen das Gesetzesvorhaben zwar als staatliche Gängelung und Eingriff in ihre Eigentumsrechte wahr, da man allerdings sowieso in der nächsten Zeit den Austausch des Gaskessels schon auf dem Schirm hatte, nimmt man das Habeck'sche Gesetz doch relativ gelassen hin und denkt sich: Die Karawane zieht weiter und ich habe 30 Jahre wieder meine Ruhe. Nach der nächsten Wahl ist Habeck sowieso weg vom Fenster und dann hört der ganze Klimaspuk auf. Viele sind davon überzeugt, dass mit einer CDU-Regierung das Ruder wieder rumgerissen wird.
Also nix mit revolutionärer oder aufgebrachter Stimmung. Die Befragten waren in der Regel über 45 Jahre alt. Es kann aber sein, dass die Stimmung im Westen Deutschlands und bei den ganzen jungen Häuslebauern oder Gebrauchtimmobilienkäufern, die über beide Ohren in Schulden stecken und keine Reserven haben die Stimmung ganz anders ist. Außerdem gibt es im Westen der Republik wesentlich mehr an Ölheizungen und Heizungsanlagen älterer Bauart, wo die Situation wieder eine ganz andere ist.
Gruß Plancius
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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER
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