Das Insichzurücklaufen: Stiere - Von Lascaux zu Pablo Picasso

Ostfriese @, Donnerstag, 06.04.2023, 09:22 vor 1059 Tagen 3614 Views

Hallo auf dem Forum

Die Menschen der Urzeit begannen schon ca. 17.000-10.000 v. Chr. während des Magdaléniens in der archäologischen Kulturstufe des Jungpaläolithikums in Mittel- und Westeuropa am Ende der letzten Eiszeit in den drei Farben Ockergelb, Ockerrot und Kohleschwarz - gefertigt aus Mangan oder Eisen - künstlerische Objekte herzustellen.

Sie zeichneten vielleicht aus Gründen von Ritualen, Botschaften oder Kunst hauptsächlich Tiere zweidimensional auf Höhlenwände: Pferde, Büffel oder auch Mammuts, deren Raumeffekte vielfach durch die natürlichen Vertiefungen und Vorsprünge in den Wänden hervorgerufen wurden.

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12/09/1940: Kim Phụng - Phát hiện bản vẽ trong hang động Lascaux

Picasso, dessen Gesamtwerk mehr als 50000 Objekte bis zu seinem sich am 8. April zum 50sten Mal jährenden Todestag umfasste, malte in dem Zyklus von 12 Bildern Stiere, ausgehend von realen Proportionen über Betonung der Kontraste, Zerlegung der Konturen, Abstraktion der Anatomie, Neuverteilung der Gleichgewichte, fortgesetzte Abstraktion, Betonung und Vereinfachung der Umrisse bis endlich ausschließlich hin zu Linien einer abstrakt-konkreten Malerei. Der Zyklus spiegelt seine ontogenetische Entwicklung vom Gegenständlichen zur abstrakten Konkreten Malerei wider, die letztendlich im hermetischen Sinne die phylogenetische Entwicklung - wie oben, so unten - reproduziert.

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Lenny: Der Weg zur Essenz - Die zwölf Phasen der Abstraktion in Pablo Picassos Stier-Serie

Die Malerei in den Höhlen von Lascaux führt über die Antike, die Entdeckung der Räumlichkeit in der Gotik, die dreidimensionale Perspektive in der Renaissance, den starren Idealisierten Naturalismus im Goldenen Zeitalter der Niederlande und die beginnenden dynamisch verwerfenden Auflösungen im Impressionismus zu Picasso's zweidimensionalem Kubismus - und schwingt im Sinne der Polargeometrie Ernst Barthel's des Insichzurücklaufens von Zukunft und Vergangenheit im Gegenwärtigen zurück: Picasso's Malerei läuft jener in den Höhlen von Lascaux voraus!

Marcel Duchamp besuchte mit Constantin Brâncuși und Fernand Léger im Herbst des Jahres 1912 die Luftfahrtschau im Pariser Grand Palais. Angesichts der technischen Innovationen sagte Duchamp zu Brâncuși: "Die Malerei ist am Ende. Wer kann etwas Besseres machen als diese Propeller? Du etwa?" Die perfekte industrielle Form hatte auf die drei Künstler eine ähnliche Wirkung wie etwas früher afrikanische Masken auf Picasso. Duchamp gab die Malerei auf und schuf seine, später auf dem Müll entsorgten, Readymades Roue de bicyclette (Fahrrad-Rad), das er auf einigen Speichen neckisch mit wenigen roten Punkten versah, und Fountain, das als handelsüblich weißes Urinal zum zentralen Werk der modernen Kunst aufstieg.

Die heutige Malerei mit Pinsel, Farbe und Leinwand reproduziert nur noch bereits Bestehendes und schafft letztendlich nichts neues mehr - sie hat ihr Ende gefunden.

Die Wirklichkeit der Welt, die sich nur im Geiste realisiert, ist zeit- und richtungslos, und deren Fassung in Zeichensystemen ist Simulation, um die Prinzipien zu dissimulieren, die der Trapper, der Fahrer des Gastransporters und die Vuntut Gwich'in leben.

https://www.arte.tv/de/videos/048396-000-A/looking-for-picasso/

https://www.zdf.de/nachrichten/zdf-morgenmagazin/auf-den-spuren-picassos-in-malaga-50-t...

Frohe Ostern und Gruß - Ostfriese

Herzlichen Dank dafür und frohe Ostern auch Dir! (oT)

Herzdame ⌂ @, Dunkeldeutschland, Donnerstag, 06.04.2023, 20:44 vor 1058 Tagen @ Ostfriese 1375 Views

Endlich mal etwas intellektuelles, auch wenn wohl vergebens - vielen herzlichen Dank und frohes Osterfest owT

Griba @, Dunkeldeutschland, Donnerstag, 06.04.2023, 23:15 vor 1058 Tagen @ Ostfriese 1398 Views

:-)

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Beste Grüße

GRIBA

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