Was haben die Bombardierung deutscher Städte und der Krieg in der Ukraine gemeinsam?
bearbeitet von Falkenauge, Montag, 27.02.2023, 09:52
Wie jedes Jahr wurde in Pforzheim wieder der verheerenden britischen Bombardierung vom 23. Februar 1945 gedacht, durch die in der damals kleinen Stadt von ca. 60.000 Einwohnern in 20 Minuten ca. 18.000 Menschen getötet wurden. Das diesjährige offizielle Gedenken war geprägt von der Einbeziehung des gegenwärtigen Krieges, den der „Autokrat Putin“ mitten in Europa entfesselt habe, und des Mitfühlens mit den Ukrainern. Der damit unterschwellig nahegelegte Vergleich mit der „Entfesselung des Zweiten Weltkrieges durch den Diktator Hitler“ hat jedoch nur eine einzige Gemeinsamkeit aufzuweisen: Bei beiden Kriegen wird die Vorgeschichte ausgeblendet.
Oberbürgermeister Peter Boch (CDU), so berichtet die Pforzheimer Zeitung (PZ) am 24.2.2023, habe in der zentralen Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz in Erinnerung gerufen: „Vor einem Jahr gingen wir zu Bett in der Hoffnung, dass der Autokrat Wladimir Putin es nicht wagen würde, einen Krieg mitten in Europa zu entfesseln. Doch als wir erwachten, war genau dies geschehen.“
So seien es neben den fast 18.000 Opfern des Luftangriffs auf Pforzheim vor 78 Jahren auch sämtliche Tote, Verletzte, Verfolgte und Vertriebene von Kriegen und Konflikten früher und heute, derer die Teilnehmer gedenken. Man stehe hier auch zusammen in Solidarität mit den Menschen in der Ukraine, von denen mittlerweile mehr als 2.000 in Pforzheim Zuflucht gefunden hätten.
Selbstverständlich ist es berechtigt, bei der Gedenkfeier an die eigenen Opfer der Bombardierung auch der Opfer des gegenwärtigen Krieges in der Ukraine zu gedenken. Aber man darf sie nicht einfach gleichsetzen und den Unterschied unterschlagen. Die alliierten Bombenangriffe auf deutsche Städte kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges waren gezielt gegen die deutsche Zivilbevölkerung gerichtet, von der so viel Menschen wie möglich vernichtet werden sollten. Das waren barbarische Kriegsverbrechen. Die Russen dagegen haben in der Ukraine von Anfang an nur militärische Ziele angegriffen und bewusst vermieden, die Zivilbevölkerung zu treffen.
Vergleichbar wäre es, wenn man an den Beschuss der Zivilbevölkerung in der Ostukraine durch die ukrainische Armee erinnert hätte, der seit 2014 unaufhörlich auf Wohngebiete, Einkaufzentren, Schulen und Krankenhäuser stattfindet und bis heute über 14.000 Menschen, darunter Frauen und Kindern, das Leben gekostet hat.
Doch diese Tatsache wird wie die gesamte übrige Vorgeschichte des russischen Einmarsches – die Nato-Osterweiterung, der von USA, Nato und EU betriebene Maidan-Putsch, die Stationierung gegen Russland gerichteter Raketen- und Waffenbasen in der Ukraine1 - ebenso unterschlagen, wie in den Pforzheimer Gedenkfeiern seit Jahren das Kriegsverbrechen der Briten außen vor bleibt und nur die Schuld des nationalsozialistischen Deutschlands am Kriege in den Mittelpunkt gestellt wird, dessen Vorgeschichte, die Installierung Hitlers mit Hilfe angloamerikanischer Finanzen aber ebenfalls ausgeblendet bleibt. Doch nur das Ganze ist die Wahrheit.
Wenn man schon - zu Recht - das menschenverachtende System des Nationalsozialismus immer wieder warnend in den Blick nimmt, dann ist es im höchsten Maße verwunderlich, dass die neonazistische Durchseuchung des ukrainischen Regimes, einschließlich entsprechender Militäreinheiten, vollkommen unerwähnt bleibt und im Gegenteil als freiheitlich demokratisch gefeiert wird, das Freiheit und Demokratie des Westens gegen Russland verteidige. Verlogener geht´s nicht.
In einem früheren Artikel von 2017 ist die verschwiegene Vorgeschichte des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges grundsätzlich behandelt worden, auf den verwiesen sei. Diese historische Aufarbeitung wird von den derzeit regierenden deutschen US-Vasallen systematisch mit primitiven Argumenten verhindert, wie sie auch die SPD-Bundestags-Vizepräsidentin Aydan Özoguz als Gast in Pforzheim wieder vorgebracht hat. Sie hob zunächst lobend hervor, dass man sich in Pforzheim durchaus dagegen wehre, so zu tun, als wäre damals (am 23.2.1945) vorher nichts geschehen. Die deutsche Schuld würde hier „uneingeschränkt eingestanden“. Jeder Versuch, Tote gegeneinander aufzurechnen oder das deutsche Unrecht kleinzureden, müsse „auf entschiedenen Widerstand von uns allen“ treffen. (PZ)
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1 Siehe näher u.a.:
Dunkle Tage für Europa;
Die USA haben die russische Militäroperation bewusst provoziert
Siehe zum Thema auch:
https://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-2015/die-dresden-luege-225000-tote-kl...
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Quelle mit Artikel "Selbst schuld" vom 20.2.2017:
https://fassadenkratzer.wordpress.com/2023/02/27/was-haben-die-bombardierung-deutscher-...