Vielen Dank für dieses Interview! Bemerkenswert ist, dass bis jetzt noch keiner darauf geantwortet hat (offenbar ist DIESES Forum damit überfordert)! Es geht um den $, stupid!
Das Interview vom 10.2. 2023 mit dem Schweizer Militär, Geheimdienstler und nicht zuletzt Bücherautoren kann die Augen öffnen für den normalen MSM-Konsumenten, daher sehr lesenswert:
https://overton-magazin.de/top-story/deutschland-zahlt-den-preis-fuer-den-von-den-ameri...Jedoch erscheint es wegen einer Verengung der Sicht auf militärische Aspekte der Gefährlichkeit der heutigen Lage nicht angemessen, kann desorientieren.
Exakt! So ist es. und darauf möchte ich mit meiner Antwort hinaus.
Zunächst einige Zitate aus dem Interview:
Heute haben die Russen verstanden, dass die Westmächte, auch wenn es einen Verhandlungsprozess gäbe, diesen nutzen würden, um den Konflikt einzufrieren und ihn später wieder aufzunehmen, wie sie es mit dem Minsker Abkommen getan haben. Die Russen wissen, dass das Wort des Westens keinen Wert hat. 1990 hatte April Glaspie, die amerikanische Botschafterin im Irak, Saddam Hussein gesagt, dass die Amerikaner keine Einwände gegen eine Invasion in Kuwait erheben würden. Sie hatte gelogen. 2015 unterzeichneten die USA, Russland, China, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Deutschland, die Europäische Union (EU) und der Iran das Wiener Abkommen (besser bekannt unter seiner angelsächsischen Abkürzung: JCPOA). Der Iran, Russland und China hielten sich an das Abkommen, der Westen nicht. Im Jahr 2020 hatten sich die Amerikaner und die Taliban auf ein Datum für den Abzug der USA geeinigt. Die Amerikaner hielten sich nicht an ihr Wort und verschoben das Datum einseitig um mehr als vier Monate. Und im November 2022 bestätigten Angela Merkel und François Hollande gegenüber Russland, dass Deutschland und Frankreich Länder sind, deren Wort wertlos ist …
Bevor man an den Verhandlungstisch geht, muss also erst einmal wieder Vertrauen aufgebaut werden.
Aha. Und wenn wir mal annehmen, horribile diktu , dass diese ständigen falschen Versprechungen gar nicht einmal an der Boshaftigkeit oder Hinterfotzigkeit der westllichen politischen Klasse liegen (entgegen der Meinung der Mehrheit dieses Forums), sondern schlicht an ihrer Unfähigkeit, wie es bei allen niedergehenden Mächten der Fall ist, gegebene Zusagen auch einzuhalten? Das wäre dann ein Niedergangskriterium; wie immer. Verlust der Glaubwürdigkeit ist ein bezeichnendes und immer wieder auftretendes Niedergangssymptom.
Am Schluss trifft es (und wird auch uns treffen), auch die Währung, wenn niemand mehr daran glaubt, für die "grüne Krätze" irgend einen realen Gegenwert zu erhalten (so, wie es Deutschland vor genau 100 Jahren mit der Mark erlebte).
Ein weiteres Zitat, das auch in diese Richtung geht:
"Ich bin mir nicht sicher, ob man eine Atommacht nicht besiegen kann. Niemand ist unbesiegbar. Es stellen sich zwei Fragen: „Zu welchem Preis?“ und „Steht der zu zahlende Preis in einem angemessenen Verhältnis zu dem Nutzen, den man daraus zieht?“
Aha. Aber auf die Idee, dass niemand mehr diesen Preis zahlen kann, ist anscheinend noch niemand gekommen.
Genau das aber halte ich für den wahrscheinlichsten Ausgang dieses Krieges.
Dazu ein Beispiel, streng debitistisch:
Weder verfügten Napoleon noch Zar Alexander über Atomwaffen. Trotzdem floh Napoleon, obwohl er immer gesiegt hatte und selber unbesiegt war, Hals über Kopf aus dem brennenden Moskau.
Der Grund war ganz einfach: Weder konnte er einen weiteren Aufenthalt in Moskau finanzieren noch konnte er den Zaren Alexander, wie er es geplant hatte, dazu zwingen, die weiteren Kosten des Krieges zu finanzieren, wie es die Sieger gerne mit den Besiegten machen.
Genau vor diesem Dilemma stehen derzeit die USA: Entweder können sie Russland die Kosten ihrer jahrzehntelangen Expasion (auf Kredit) aufhalsen, oder der $ als Weltreservewährung wird verschwinden (sogar ohne exzessiven Atomkrieg).
Gruß Mephistopheles