Die meisten Hunde haben vor 40 Jahren nur Essenabfälle bekommen und haben nie einen Tierarzt gesehen
Die Hunde, die ich in meiner Kindheit auf einem DDR-Dorf kennengelernt habe, lagen zumeist auf dem Hof an der Kette.
Die Frau des Hauses hat dem Hund gewöhnlicherweise immer die Reste vom Mittagstisch gegeben, d.h. Kartoffeln, Soße und gekochtes Gemüse. Die gewürzte Soße war immer wichtig, denn die Hunde haben Kartoffeln und Gemüse nur gefressen, wenn es mit der braunen Soße versetzt war. Der Hunde hat praktisch des gleiche wie die Hühner vorgesetzt bekommen, die frei auf dem Hof und im Garten herumliefen. Natürlich hat er auch die Knochen und Reste vom Kotelett oder Eisbein bekommen, aber Hauptnahrung waren die von mir beschriebenen Essensreste.
Trotz dieser Mangelernährung sind die Hunde im Regelfall mindestens 13 Jahre alt geworden. Sie haben auch nie einen Tierarzt gesehen. Der Tierarzt, so wie ich ihn kennengelernt habe, hat sich eigentlich nur um die Kühe und Schweine in der LPG gekümmert. Eine richtige Praxis mit Wartezimmer, so wie wir es heute kennen, gab es praktisch nicht.
Hatte man einen größeren Hund, wie einen Schäferhund oder Berner Senn, dann hat der Tierarzt den Hund auch mal für ein Trinkgeld gegen Staupe geimpft. Da ist man abends nach Feierabend beim Tierazt zu Hause vorstellig geworden und hat vielleicht noch ein Bier mit ihm getrunken. Wenn man ihm gute Worte gegeben hat, dann hat er auch mal einen alten, kranken Hund eingeschläfert. Vielfach wurde das aber auch mit Stromstößen erledigt, indem man den Hund an eine 220V Steckdose angeschlossen hat.
Auch überzählige Katzenbabies oder Hundewelpen brachte man mit einem elektrischen Schlag um oder ertränkte sie in einer Wassertonne. Empfindliche Naturen konnten es sich nicht erlauben, eine Katzen- oder Hundedame zu halten. Wohin mit dem ganzen Nachwuchs, wenn nicht umbringen?
Ja, war schon eine grausame Zeit damals. Gar nicht so lange her.
Gruß Plancius
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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER