Mal eine kurze Lehrstunde (sehr kurze, 25min) in Debitismus.

Mephistopheles, Samstag, 05.11.2022, 17:29 vor 1205 Tagen 3631 Views

bearbeitet von Mephistopheles, Samstag, 05.11.2022, 18:13

mal ein guter Vortrag von Prof. Rieck:

Levarage buy out : Keine Kohle? Kein Problem.
Einfach ein Unternehmen kaufen. Den Kaufpreis leiht man sich. Sicherheit ist das Unternehmen, das man soeben gekauft hat.

Financial slack: ist die Kreditwürdigkeit des Unternehmens. Das Unternehmen muss natürlich kreditwürdig sein.
Natürlich hätten die Alteigentümer den Kredit auch aufnehmen können, haben es aber nicht getan. Selber schuld.

Agency Problem: Natürlich ziehen da nicht alle mit in dem übernommenen Unternehmen, deswegen muss man die Unwiligen und die Unfähigen feuern.

Kapitalkosten: Die Kapitalkosten müssen sichtbar werden. Ein Problem vieler Eigentümer, auch Kleingewerbetreibenden: Sie vergessen die Kapitalkosten, weil sie ja Eigentümer sind und meinen Kapital kost`nix und übersehen dabei, dass ihr Unternehmen sich längst bereits in den Miesen befindet.

Peterprinzip: Wenn das Unternehmen von Managern geführt wird und nicht von Eigentümern, dann stellen die immer Leute ein, die man nicht braucht; einfach aus dem Grund, weil die eigene Bedeutung mit der Anzahl der Mitarbeiter steigt.

Macchiavelli: Der Eroberer muss die größten Grausamkeiten am Anfang begehen!

Bohei: Je mehr Bohei, um so weiter steigt der Wert des Unternehmens

Echoblase vs. Meinungsfreiheit

Fehlt mir der geeignete Fachausdruck; gibt es aber:
Wenn man ein Unternehmen zerstören möchte, selbst aber nicht die Macht dazu hat, dann macht man es angreifbar für Stärkere. Die Stärkeren kommen dann mit dem dicken Knüppel. (Der Ruf nach dem großen Bruder: Wenn du so weiter machst, dann hole ich meinen großen Bruder, der wird es dir dann schon zeigen...!)

Verifizierung gegen Gebühr statt nach Gutsherrenart.

Er redet über das Doppelblindverfahren – hat aber dabei die Coronaimpfung vergessen

Die Unattraktivität der Echoblasen

https://www.youtube.com/watch?v=8Vo9qqwWHKk

Das ist Basiswissen für Debitisten. Kann man dabei gut etwas auffrischen.
Der Vortrag ist, besonders im Anfang, wirklich gut und zu einem aktuelölen Thema. Sehr empfehlenswert.
(etwas zu mäkeln habe ich natürlich trotzdem: Bezeichnenderweise hat er bei seinen Doppelblindstudien, die er , "ausgerechnet" für Moderation von Meinungsplattformen vorschlägt, wo man locker darauf verzichten kann, ausgerechnet die Coronaimpfung vergessen, wobei man auf keinen Fall darauf verzichten kann, wenn man ein seriöses Produkt anbieten will.

Gruß Mephistopheles

Die Wechsel- und Scheck-Reiterei der alten Römer

Ostfriese @, Sonntag, 06.11.2022, 09:07 vor 1205 Tagen @ Mephistopheles 2565 Views

Hallo Mephistopheles

Prof. Rieck bespricht in seinem Vortrag die selbstzerstörerischen Gegebenheiten des debitistischen Systems im Zyklus seiner Entwicklung: Wie im römischen Reich ist das bestehende auf Macht gegründete zivilisatorische Finanzsystem gegen Ende ein permanenter Schieberamsch und eine Wechsel- und Scheckreiterei. Er sieht das 'Vorher-Nachher-Problem' nicht, das von Paul C. Martin und seinen Mitstreitern erkannte zur Zusatzverschuldung zwingende – also über die Zeit betrachtet – nicht schließbare 'Loch in der Mitte', mit dem Zwang zur Aufschuldung insgesamt nicht.

Dazu Paul C. Martin in Aufwärts ohne Ende (1988) Seite 148 – 149 mit Copyright des Verlages vom 22.11.2021 um 14:56 Uhr:

"Das gesamte Römische Reich war im ersten vorchristlichen Jahrhundert, kurz bevor sich das Schicksal der Republik in einem gigantischen Gläubiger-Massaker vollendete, nichts als eine unerhörte Wechsel- und Scheck-Reiterei. Als Zahlung wurden immer wieder neue Versprechungen gemacht. …

1. Die Ausplünderung der bereits eroberten Provinzen, die den großen Cracks nach ihren jeweiligen Amtsjahren als Konsul usw. zugewiesen wurden, sozusagen eine Bezahlung ex post. Cäsar war so hoch verschuldet, dass ihm seine Gläubiger vom Pferd baten und sein Gepäck beschlagnahmten, als er gerade in seine Provinz Gallien aufbrach, um dort das übliche Inkasso vorzunehmen. …

2. Die Ausplünderung von nicht eroberten Provinzen. Diese Form der Entschuldung … bestand in der 'Hebung' der in den zu erobernden Gebieten vorhandenen königlichen (im Palast verwahrten) bzw. priesterlichen (in den Tempeln verwahrten) Edelmetall-Vorräte, der sogenannten 'Thesauri' (Thesauros = griechisch Schatz)."

Prof. Rieck erkennt die zerstörerische Besonderheit des gegenwärtigen Systems nicht:

Die Kredittitel sind zu Beginn die notenbankfähigen Sicherheiten für die Entstehung des Geldes und gleichzeitig die systematische Basis aller zeitlich nachfolgenden notenbankfähigen Sicherheiten zwecks Schaffung von Kreditpyramiden.

Eine das Bruttosozialprodukt schaffende Finanzierung wird von der Zentralbank mit einer fest vereinbarten Laufzeit refinanziert. Dabei wird eine entsprechende Geldsumme geschaffen, die nur über die Dauer des geldpolitischen Geschäfts existiert. Der Kreditnehmer, dessen Kredittitel zur ZB geht, bekommt sein Guthaben auf Geld eingeräumt. Damit bezahlt er eine Staatsanleihe zwecks Finanzierung des Staates. Es entsteht neben dem Kredittitel ein weiterer Schuldtitel – nämlich der Staatstitel. Dieser zentralbankfähige Staatstitel kann zwecks Entstehung weiterer Geldsummen für ein geldpolitisches Refinanzierungsgeschäft eingesetzt werden usw. Da kein Weg an der Verschuldung der Nichtbanken vorbeiführt, entstehen neben den Kredittiteln an der Basis des Schuldgeldsystems auch Geldsummen aus allen darauf begründeten Schuldtiteln. Diese können also inflationieren, ohne dass sich die Finanzierungen an der Basis zwecks Erhöhung des Bruttosozialproduktes ausweiten.

Die zerstörerische Besonderheit dieser Wiederbeleihungsrunden ergibt sich jetzt daraus, dass die Laufzeit des ersten geldpolitischen Refinanzierungsgeschäftes systematisch die sich verkürzenden Laufzeiten aller später darauf gegründeten Schuldtitel bestimmt - das System dreht sich spiralförmig in Form eines alles aufsaugenden Trichters immer schneller um seine eigene Achse.

Gruß - Ostfriese

Unterscheide zwischen einem gesunden VERSUS kranken (korrumpierten) Finanzsystem .. [edit]

Beo2 @, NRW Witten, Sonntag, 06.11.2022, 12:31 vor 1205 Tagen @ Ostfriese 2438 Views

bearbeitet von Beo2, Sonntag, 06.11.2022, 13:31

Die Kredittitel sind zu Beginn die notenbankfähigen Sicherheiten für die Entstehung des Geldes und gleichzeitig die systematische Basis aller zeitlich nachfolgenden notenbankfähigen Sicherheiten zwecks Schaffung von Kreditpyramiden.

Und dies geschah beim letzten kompletten Reset der deutschen Volkswirtschaft (VW) im Zuge der Währungsreform in 1948ff. Die allerersten eigenen Schuldscheine übergab die Regierung (Staat) direkt und höchstpersönlich der Zentralbank, damals noch der "Bank deutscher Länder" (BdL), und bekam dafür frisch gedrucktes Geld, die Deutsche Mark, welche sie anschließend in das System der Volkswirtschaft kippte : nämlich via sog. Kopfgeld an Unternehmen (je nach Mitarbeiterzahl) sowie die Endverbraucher, und via die eigenen Beschaffungsausgaben sowie Lohnzahlungen an die Staatsbediensteten. Nun konnte das beginnen, was man heute als das Deutsche Wirtschaftswunder (in 1950-1975) bezeichnet.

Diese Direktfinanzierung des Staates durch die ZB dauerte noch ein paar Jahre lang und war dem privaten Bankensektor ein "schmerzlicher Dorn im Auge". Diese setzte all ihre politischen Hebeln (bei korrupten Parteien/Politikern) in Bewegung, um dem ein baldiges Ende zu bereiten .. mittels einem neuen BuBa-Gesetz. Schließlich ging es hier um ein höchst lukratives Geschäftsmodell, nämlich den bis heute praktizierten "Hütchenspieler-Trick mit den Staatsanteilen": Das ursprünglich und sachlogisch völlig saubere Verfahren der Staatsfinanzierung wurde korrumpiert .. auf Kosten aller steuerzahlenden Bürger.

+ https://de.wikipedia.org/wiki/Bank_deutscher_L%C3%A4nder
+ https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%A4hrungsreform_1948_(Westdeutschland)#Vorbereitung_d...

Eine das Bruttosozialprodukt schaffende Finanzierung wird von der Zentralbank mit einer fest vereinbarten Laufzeit refinanziert.

.. nicht "RE'finanziert" (= ex post Finanzierung!), sondern VOR'finanziert (= ex ante Finanzierung). Das ist ein großer Unterschied! RE'finanziert wird das BIP durch die Einnahmen des Staates und ebenso der kreditnehmenden Unternehmen, INKLUSIVE der Kredittilgung. Nun verschwindet das GELD wieder aus dem System und eine neue VOR'finanzierungsrunde kann und muss beginnen ... usw.
Dabei ist es nicht zwingend erforderlich, dass das Kreditvolumen wachsen MUSS : Es kommt darauf an, ob das BIP wächst bzw. wachsen kann oder nicht.

Dabei wird eine entsprechende Geldsumme geschaffen, die nur über die Dauer des geldpolitischen Geschäfts existiert. Der Kreditnehmer, dessen Kredittitel zur ZB geht, bekommt sein Guthaben auf Geld eingeräumt.

Entschuldigung, aber was hat denn dieser (allererste) Kreditnehmer der ZB als Sicherheit geboten ?, und Wer ist es?

Damit bezahlt er eine Staatsanleihe zwecks Finanzierung des Staates. Es entsteht neben dem Kredittitel ein weiterer Schuldtitel – nämlich der Staatstitel ...

Damit aber erhöht sich die vorhandene Geldmenge um keinen Cent.

Dieser zentralbankfähige Staatstitel kann zwecks Entstehung weiterer Geldsummen für ein geldpolitisches Refinanzierungsgeschäft eingesetzt werden usw. Da kein Weg an der Verschuldung der Nichtbanken vorbeiführt, ...

.. insbesondere " an der Verschuldung der meisten Unternehmen", was ja grundsätzlich zu deren Geschäftsmodell dazugehört : nämlich die Vorfinanzierung der Produktion. Auch der Staat ist im wesentlichen ein Wirtschaftsunternehmen (wennauch mit einigen zusätzlichen Sonderrechten) und funktioniert ganz ähnlich.
Auch die privaten Unternehmen werden ja von den Banken DIREKT vorfinanziert, und nicht über den Umweg einer "Treuhand". Die ZB ist sowieso die kreditgebende Hausbank des Staates .. und genauso muss es auch sein, ohne eine parasitäre "Mautstelle" dazwischen.

entstehen neben den Kredittiteln an der Basis des Schuldgeldsystems auch Geldsummen aus allen darauf begründeten Schuldtiteln. Diese können also inflationieren, ohne dass sich die Finanzierungen an der Basis zwecks Erhöhung des Bruttosozialproduktes ausweiten.

So weit, so gut : Der Verschuldungberg kann also stets in den Himmel wachsen - MUSS es aber nicht - ohne dass die vorhandene liquide Geldmenge dabei ausgeweitet wird.

Die zerstörerische Besonderheit dieser Wiederbeleihungsrunden ergibt sich jetzt daraus, dass die Laufzeit des ersten geldpolitischen Refinanzierungsgeschäftes systematisch die sich verkürzenden Laufzeiten aller später darauf gegründeten Schuldtitel bestimmt - das System dreht sich spiralförmig in Form eines alles aufsaugenden Trichters immer schneller um seine eigene Achse.

Jein. Du musst noch zu unterscheiden lernen zwischen der Gesundheit und einer (parasitären) Krankheit : zwischen natürlicher, gesunder Sexualität und der Pädophilie, Sodomie, Nekrophilie u.ä., zwischen gesunder Marktwirtschaft und dem Kapital'Ismus**, und auch zwischen einem ganz "natürlichen, normalen Debitismus" (Verschuldung in der VW) - was zugleich Ausdruck eines universellen, kreativen Prinzips in der gesamten Schöpfung ist - und einem Casinounternehmen bzw. einer Spielhalle - d.h. zwischen vernünftiger Normalität und einer Perversion (Fehlentwicklung).

Der KAPITAL'Ismus** funktioniert nach dem Prinzip: "Ich will Profite (Rendite), und zwar möglichst viel und sofort! Nach mir als investierter Rentner darf ruhig die Sintflut kommen. Was interessiert mich die Nachhaltigkeit des Systems und die Zukunft der nachfolgenden Generationen!?" Und genauso wird es auch kommen.

Amsonsten hast Du Nichts unverzerrt, oder wenigstens halbwegs unvollständig, erklärt oder beschrieben.
Mit Gruß, Beo2 .
_______________________

*) KAPITAL'Ismus = Kapitalrendite'Ismus = "Kapitalrendite_ist_der_oberste Sinn_&_Zweck_ _von_Wirtschaft_&_Arbeit"-Ideologie & Praxis = Ausdruck einer kollektiven Geisteskrankheit (Soziopathie); parasitäre Verzerrung/Fehlentwicklung des Prinzips 'Marktwirtschaft';

Die Finanzierung durch den Staat ist begrenzt, die durch dezentrale Kreditschuldner viel, viel weniger. Gold oder Bitcoin sind völlig ungeeignet.

Morpheus @, Sonntag, 06.11.2022, 20:12 vor 1204 Tagen @ Beo2 2215 Views

Hallo Beo2,

ich halte das Kreditgeldsystem, was de-facto existiert seitdem es Banknoten gibt, für ein sehr gutes System, seitdem man die Banken nach der Defla-Krise der 1930er zu überwachen begann.

Es hat uns seit Mitte der 1930er erlaubt einen Ausbau der Infrastruktur vorzufinanzieren, der ohne das eben unbegrenzte Kreditgeld niemals möglich gewesen wäre. Auch die dezentrale Geldverteilung hätte ohne die dezentrale Geldschöpfung durch die Banken niemals nie so gut funktioniert.

Das Kreditgeld scheitert NUR an zu großen Währungsgebieten. Wären die Währungsgebiete klein, könnten jede fehlerhafte Überdehnung der Kreditvergabe auf Kosten der Betriebe und der lokal betroffenen Gesellschaft wieder korrigiert werden. Was sich gut damit rechtfertigen ließe, dass die Bevölkerung eben nicht für eine ausreichende Kontrolle der Kreditvergabe durch ihre Banken gesorgt hatte, deren Pleite dann für eine Kompensation der Verluste durch die Bevölkerung sorgen würde. Gemeint ist hier die Ausbuchung von Guthaben der Sparer gegen die Ausbuchung der Restschulden einer Pleitebank, nachdem zuvor alle Aktiva der Bank verwertet wurden. Was heute aber nicht geht, weil man deutsche Sparer eben nicht für die fehlerhafte Kreditvergabe griechischer Banker verantwortlich machen kann (bzw. 2009ff konnte) oder wollte/will. Die griechischen Guthaben reichen aber natürlich nicht im Ansatz mehr aus, um die Schulden ihrer Banken zu decken, wie die Target2-Salden dokumentieren.

Eine direkte Finanzierung des Staates, die genauso läuft wie heute die Finanzierung über QE der EZB ist denkbar ungeeignet, denn sie führt, wie seit Jahren erlebt werden kann, zu Inflation, wenn einmal der Rahmen der jährlichen Steuer-Einnahmen sowie des Geld-Abflusses ins Ausland deutlich überschritten wurde.

Imperien (ob römisch, britisch, französisch oder US-amerikanisch) scheitern immer, weil Geld eben in großen Währungsräumen nicht funktionieren kann. Denn es wird sich stets in den wirtschaftlich erfolgreichen Gebieten konzentrieren und aus allen weniger erfolgreichen Gebieten verschwinden. Deshalb sind globale Währungen, wie Gold oder Bitcoin ein völlig falscher Ansatz. Wer hier andere Meinung ist, soll mir mal bitte erklären, wie arme Regionen jemals mit Bitcoin oder Gold ausgestattet werden sollten. Kreditgeld kann von einer neuen lokalen Bank stets geschaffen werden. Für Gold oder Bitcoin müsste es Sponsoren geben. Aber woher sollten selbige denn kommen und warum sollten die "ihr Gold" einfach so hingeben. Es sei denn, man würde es den Regionen wieder nur als Kredit geben. Nur dann wäre das eben wieder ein Kredit-Geldsystem und kein Gold-Geldsystem.
Lokales Gold-Geld hat im Mittelalter recht gut funktioniert, weil frisches Gold geschürft wurde und es sehr wenig Mobilität gab und das "Umschmelzen" von Münzen teuer war. Der Goldabfluss aus den USA, den Nixon 1971 beenden musste, ist mMn der Beweis für meine Abfluss-Theorie. Der Sinn den Gold mMn früher erfüllte, ist ausschließlich die Herstellung einer naturbasierten Fälschungssicherheit des Geldes, welche man heute mittels Zentralbanknoten viel billiger bei gleichzeitig viel besserer Transportierbarkeit ebenfalls erreichen kann. Und unser Kreditgeld war von 1935 bis 2008 sehr werthaltig. Erst dann war das Konzentrationsgefälle, verbunden mit völlig geldfreien Regionen, völlig aus dem Ruder gelaufen, dass es die Finanzkrisen gab. Und diese Deflationskrisen waren mittels Staatsgeldschöpfung und Asset-Inflation heilbar, bis 2021 die Realwirtschafts-Inflation zu laufen begann.

Grüße
Morpheus

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Eine andere "Geldabfluss-Theorie", nämlich die meine .. [edit]

Beo2 @, NRW Witten, Montag, 07.11.2022, 17:40 vor 1203 Tagen @ Morpheus 1962 Views

bearbeitet von Beo2, Montag, 07.11.2022, 18:28

Tagchen @Morpheus !

ich halte das Kreditgeldsystem, was de-facto existiert seitdem es Banknoten gibt, für ein sehr gutes System, seitdem man die Banken nach der Defla-Krise der 1930er zu überwachen begann.
Es hat uns seit Mitte der 1930er erlaubt einen Ausbau der Infrastruktur vorzufinanzieren, der ohne das eben unbegrenzte Kreditgeld niemals möglich gewesen wäre.

Dem kann ich zustimmen. Das heutige Kreditgeld (Fiat Money), welches ein fälschungssicherer und umstandslos "umlauffähiger" Schuldschein (Urkunde) eines Emittenten ist, halte ich für eine der nützlichsten und zugleich gefährlichsten Erfindungen und Werkzeuge der Menschheit .. vergleichbar z.B. mit dem Rad und Zahnrad, mit der Dampfmaschine oder mit der Elekrizität u.a..

Damit will ich aber nicht gesagt haben, dass die Menschheit ohne diese sozialen und materiellen Technologien nicht existieren könnte .. in viel kleinerer Anzahl natürlich. Wir werden sie zumal sehr wahrscheinlich vorübergehend wieder verlieren und vergessen.

Auch die dezentrale Geldverteilung hätte ohne die dezentrale Geldschöpfung durch die Banken niemals nie so gut funktioniert.

Ich verstehe leider immer noch nicht, was Du mit "die dezentrale Geldschöpfung" ganz genau meinst.

Das Kreditgeld scheitert NUR an zu großen Währungsgebieten.

Wenn ich dich richtig verstehe, stand bei der Entstehung deiner "Geldabfluss-Theorie" die Eurozone als Währungsraum und das Target2-Zahlungssystem Pate .. und hier insbesondere die sehr hohen Zahlungsbilanzsalden (= Ungleichgeichte). Das meinst Du offensichtlich mit deinem "stets einseitigen Geldabfluss aus einer Region in eine andere", wenn ein Währungsraum "zu groß" sei. Dies ist m.M.n. in Maßen duraus natürlicher Vorgang, der jedoch kompensiert werden kann, nämlich:

Das gibt es auch innerhalb der BRD, zwischen den Bundesländern. Auch hier gibt es Zahlungsbilanz-Ungleichgewichte, welche kompensiert werden müssen und tatsächlich auch werden, nämlich mittels dem sog. Länder-Finanzausgleich: Länder mitz niedrigem Steueraufkommen - was ein Indikator für schwächere wirtschaftliche Aktivität ist - bekommen aus dem Steuersäckel des Bundes überproportional/relativ mehr Zuwendungen überwiesen als reiche Bundesländer. Letztere sind die Subventionierer.

Und genau dies, nämlich ein ähnlicher Länderfinanzausgleich, gibt es auch innerhalb der EU: in Form der diversen EU-Ausgleichfonds. Wirtschaftliche schwächere Länder sind hier die Netto-Subventionsempfänger; die reichere sind die Netto-Zahlmeister.

Und schließlich, auch globalwirtschaftlich wurde ein solches "Länder-Finanzausgleich" zumindest angedacht: nämlich in Form der Entwicklungshilfe .. was jedoch mehr schlecht als recht funktioniert. Nicht zuletzt wegen der (sogar durch die Geberländer geförderten!) Korruption in den Empfängerländern.

Was das Target2-System in der Eurozone angeht, meine Empfehlung lautet: Die Salden sollten gedeckelt werden .. "Bis hierher, und keinen Cent höher!". Die jeweilige Deckelhöhe sollte sich am Pro-Kopf-BIP in den Ländern orientieren.

Wären die Währungsgebiete klein, könnten jede fehlerhafte Überdehnung der Kreditvergabe auf Kosten der Betriebe und der lokal betroffenen Gesellschaft wieder korrigiert werden.

Den Sinn dieser Aussage ist mir leider verschlossen.

Imperien (ob römisch, britisch, französisch oder US-amerikanisch) scheitern immer, weil Geld eben in großen Währungsräumen nicht funktionieren kann. Denn es wird sich stets in den wirtschaftlich erfolgreichen Gebieten konzentrieren und aus allen weniger erfolgreichen Gebieten verschwinden. Deshalb sind globale Währungen, wie Gold oder Bitcoin ein völlig falscher Ansatz.

Ja, dies geschieht, wenn dem politisch und gesetzlich nicht entgegen gesteuert wird. Wenn aber die bilateralen Zahlungs- und Handelsbilanzen der Länder und Regionen bekannt sind, kann dieses natürlich entstehende Problem mittels einem "Länderfinanzausgleich" weitgehend behoben werden.
Zudem könnten solche Überschüsse und Defizite konsequent mit einem formalen Deckel, vertraglich fixiert, versehen werden. Die Politik wäre dann gezwungen, geeignete Maßnahmen und Problemlösungen zu suchen und zu ergreifen.

Und noch etwas: Zum einen, in einer gut ausbalancierten, optimal regulierten VW fließt das Kreditgeld allerdings in den weitaus meisten Fällen zurück zum ursprünglichen Kreditnehmer als dessen Einnahmen, der die Geldsumme zusammen mit seiner kreditgebenden Bank erzeugt hatte. Er kann nun tilgen und die Kreditsumme wird genau an derer Quelle wieder aus dem System ausgebucht. Geschieht dies nicht, so wird dieser Kreditnehmer gepfändet, es bilden sich nutzlose oder gefährliche Geldblasen, und es hagelt in der betroffenen Region natürlich Insolvenzen. Aber wie gesagt, dem KANN wirksam entgegen gesteuert werden.
Zum anderen, der sog. Länderfinanzausgleich kann dazu benutzt werden, die materielle und administrative Infrastruktur in wirtschaftlich schwächeren Region forciert zu verbessern, so dass hier ein attraktiverer Standort für private Unternehmen entsteht. Das gleiche gilt für die bessere berufliche Ausbildung der dortigen Arbeitskräfte. Nun würde in solcher Region sowohl staatlich als auch privat mehr investiert werden, was mehr Arbeitsplätze, mehr Kaufkraft usw. generieren würde. Dies geschah seinerzeit z.B. in Ost-Deutschland oder auch in den mittel-/osteropäischen Ländern innerhalb der erweiterten EU.

Der Goldabfluss aus den USA, den Nixon 1971 beenden musste, ist mMn der Beweis für meine Abfluss-Theorie. Der Sinn den Gold mMn früher erfüllte, ist ausschließlich die Herstellung einer naturbasierten Fälschungssicherheit des Geldes, welche man heute mittels Zentralbanknoten viel billiger bei gleichzeitig viel besserer Transportierbarkeit ebenfalls erreichen kann.

Ich stelle deiner (schwächelnden) "Geldabfluss-Theorie" MEINE "Geldabfluss-Theorie" entgegen: In jeder "freien" (unregulierten) Marktwirtschaft fließt das Geld immer von dem ärmeren Großteil der Bevölkerung zu den relativ wenigen Reichen (die bereits Geld und Einkommen im Überfluss haben), wo es sich als wachsendes Privatvermögen sammelt .. warum auch immer, steht jetzt nicht zur Debatte. Und dies ist tödlich für jede Volkswirtschaft jeder beliebigen! Größe wenn dem nicht durch Steuer-, Wirtschafts- und Sozialpolitik entgegen gesteuert wird. Letzteres nennt man dann vernünftigerweise: Soziale (gemeinnützig regulierte) Marktwirtschaft.

Mit anderen Worten : Jede VW steht und fällt mit der Einkommensverteilung! in der Bevölkerung, ganz egal, wie groß oder klein sie ist. Ist die Einkommensverteilung symetrisch ausgewogen - im Sinne der Gauss'schen Normalverteilung - so ist ziemlich alles in Butter. Ist dies aber nicht der Fall, so geht die VW den Bach hinunter. Und beides! gilt auch für sehr große Volkswirtschaften wie z.B. die USA, China, oder die EU, und galt auch schon in der Antike. Und eine ausgewogene Einkommensverteilung kann wirtschafts- und sozialpolitisch bzw. mit gesetzlichen Regulationen einwandfrei gesorgt werden .. wenn "man" es nur will.

Es gibt ein paar recht gute mathematisch-statistische Indikatoren in der offiziellen VWL, die die "Schiefe der Einkommensverteilung" messen können, wenn valide und vollständige! Daten über alle monetären Einkommen vorliegen (was gewiss nicht der Fall ist) .. jedoch es interessiert Niemanden und korrigierende politische und gesetzliche Konsequenzen bleiben somit aus (aus bekannten Gründen). "Signifikant schiefe Einkommensverteilung" bezeichne ich als das Ergebnis eines "faulen, korrupten Wirtschaftssystems" .. wo "mit gezinkten Karten" und verdeckten Hebeln gespielt wird. Am Ende eines solchen, nämlich falschen Gesellschaftsspiels gibt es immer ein tödliches Hauen und Stechen. So wird es auch diesmal kommen. Denk darüber nach.

Mein vorläufiges FAZIT (denn das Thema ist komplexer): Wann ist ein Währungsraum "zu groß"? Meine Antwort: Hierfür gibt es kein objektives Maß. Es liegt "im Auge des Betrachters", d.h. im Auge seines Verständnisses erstens der fundamentalen wirtschaftlichen Zusammenhänge und zweitens der willkürlich menschengemachten Konstruktionsmerkmale des betrachteten Wirtschaftssystems .. siehe z.B. die Einführung der Sklavenarbeit, welche in modernisierter Form bis heute fortbesteht, oder die (ursprünglich gewaltsame) Privatisierung des Grund & Bodens, Primat der Kapitalrendite vor allem anderen u.a.m..

Mit Gruß, Beo2

News: "Epochales Beben im Bankensystem" im Anmarsch ..?

Beo2 @, NRW Witten, Dienstag, 08.11.2022, 10:49 vor 1203 Tagen @ Beo2 2193 Views

bearbeitet von Beo2, Dienstag, 08.11.2022, 10:54

+ https://www.epochtimes.de/wirtschaft/analyse-wirtschaft/maximaler-machtgewinn-fuer-die-...

ZITAT: "Die katholische Kirche möchte diese Risiken nicht mehr tragen und hat Ende August 2022 verfügt, dass sämtliche Einlagen zur eigenen Vatikanbank zu übertragen sind. Am 2. November 2022 gab die US-Rating Agentur Standard & Poors zudem bekannt, dass die schweizer Credit Suisse in Bezug auf ihre Finanzstärke knapp dem „Ramsch-Niveau“ entgangen ist [...]

Der bilanzielle Wert (Buchwert) eines Unternehmens wird ermittelt, indem man die Verbindlichkeiten (Schulden) vom Vermögen in Abzug bringt. Kalkuliert man auf Basis der Zahlen der Bilanz aus dem Jahr 2020, erhält man für die Deutsche Bank einen Buchwert in Höhe von 26,53 Euro je Aktie. Das Unternehmen notiert an der Börse derzeit jedoch nur bei knapp 10 Euro je Aktie.
Es ist also möglich, die Deutsche Bank am Markt mit einem Abschlag von mehr als 65 Prozent zu kaufen. Das klingt für den Laien zunächst nach einem guten Deal. Für gut informierte Marktbeobachter gibt es nur einen Grund für diesen Abschlag: die Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Vermögenswerte der Deutschen Bank weniger wert sind, als in der Bilanz errechnet wurde.
Für die Commerzbank ergibt sich auf Basis der Bilanz des Jahres 2020 gar ein Abschlag von über 75 Prozent. Andere europäische Finanzinstitute weisen, ebenso wie auch beispielsweise die Bank of China, ähnliche Relationen auf [...]

Durch die in den letzten Jahrzehnten rückläufigen Zinsen gingen die Erträge aus dem Kreditgeschäft immer weiter zurück. Während der vergangenen Monate erhöhten sich zudem die Kosten für die sogenannten Kreditausfallversicherungen (CDS = Credit Default Swaps).
Diese Versicherung gleicht im Falle einer Bankenpleite den finanziellen Schaden aus. Je höher die Wahrscheinlichkeit eines Bankrotts der jeweiligen Bank ist, desto höher sind die Kosten für diese Art Rückversicherung. Die Preise sind folglich ein Indikator für den finanziellen Gesundheitszustand einer Bank.
Bezogen auf die Credit Suisse und die Deutsche Bank haben die CDS wieder das Niveau der Finanzkrise 2007/08 erreicht. Das spricht für erhebliche Pleiterisiken!" ........ usw.

Beo2

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