Tagchen @Morpheus !
ich halte das Kreditgeldsystem, was de-facto existiert seitdem es Banknoten gibt, für ein sehr gutes System, seitdem man die Banken nach der Defla-Krise der 1930er zu überwachen begann.
Es hat uns seit Mitte der 1930er erlaubt einen Ausbau der Infrastruktur vorzufinanzieren, der ohne das eben unbegrenzte Kreditgeld niemals möglich gewesen wäre.
Dem kann ich zustimmen. Das heutige Kreditgeld (Fiat Money), welches ein fälschungssicherer und umstandslos "umlauffähiger" Schuldschein (Urkunde) eines Emittenten ist, halte ich für eine der nützlichsten und zugleich gefährlichsten Erfindungen und Werkzeuge der Menschheit .. vergleichbar z.B. mit dem Rad und Zahnrad, mit der Dampfmaschine oder mit der Elekrizität u.a..
Damit will ich aber nicht gesagt haben, dass die Menschheit ohne diese sozialen und materiellen Technologien nicht existieren könnte .. in viel kleinerer Anzahl natürlich. Wir werden sie zumal sehr wahrscheinlich vorübergehend wieder verlieren und vergessen.
Auch die dezentrale Geldverteilung hätte ohne die dezentrale Geldschöpfung durch die Banken niemals nie so gut funktioniert.
Ich verstehe leider immer noch nicht, was Du mit "die dezentrale Geldschöpfung" ganz genau meinst.
Das Kreditgeld scheitert NUR an zu großen Währungsgebieten.
Wenn ich dich richtig verstehe, stand bei der Entstehung deiner "Geldabfluss-Theorie" die Eurozone als Währungsraum und das Target2-Zahlungssystem Pate .. und hier insbesondere die sehr hohen Zahlungsbilanzsalden (= Ungleichgeichte). Das meinst Du offensichtlich mit deinem "stets einseitigen Geldabfluss aus einer Region in eine andere", wenn ein Währungsraum "zu groß" sei. Dies ist m.M.n. in Maßen duraus natürlicher Vorgang, der jedoch kompensiert werden kann, nämlich:
Das gibt es auch innerhalb der BRD, zwischen den Bundesländern. Auch hier gibt es Zahlungsbilanz-Ungleichgewichte, welche kompensiert werden müssen und tatsächlich auch werden, nämlich mittels dem sog. Länder-Finanzausgleich: Länder mitz niedrigem Steueraufkommen - was ein Indikator für schwächere wirtschaftliche Aktivität ist - bekommen aus dem Steuersäckel des Bundes überproportional/relativ mehr Zuwendungen überwiesen als reiche Bundesländer. Letztere sind die Subventionierer.
Und genau dies, nämlich ein ähnlicher Länderfinanzausgleich, gibt es auch innerhalb der EU: in Form der diversen EU-Ausgleichfonds. Wirtschaftliche schwächere Länder sind hier die Netto-Subventionsempfänger; die reichere sind die Netto-Zahlmeister.
Und schließlich, auch globalwirtschaftlich wurde ein solches "Länder-Finanzausgleich" zumindest angedacht: nämlich in Form der Entwicklungshilfe .. was jedoch mehr schlecht als recht funktioniert. Nicht zuletzt wegen der (sogar durch die Geberländer geförderten!) Korruption in den Empfängerländern.
Was das Target2-System in der Eurozone angeht, meine Empfehlung lautet: Die Salden sollten gedeckelt werden .. "Bis hierher, und keinen Cent höher!". Die jeweilige Deckelhöhe sollte sich am Pro-Kopf-BIP in den Ländern orientieren.
Wären die Währungsgebiete klein, könnten jede fehlerhafte Überdehnung der Kreditvergabe auf Kosten der Betriebe und der lokal betroffenen Gesellschaft wieder korrigiert werden.
Den Sinn dieser Aussage ist mir leider verschlossen.
Imperien (ob römisch, britisch, französisch oder US-amerikanisch) scheitern immer, weil Geld eben in großen Währungsräumen nicht funktionieren kann. Denn es wird sich stets in den wirtschaftlich erfolgreichen Gebieten konzentrieren und aus allen weniger erfolgreichen Gebieten verschwinden. Deshalb sind globale Währungen, wie Gold oder Bitcoin ein völlig falscher Ansatz.
Ja, dies geschieht, wenn dem politisch und gesetzlich nicht entgegen gesteuert wird. Wenn aber die bilateralen Zahlungs- und Handelsbilanzen der Länder und Regionen bekannt sind, kann dieses natürlich entstehende Problem mittels einem "Länderfinanzausgleich" weitgehend behoben werden.
Zudem könnten solche Überschüsse und Defizite konsequent mit einem formalen Deckel, vertraglich fixiert, versehen werden. Die Politik wäre dann gezwungen, geeignete Maßnahmen und Problemlösungen zu suchen und zu ergreifen.
Und noch etwas: Zum einen, in einer gut ausbalancierten, optimal regulierten VW fließt das Kreditgeld allerdings in den weitaus meisten Fällen zurück zum ursprünglichen Kreditnehmer als dessen Einnahmen, der die Geldsumme zusammen mit seiner kreditgebenden Bank erzeugt hatte. Er kann nun tilgen und die Kreditsumme wird genau an derer Quelle wieder aus dem System ausgebucht. Geschieht dies nicht, so wird dieser Kreditnehmer gepfändet, es bilden sich nutzlose oder gefährliche Geldblasen, und es hagelt in der betroffenen Region natürlich Insolvenzen. Aber wie gesagt, dem KANN wirksam entgegen gesteuert werden.
Zum anderen, der sog. Länderfinanzausgleich kann dazu benutzt werden, die materielle und administrative Infrastruktur in wirtschaftlich schwächeren Region forciert zu verbessern, so dass hier ein attraktiverer Standort für private Unternehmen entsteht. Das gleiche gilt für die bessere berufliche Ausbildung der dortigen Arbeitskräfte. Nun würde in solcher Region sowohl staatlich als auch privat mehr investiert werden, was mehr Arbeitsplätze, mehr Kaufkraft usw. generieren würde. Dies geschah seinerzeit z.B. in Ost-Deutschland oder auch in den mittel-/osteropäischen Ländern innerhalb der erweiterten EU.
Der Goldabfluss aus den USA, den Nixon 1971 beenden musste, ist mMn der Beweis für meine Abfluss-Theorie. Der Sinn den Gold mMn früher erfüllte, ist ausschließlich die Herstellung einer naturbasierten Fälschungssicherheit des Geldes, welche man heute mittels Zentralbanknoten viel billiger bei gleichzeitig viel besserer Transportierbarkeit ebenfalls erreichen kann.
Ich stelle deiner (schwächelnden) "Geldabfluss-Theorie" MEINE "Geldabfluss-Theorie" entgegen: In jeder "freien" (unregulierten) Marktwirtschaft fließt das Geld immer von dem ärmeren Großteil der Bevölkerung zu den relativ wenigen Reichen (die bereits Geld und Einkommen im Überfluss haben), wo es sich als wachsendes Privatvermögen sammelt .. warum auch immer, steht jetzt nicht zur Debatte. Und dies ist tödlich für jede Volkswirtschaft jeder beliebigen! Größe wenn dem nicht durch Steuer-, Wirtschafts- und Sozialpolitik entgegen gesteuert wird. Letzteres nennt man dann vernünftigerweise: Soziale (gemeinnützig regulierte) Marktwirtschaft.
Mit anderen Worten : Jede VW steht und fällt mit der Einkommensverteilung! in der Bevölkerung, ganz egal, wie groß oder klein sie ist. Ist die Einkommensverteilung symetrisch ausgewogen - im Sinne der Gauss'schen Normalverteilung - so ist ziemlich alles in Butter. Ist dies aber nicht der Fall, so geht die VW den Bach hinunter. Und beides! gilt auch für sehr große Volkswirtschaften wie z.B. die USA, China, oder die EU, und galt auch schon in der Antike. Und eine ausgewogene Einkommensverteilung kann wirtschafts- und sozialpolitisch bzw. mit gesetzlichen Regulationen einwandfrei gesorgt werden .. wenn "man" es nur will.
Es gibt ein paar recht gute mathematisch-statistische Indikatoren in der offiziellen VWL, die die "Schiefe der Einkommensverteilung" messen können, wenn valide und vollständige! Daten über alle monetären Einkommen vorliegen (was gewiss nicht der Fall ist) .. jedoch es interessiert Niemanden und korrigierende politische und gesetzliche Konsequenzen bleiben somit aus (aus bekannten Gründen). "Signifikant schiefe Einkommensverteilung" bezeichne ich als das Ergebnis eines "faulen, korrupten Wirtschaftssystems" .. wo "mit gezinkten Karten" und verdeckten Hebeln gespielt wird. Am Ende eines solchen, nämlich falschen Gesellschaftsspiels gibt es immer ein tödliches Hauen und Stechen. So wird es auch diesmal kommen. Denk darüber nach.
Mein vorläufiges FAZIT (denn das Thema ist komplexer): Wann ist ein Währungsraum "zu groß"? Meine Antwort: Hierfür gibt es kein objektives Maß. Es liegt "im Auge des Betrachters", d.h. im Auge seines Verständnisses erstens der fundamentalen wirtschaftlichen Zusammenhänge und zweitens der willkürlich menschengemachten Konstruktionsmerkmale des betrachteten Wirtschaftssystems .. siehe z.B. die Einführung der Sklavenarbeit, welche in modernisierter Form bis heute fortbesteht, oder die (ursprünglich gewaltsame) Privatisierung des Grund & Bodens, Primat der Kapitalrendite vor allem anderen u.a.m..
Mit Gruß, Beo2