Hallo Manuel!
Das bedeutet, dass "heruntergefahrene" Reaktoren immer noch eine erhebliche Gefahr darstellen?
Wenn also Russland wegen des ständigen NATO-Beschusses der Kernkraftwerke unter russischer
Kontrolle diese herunterfährt, ist die Gefahr lediglich ein wenig gelindert, aber nicht gebannt?
Ja! Bei einem Reaktor, der heruntergefahren ist, sind sämtliche Regel- und Notfallstäbe, die meist aus Cadmium/Bor/o.ä. bestehen, zu hundert Prozent (nach unten) in den Kern eingefahren.
Die sorgen dafür, dass die meisten Neutronen abgefangen/"geschluckt" werden und die Kettenreaktion (fast) zum Erliegen kommt. Aber auch nur fast!
Alle Neutronen können diese Regelstäbe nicht absorbieren. Es findet weiterhin eine minimale Kettenreaktion statt, die Wärme erzeugt.
Deshalb müssen die "heruntergefahrenen" Brennelemente weiterhin gekühlt werden. Das passiert über das normale KKW-Kühlsystem oder in einem sogenannten "Abklingbecken", gefüllt mit Wasser.
Die Wärme, die diese Brennelemente erzeugen, führt dazu, dass sich das Wasser erwärmt, daher muss regelmäßig/dauerhaft kaltes Frischwasser zugeführt werden. Passiert das nicht, fängt das Wasser irgendwann an zu kochen und verdampft. Dann liegen die Brennelemente "trocken" und die Hitze führt dazu, dass die Regelstäbe/Steuerstäbe anfangen zu schmelzen und ihre Funktion verlieren. Dann "fahren" die Brennelemente wieder hoch, sprich, eine unkontrollierte Kettenreaktion beginnt und dann kommt Tschernobyl 2.0.
Und nach einem Atomkrieg wird genau DAS passieren, da niemand mehr da ist, der sich um die Abklingbecken/Kühlsysteme kümmert.
Anschließend glüht sich dieser geschmolzene Kern mit ca. 2800 Grad in die Tiefe, durch Beton, durchs Erdreich und selbst durch hundert Meter massiven Fels.
Tja ... und sobald der Kern das Grundwasser erreicht, baut sich ein gewaltiger Druck auf (Wasserstoff/Sauerstoff/Wasserdampf), während die Zerfallswärme dafür sorgt, dass der Kern immer wieder aufgeheizt wird und nicht abkühlt, selbst dann nicht wenn sich über dem glühenden Kern sich schon eine 200 Meter hohe Wassersäule befindet. Die große Hitze führt nämlich dazu, dass der glühende Kern von einer schützenden Dampfschicht umgeben ist, die dauerhaft in Wasserstoff/Sauerstoff aufgespalten wird (und nach oben entweicht), während ständig eine neue schützenden Dampfschicht ensteht.
Und irgendwann ist der Druck so hoch, dass die darüberliegende Oberfläche, selbst wenn es 200 Meter Fels sind, explosionsartig platzt und ausgeworfen wird, während dann der gewaltige Druck (nach oben) entweicht. Wie bei einem Vulkanausbruch, der den gesamten (bestehenden) Vulkankegel hochdrückt und pulverisiert (z.B. Krakatau).
Und diese Kräfte sind so gewaltig, dass dann auch der Kern zerrissen/pulverisiert und ausgeworfen wird, mit der Dampfsäule, nach oben.
Und dann rieselt der Tod herunter, je nach Windrichtung, über tausende Kilometer.
Aber, wie gesagt, so lange die heruntergefahrenen Brennelemente gekühlt werden, ist alles in Ordnung. Nur ein direkter Treffer eines Brennelementes im Abklingbecken, z.B durch ein Artilleriegeschoss, würde ein großes Problem darstellen, selbst wenn das Kühlwasser weiterläuft, denn dann entstehen Unmengen an radioaktiven Wasser, das nicht gesund ist (höflich gesagt). Oder ein Treffer im Kühlsystem, sodass die Kühlung ausfällt. Dann kommt was "Unschönes".
Die BRD hat ja einen Ausstieg aus der Kernkraft beschlossen, nach Deiner Argumentation
doch eigentlich eine sehr sinnvolle Entscheidung, oder?
Tja, das kann ich nicht so einfach beantworten.
Persönlich möchte ich nicht in der Nähe eines Atomkraftwerks leben, da man Gammastrahlung nicht zu 100% abschirmen kann (selbst nicht mit einer 100 Meter dicken Bleiwand).
Wenn man Pech hat, kollidiert ein Gammaquant in der DNA in irgendeiner Zelle genau dort, wo in der DNA der Reparaturmechanismus "sitzt" ... tja ... und dann entartet die Zelle und man bekommt Krebs.
Dazu muss man aber auch sagen, dass die kosmische Gammastrahlung auch nicht zu hundert Prozent durch unsere (Erd)Atmosphäre absorbiert wird und man von "dort oben" genauso Pech haben kann, egal wie gesund man lebt. Manchmal ist es einfach nur ein schrecklicher Zufall, der einen anschließend dahinrafft.
Allerdings gibt es mittlerweile Spezialkeramik, die selbst bei Temperaturen von 3000 Grad nicht schmilzt. Moderne Atomkraftwerke haben deshalb, unter dem Reaktorblock, Auffangbecken, aus dieser Keramik, zusätzlich gefüllt mit Bor, was ein Neutronenkiller ist und dort kann sich der Kern nicht mehr durchschmelzen. Auch dem Beton der Fundamente der KKWs werden große Mengen Bor hinzugefügt, sodass die Kettenreaktion des geschmolzenen Kerns so weit herabgesetzt wird, dass die Temperatur nicht mehr ausreicht um sich dort "durchzuglühen".
Somit sind moderne Atomkraftwerke ziemlich sicher und ich für den Weiterbetrieb bzw. sogar für den Neubau von KKWs bin.
Was passiert mit den Atomreaktoren der BRD? Bedeutet der geplante Ausstieg lediglich, dass
diese "heruntergefahren" werden, also immer noch brandgefährlich bleiben?
Die werden runtergefahren, dann die Brennelemente in Abklingbecken "gepackt", bis der Neutronenfluss so gering ist, dass sie keine Kühlung mehr brauchen. Dann enden die in Wiederaufbereitungsanlagen oder (Zwischenlagern), eingeschlossen in Spezialbehältern.
Der Rest des KKWs wird dann abgebaut und ein Großteil endet als Atommüll, erstmal eingelagert in irgendwelche alten Bergwerke (700 Meter tief), wo sie weiter abklingen.
Endlager gibt es ja (in DE) noch nicht.