Der schneller, als erwartet steigende Bestand in den UGS ist nur offensichtlich eine gute Nachricht, denn man muß natürlich fragen, woher der schnelle Anstieg kommt.
Zum einen kaufte die EU auf dem Weltmarkt zu Mondpreisen alles verfügbare LNG auf, was zu immensen Preisanstiegen im Weiterverkauf an die europäischen Hauptabnehmer führt(e).
Dieser Preisanstieg zieht natürlich Reaktionen nach sich.
In der EU spart man immens Erdgas ein, zumindest in den Sektoren, wo es möglich ist.
Die Folge sind eine Verteuerung der Produktion und unrentable Kostenniveaus in den Bereichen, die am Weltmarkt konkurrieren müssen und die Kosten nur begrenzt an die Kunden weitergeben können.
Das hat nun zur Folge, daß Erdgasgroßabnehmer ihre Produktion kürzen oder ganz einstellen, wie vorgestern die litauische Achema (s.u.)
Die Folge ist ein massiver Einbruch in der kommenden Erntesaison, denn Stickstoffdünger sind bei einigen Anbaugütern entscheidend für den Ernteertrag. Die Folge werden nicht nur Preisanstiege, sondern Verwerfungen in der europäischen Landwirtschaft und Nahrungsgüterindustrie sein, denn nicht jeder Bauer und Verarbeiter wird diese Phase überleben können.
Was das dann für die Endverbraucher und den inneren Frieden in Europa bedeutet kann sich jeder ausmalen, der schon einmal von der französischen Revolution gehört hat, denn nicht jeder wird von Brot auf Kuchen ohne weiteres wechseln können. Uns steht ein heißer Herbst 2023 bevor. Dagegen werden die Demos im Herbst und Winter 2022 ein Freiluftevent sein.
Aber nicht nur in diesem Bereich wird die Produktion gekürzt, in der Chemie- und Metallindustrie mit ihren Geschäftsmodell, billige Rohstoffe mit billiger russischer Energie in wettbewerbsfähige Produkte zu wandeln, steht man vor einem epochalen Umbruch, den man eher Zusammenbruch nennen kann.
Möglicherweise werden wir am Ende da stehen, wo wir 1946 angefangen haben.
Heute (1.9.2022) hat Achema (Litauen) aufgrund des Anstiegs des Erdgaspreises seine Arbeit vollständig eingestellt. Zuvor war sie mit einer unvollständigen Produktion im Einsatz.
"Mit der aktuellen Situation auf dem Energiemarkt haben die meisten westlichen Unternehmen für die Produktion von Stickstoffdüngern aufgehört. Achema war keine Ausnahme", beklagte Achema CEO Ramūnas Milyauskas.
Achema ist die einzige Anlage in Litauen, die Stickstoffdünger produziert - Harnstoff, Ammoniak und Kalk-Ammonium-Nitrat usw. Gleichzeitig ist es der größte Erdgasverbraucher des Landes.
https://www.fertilizerdaily.ru/20220901-achema-ushla-v-prostoj/
Auch Nebeneffekte gibt es (Das gleiche Problem bestand schon in Großbritannien und wird wohl überall auftreten):
Das polnische Unternehmen Anwil (Teil der Orlen-Gruppe) ist gezwungen, nach seiner Einstellung mit der Produktion von Stickstoffdüngern zu beginnen, was mit einem starken Anstieg des Erdgaspreises verbunden ist. Diese Entscheidung ist auf die Notwendigkeit zurückzuführen, Kohlendioxid zu gewinnen, das in der Medizin und der Lebensmittelindustrie gefragt ist.
«Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen im Erdgasmarkt nimmt Anwil die Produktion von Stickstoffdüngern und damit Kohlendioxid wieder auf», sagte Daniel Obaitek, Vorstandsvorsitzender der orlen Gruppe. "Wir tun alles, um sicherzustellen, dass dieses Produkt, das in der Medizin und Lebensmittelproduktion verwendet wird, auf dem polnischen Markt verfügbar bleibt."
https://www.fertilizerdaily.ru/20220830-anwil-perezapuskaet-proizvodstvo/
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MfG
LR
Alles ist ein Windhauch.