"Hitler-Wein" in Italien

helmut-1, Siebenbürgen, Sonntag, 21.08.2022, 08:43 (vor 1278 Tagen)3364 Views

Hab diese Info erst jetzt erhalten, obwohl das schon etwas zurückliegt. Dann hab ich mir in fb die Kommentare dazu durchgelesen, und das wiederum hat mein Inneres dazu bewegt, da auch meine Meinung dazuzuschreiben. Da mehrere keinen fb-Zugang haben, drucke ich das komplett hier ab:

Hitler- Wein in Italien
Das Thema wurde vor ein paar Wochen in facebook schon diskutiert. Ich habs erst jetzt bemerkt:

https://www.bw24.de/verbraucher/italien-supermarkt-hitler-wein-urlauberin-schock-facebo...

Ich habe in diesem Blog auch einen Kommentar geschrieben, und der lautet:

Das ist wieder einmal typisch für die Überheblichkeit der deutschen Kultur. "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen". Wie kann man so impertinent sein, in einem anderen Land, wo man selbst fremd und nur zu Gast ist (als Tourist), den Leuten vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben? Es kommt ein Isländer nach Italien, sieht diesen Wein und denkt resp. empfindet überhaupt nichts dabei.
Wenn man aus Deutschland oder aus Österreich kommt, dann wurde man jahrzehntelang mit einem Trauma erzogen. Da wurde einem eingebläut, dass Hitler vom Teufel gesendet wurde, und wir alle sind schuld daran. Dass Hitler keine Zufallserscheinung war, sondern dass dafür ein strategischer Plan von Kräften aus dem Ausland zugrunde lag, das kann jeder erfahren, der sich intensiv mit der Geschichte der 1. Hälfte des vergangenen Jahrhunderts beschäftigt.

Das ist aber nun keine Rechtfertigung für diese Weinflaschen. Ich enthalte mich der Meinung, ob ich das gut oder schlecht finde. Hätte ich einen Weinhandel, dann würde ich vermutlich diese Flaschen nicht ins Regal stellen. Aber darauf kommt es nicht an. Es geht um zweierlei: Um den Respekt für die Sitten oder Ansichten in einem anderen Land, und es geht um das Recht der Meinungsfreiheit, in Wort, in Bild, oder in sonstigem Format.

Wenn man in Deutschland und Österreich diese Meinungsfreiheit bereits beschränkt hat, und die Leute haben das akzeptiert, dann sollen sie auch akzeptieren, dass es in anderen Ländern eben nicht so ist. Die Meinungsfreiheit ist das höchste Gut in einer Demokratie. Anderen Ländern vorzuschreiben, was Meinungsfreiheit ist oder nicht ist, das ist eine Überheblichkeit, die schon an Frechheit grenzt.

Mein Großvater ist damals im Widerstand umgekommen, er hat sein Leben verloren, weil er sich für die Meinungsfreiheit in der Zeit des Nazi-Regimes eingesetzt hat. Deshalb ist für mich die Meinungsfreiheit am erster Stelle, - ungeachtet einer Bewertung, ob mir was gefällt oder nicht. Die Grundlage dafür ist das berühmte Zitat, das man Voltaire zuschreibt:

"Ich mag verdammen was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst".

Wer den Sinn dieses Zitats nicht kapiert, der soll auch von sich nicht behaupten, dass er ein Demokrat ist.


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