Bäckerhandwerk - quo vadis in der kommenden Depression

el_mar, Dienstag, 19.07.2022, 17:47 vor 1443 Tagen 5020 Views

bearbeitet von el_mar, Dienstag, 19.07.2022, 18:07

Ein bischen Marktforschung im Gelben:

Das wir mindestens in eine Rezession, höchstwahrscheinlich in eine deflationäre Depression schlittern, davon gehen die meisten hier aus. Ich auch.

Wie wird sich das beim Nachfrageverhalten auswirken.
"Diskretionäre nice to have Produkte", auf die verzichtet werden kann, werden es schwer haben. Es wird dehalb viele Pleiten geben, vor allem in diesen dikretionären Bereichen und Arbeitslosigkeit.

Beispiel einer handwerklichen Filialbäckerei. Gehören die zu dikretionären im eigenen Ermessen liegenden) Konsumausgaben.

Da versuche ich gerade einer Vorausschau zu machen, was die Elastizität der Nachfrage und die Überlebensfähigkeit der Geschäftsmodelle angeht.
Snacks werden beipielsweise weniger verkauft, könnte man denken. Viele Menschen werden sich ihr Brot wieder selbst schmieren. Also steigt der Brot-Absatz.

Andererseits wird die hochwertige Gastronomie besonders stark leiden, weil es hier um höhere Beträge geht. Was dazu führen könnte, dass die Verbraucher sich den kleinen Genuss beim Bäcker nicht nehmen lassen – so wie Schnaps und Zigaretten bei der großen Depression.

Wird der Umsatz zu bedeutsamen Teilen vom Handwerksbäcker Teilen zum Discount abwandern?
Dort werden die Kosten jedoch auch steigen und es ist fraglich ab der Lebensmittel-einzelhandel sich die (relativen) Lockvogel-Angebote bei Backwaren noch leisten kann.

Die Preise werden insgesamt fallen, auch bei den Bäckern. Es wird Preisbrecher geben. Dann werden andere nachziehen. Das kann die Branche m.E. kaum aushalten, weil der Margendruck jetzt schon sehr groß ist und die economies of scale, mit kleineren Chargengrößen wegen rückläufiger Nachfrage zu höheren Stückkosten führen.

Hat Jemand eine Meinung, wo es hingeht mit den Handwerksbäckern, wenn bei den Kunden demnächst das Geld knapp wird. Werden sie weiter neben dem Discountern bestehen?
Oder kommt es sogar zu staatlicher Verwaltung und Rationierung mit dem Lebensmittelsicherungs Gesetz?

„Gegessen wird immer sagt der Volksmund“.
Wie verändert ihr euer Nachfrageverhalten beim Backwareneinkauf, sollte bei euch am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig sein?

Saludos

el mar

Der Spruch „Gegessen wird immer“

mawa99, Dienstag, 19.07.2022, 18:52 vor 1443 Tagen @ el_mar 3434 Views

stammt aus einer Zeit wo es keine Discounter und Preisdrücker gab. Ergo, so denke ich, werden Bäcker, solange sie überhaupt Zuraten und Energie haben nicht so günstig anbieten können wie die Discounter. Auf dem Dorf, kleine Stadt geht evtl. schwarz was.

Mit Just in Time ist der Ofen nach ein-zwei Tagen aus...

Reffke @, Narragonien, Dienstag, 19.07.2022, 19:09 vor 1443 Tagen @ el_mar 3299 Views

bearbeitet von Reffke, Dienstag, 19.07.2022, 19:23

Die Discounter sind dann Pleite.
Die Filialen der Bäcker in den Discountern halten vermutlich länger durch, obwohl da auch schon viel "abgebacken" wird. Ansonsten JIT!
Bleibt die Frage, ob der Bäcker noch Gas hat, oder Elektro: Holzkohle eher nicht (mehr...)[[sauer]]
Und wie teuer wird unser täglich Brot wohl werden???[[hae]]
Das Drama vollzieht sich vermutlich ruck-zuck:
und im Nu sind die Regale leer![[zigarre]]

LG Reffke

--
Wer warnen will, den straft man mit Verachtung.
Die Dummheit wurde zur Epidemie.
So groß wie heute war die Zeit noch nie.
Ein Volk versinkt in geistiger Umnachtung.
Erich Kästner "Große Zeiten"

Beim Bäcker will ich in Zukunft eine Quittung haben

Knappe @, Dienstag, 19.07.2022, 19:17 vor 1443 Tagen @ el_mar 3704 Views

5 Brötchen und ein Stück Kuchen.
Sie sagt 7,20 Euro... eine Quittung war mir bisher zu peinlich.
In Zukunft will ich die Quittung sehen... damit ich nicht grübeln muss, wie die 7,20 Euro zustande kommen.
Man gut dass ich keine hungrige Familie zu Hause habe:-P
Knappe

Kleine Brötchen backen

Bergamr @, Dienstag, 19.07.2022, 19:17 vor 1443 Tagen @ el_mar 3613 Views

Hallo el_mar,

es gilt: Vorhersagen sind schwierig, vorallem wenn sie die Zukunft betreffen.

Aber ich wag mal einen Blick in meine persönliche Kristallkugel.

Handwerkliche Strukturen werden überleben, wenn sie:
a): in eigenen Räumlichkeiten betrieben werden
b): Einrichtung, Maschinen + Fahrzeuge schuldenfrei sind
c): weniger als 5 Mitarbeiter haben
d): bereit sind, ihre Arbeit auch zu Bartergeschäften anzubieten

Die Philosophie 'Groß muß man sein', die diese Filial-Manie in den 1990er/2000er-Jahren befeuert hat, vorallem im Lebensmittelbereich (Bäcker, Metzger) und in Verknüpfung mit den Supermärkten, aber auch bei Apotheken, Schuhgeschäften, Einzelhandel generell, sogar im 'Gesundheitsbereich' (Physio-, Logo-, Ergotherapie), ist in der kommenden Zeit sinnlos, weil die Milchmädchenrechnung 'Gewinn nur durch hohen Umsatz' bei steigenden Betriebs-, Lohn- und Nebenkosten nicht mehr aufgeht, eine (Neben-)Rendite durch Immobilien wegfällt und die logistische Versorgung der Filialen nicht mehr aufrechterhalten werden kann.

Selbst ehemals 'sichere' Gewerke wie Elektrohandwerk oder Gas-Wasser-Scheiße = Flaschner/Klempner werden erleben, daß ihre Arbeiten durch den Wegfall ihrer Grundsubstanz, nämlich der infrastrukturellen Verfügbarkeit von Strom, Wasser, Gas, Öl, nicht mehr selbstverständlich nachgefragt werden wie bisher. Das KfZ-Handwerk ist da natürlich auch dabei.

Handwerkliche 'Luxus'-Leistungen wie 100g Praline vom Konditor für € 10,50 fallen ebenso durch den Rost wie parkähnliche Anlage des Eigenheimgartens durch den GaLa-Bauer, ein bayrischer Balkon vom Zimmermann oder die Massivholzküche vom Schreiner. Weitere Beispiele nach eigenem Ermessen.

Meiner Meinung nach kann jetzt nur noch wirtschaftlich überleben, wer 'kleine Brötchen backt'.

Gruß
Bergamr

--
Ehrlich schade für die Heimat! Endgültig verloren seit Sommer 2015 ...

Sehe ich genauso

Auchda, Dienstag, 19.07.2022, 19:32 vor 1443 Tagen @ Bergamr 3074 Views

Meiner Meinung nach kann jetzt nur noch wirtschaftlich überleben, wer 'kleine Brötchen backt'.

Gruß
Bergamr

Neulich machte mich meine Mutter auf eine Doku auf Arte aufmerksam.
Danach dachte ich mir, das sind die Bäcker, die am ehesten eine Zukunft haben.
Zumindest wird die Gesellschaft sehr froh sein, dass es noch solche Bäcker gibt.

https://www.arte.tv/de/videos/104396-003-A/die-brotrebellen/

Prinzipiell Zustimmung Zu Deiner Liste

Arbeiter @, Dienstag, 19.07.2022, 21:25 vor 1443 Tagen @ Bergamr 2588 Views

e) Ausreichend Liquide ist und bleibt

f) eher im Ländlichen Raum wohnt

g) ggf auch autark sein Backstube mit Energie versorgen kann.

h) Einfache Tecnik hat, die ggf selbst oder lokal repariert werden kann.

Die Realität bestätigt das ...

NST @, Südthailand, Mittwoch, 20.07.2022, 04:26 vor 1442 Tagen @ Bergamr 2372 Views

bearbeitet von NST, Mittwoch, 20.07.2022, 05:26

es gilt: Vorhersagen sind schwierig, vorallem wenn sie die Zukunft betreffen.

Handwerkliche Strukturen werden überleben, wenn sie:
a): in eigenen Räumlichkeiten betrieben werden
b): Einrichtung, Maschinen + Fahrzeuge schuldenfrei sind
c): weniger als 5 Mitarbeiter haben
d): bereit sind, ihre Arbeit auch zu Bartergeschäften anzubieten

Meiner Meinung nach kann jetzt nur noch wirtschaftlich überleben, wer 'kleine Brötchen backt'.

... im mittelständischen Bereich auch bei Kleinunternehmern .... wer schuldenfrei, mietfrei ein Geschäft betreibt, wird überleben.

Alle anderen, die Miete zahlen, auf Kredit gekaufte Produktionsmittel haben etc. - die bekommen schlaflose Nächte. Bei euch kommt noch das Problem der überregulierten Arbeitsverhältnisse - mit solchem Personal kann man in solchen Zeiten nur schwer überleben. Hier in TH gilt in solchen Fällen - keine Arbeit, kein Lohn, knall hart, aber der Realität angemessen.

Jetzt sind es die Regularien der Sozialstaaten - die euch im internationalen Wettbewerb die Jobs klauen - die bisher einseitig Waage - es Extragewinns pendelt zurück und wird sich unweigerlich in der Verlustzone wiederfinden.
Gruss

--
[image]
Jeder arbeitet im Ausmass seines Verstehens für sich selbst und im Ausmass seines Nicht-Verstehens für jene, die mehr verstehen!

Droht ein Bäckerei-Sterben? Wirtschaftliche Folgen des Krieges auf Bäcker und Metzger

Ostfriese @, Dienstag, 19.07.2022, 19:25 vor 1443 Tagen @ el_mar 3317 Views

Hallo el_mar

Vor 2 Tagen hatte das RedaktionsNetzwerk Deutschland dazu

Hat Jemand eine Meinung, wo es hingeht mit den Handwerksbäckern, wenn bei den Kunden demnächst das Geld knapp wird.

in Verbindung mit den Metzgern eine Meinung

https://www.rnd.de/panorama/droht-ein-baeckerei-sterben-folgen-des-krieges-auf-baecker-...

Gruß - Ostfriese

BMW... Bäcker, Metzger, Wirte.. sagt man im Finanzamt

Knappe @, Dienstag, 19.07.2022, 19:33 vor 1443 Tagen @ Ostfriese 3644 Views

wenn die alles ordentlich versteuern würden, wären morgen bei 70% die Jalousien runter...
Knappe

das ist definitiv falsch mit den neuen Kassenverordnungen

el_mar, Dienstag, 19.07.2022, 19:36 vor 1443 Tagen @ Knappe 3150 Views

für die Bäcker und Metzger kann ich das behaupten.

warum gibt mir kein BM mehr freiwillig einen Bon? Wirte sind besser geworden(OT)

Knappe @, Dienstag, 19.07.2022, 19:38 vor 1443 Tagen @ el_mar 2771 Views

Gilt nicht mehr

Bergamr @, Dienstag, 19.07.2022, 19:44 vor 1443 Tagen @ Knappe 3260 Views

Hallo Knappe,

mit Einführung der Registrierkassen und der Schätzklausel des Steuerprüfers bei Ungereimtheiten hat sich das schon vor mehr als 15 Jahren erledigt gehabt.

Der saloppe Spruch gilt heute nur noch für die Döner- und Kebapbuden, aber da auch nur aus rassistischen Gründen. Nicht weil die Steuerprüfer rassistisch sind, sondern weil sich die Steuerprüfer dem Vorwurf des 'Rassismus' nicht aussetzen wollen.

Bei Kartoffel-BMWs ist da ja keine Gefahr.

Gruß
Bergamr

--
Ehrlich schade für die Heimat! Endgültig verloren seit Sommer 2015 ...

Gilt alles nicht mehr... aber machen wir mal einen Reality-Check

Knappe @, Dienstag, 19.07.2022, 19:52 vor 1443 Tagen @ Bergamr 3352 Views

Bei BMWs bekomme ich nur einen freiwilligen Bon/Rechnung, wenn ich denen total unbekannt bin:-)
Wenn die mich etwas kennen, bekomme ich nix mehr... außer eine 49,80-Ansage.

Erkläre mir, was die zu verbergen haben.
Das interessiert mich sehr:-)
Knappe

Geheimnisse

Bergamr @, Dienstag, 19.07.2022, 20:04 vor 1443 Tagen @ Knappe 3314 Views

Hallo Knappe,

ich kann Dir bei Deinem persönlichen Bon-Problem leider nicht helfen.

Ich bekomme, egal ob hier oder dort, immer den blöden Beleg mit dem Wechselgeld in die Hand gedrückt.

Neuerdings ist der Beleg ja blau, und wenn man nicht aufpaßt, färbt er sogar ab.

Außer bei den Döners, da ist der Beleg luftig-duftig.

Aber da geh ich selten hin.

Gruß
Bergamr

PS: könnt jetzt noch was über Abgabe von Wildbret an Metzger beisteuern, ein Freund von mir muß als Jäger für geliefertes Wildfleisch sogar dem Metzger eine Quittung geben ...

--
Ehrlich schade für die Heimat! Endgültig verloren seit Sommer 2015 ...

War da nicht mal was?

Mephistopheles, Dienstag, 19.07.2022, 20:40 vor 1443 Tagen @ Bergamr 2987 Views


PS: könnt jetzt noch was über Abgabe von Wildbret an Metzger beisteuern, ein Freund von mir muß als Jäger für geliefertes Wildfleisch sogar dem Metzger eine Quittung geben ...

https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/kriminalitaet/id_91595518/kusel-tonnenweis...

Hat der nicht einen Wiltbrethandel betrieben? Wenn der jedesmal eine Quittung ausgestellt hätte, wäre er er doch darüber aufgeflogen.

Gruß Mephistopheles

Da war was

Bergamr @, Dienstag, 19.07.2022, 20:51 vor 1443 Tagen @ Mephistopheles 2890 Views

Hallo Mephistopheles,

ja, da war was im Buntesdeutschen Blätterwald.

Daß Du Dir sowas rauspickst, liegt wohl in Deiner Natur :-P

Mir ist bis heute nicht klar, wie diese zwei Wilderer 22 Stk. Damwild in einer Nacht erlegen konnten (außer sie haben in einem Wildgehege ein Massaker angerichtet) und wie sie 22 Stk. Damwild in einen Transporter packen konnten.

Und wie dieser Schußwechsel überhaupt zustande kam.

Aber ich bin ja zum Glück weder bei der Polizei noch bei der Journaille.

Und übrigens: Wilderer stellen in der Regel keine Quittungen aus [[zigarre]]

Gruß
Bergamr

--
Ehrlich schade für die Heimat! Endgültig verloren seit Sommer 2015 ...

Erfolgsquote 22 Wild

Albert @, Dienstag, 19.07.2022, 23:05 vor 1443 Tagen @ Bergamr 2512 Views

Die haben gewildert, wo eine Schutzzone war....entsprechend viel Viehzeug rannte da rum.

Bewohnerin in der Nähe war die nächtliche Ballerei aufgefallen...Ortsförster drauf angesprochen, der es nicht wahr. So kam es wohl zu verstärkter Kontrolle dort...das Auto der beiden Wilderer fuhr aber auch ohne Beleuchtung.

Die Beiden kamen aus der Saarbrücker Ecke....einer hatte eine Bäckereikette, die pleite war....ausserdem Frau abgehauen...und jähzorniger Charakter...also mächtig Stress im System.

Verdacht gabs schon lange...nur nachgewiesen konnte es bis dato nicht.
Er kaufte kleine Mengen offiziell...so gab es Quittungen.

Das hängt vom Alleinstellungsmerkmal ab

Mephistopheles, Dienstag, 19.07.2022, 19:56 vor 1443 Tagen @ el_mar 3211 Views

Hat Jemand eine Meinung, wo es hingeht mit den Handwerksbäckern, wenn bei den Kunden demnächst das Geld knapp wird. Werden sie weiter neben dem Discountern bestehen?
Oder kommt es sogar zu staatlicher Verwaltung und Rationierung mit dem Lebensmittelsicherungs Gesetz?

Es gab bei einer DeDe immer 2 Gruppen, die eine, deren Einkünfte in etwa gleich geblieben sind (etwa 20%) und die, deren Einkünfte massiv gefallen (80%) sind.

Wenn die Bäckerei ein Image hat im hochpreisigen Segment und Produkte liefert, die nur sie in dieser Qualität liefern kann, bspw. vom Bäcker täglich frisch selber gebacken, dann kann sie der kommenden DeDE relativ gelassen entgegen sehen.

Wenn die Bäckerei schon immer Billigramschmassenware anbietet, dann wird sich ihr Kundenkreis ausweiten. Evtl. muss sie bei der Herstellung von Polen nach Bulgarien auswandern oder gleich China oder Vietnam (weil selbst China mittlerweile zu teuer ist). Die gestiegenen Kosten machen sie über die größere Masse wett.

Wennn sie aber Backwaren im mittelbpreisigen Segment vertreibt, Innenstadtlage, alles sehr dekorativ aufgemacht, aber im Angebot auch nur Billigramsch wie bei den Discoutern, dann wird sie massiv Federn lassen müssen. Weil für dieses Klientel zählt bei sinkenden Zahlungsinnahmen nur der Preis.

Gruß Mephistopheles

Werbung