Was kommt nach dem 9 Euro Ticket

Manuel H. @, Dienstag, 19.07.2022, 09:48 vor 1311 Tagen 3467 Views

Leider ist keine Verlängerung geplant, möglicherweise aber eine Alternative.

A) 365 Euro Jahresticket
B) 69 Euro Monatsticket
C) 29 Euro Monatsticket

Meine Meinung

Das 9 Euro Ticket konnte sich auch ein desolater obdachloser Alki durch Betteln oder Pfandflaschen zusammensammeln. Würde es verlängert, würde über kurz oder lang sehr viele Autofahrer irgendwann ihr Leben so umstrukturieren, dass Auto nicht mehr lebensnotwendig ist, insbesondere, wenn wegen gestiegener Fahrgastzahlen das Angebot weiter ausgebaut werden würde. Vieles ist Gewohnheit. Ich hab mein altes abgenutztes Auto selbst zum täglichen Einkaufen genutzt, natürlich nur weit entfernte Supermärkte mit ausreichend Parkmöglichkeit. Das ersparte mir das Schleppen und 3 Euro hin und 3 Euro Einzelticket zurück was erheblich teurer als der Benzinverbrauch ist.

29 Euro ist nahe an den Sozialtickets mancher Städte exklusiv für Hartzer.
Ich kenne Hartzer, die wegen der knappen Regelsätze diesen Kauf vermeiden und sich übertragbare Tickets von Nachbarn ausleihen, wenn die es mal einen Tag entbehren können.

69 Euro ist angelehnt an manchen Studenten-Tarifen. Wer ein altes Auto ohne weiteren Wertverlust durch Gebrauch besitzt, rechnet nur den Benzinverbrauch, da er die Fixkosten (Steuer und Versicherung) ohnehin bezahlt. Für den sind 69 Euro teurer als die. monatliche Tankrechnung.

365 Euro auf einen Schlag bekommt im Prekariat niemand auf die Reihe, die Mindestlöhner werden so erfolgreich aus der Mobilität ausgeschlossen.

https://www.jungewelt.de/artikel/430747.mobilität-für-die-massen-nach-dem-neun-euro-tic...

Die Frage ist eher: Wie sieht Nachhaltigkeit aus und wie kommen wir dahin?

heller, Dienstag, 19.07.2022, 11:09 vor 1311 Tagen @ Manuel H. 2894 Views

bearbeitet von heller, Dienstag, 19.07.2022, 11:14

Das Konzept, dass mehr öffentlicher Verkehr auf jeden Fall anzustreben sei, ist m.E. eine falsche Fährte.
Der Tunnelblick auf die Kosten des 9-Euro-Tickets ist viel zu eng.
Wenn z.B. der Super- und Megamarkt noch leichter erreichbar sind, dann gehen die kleinen Märkte ein, wenn nicht anderswo wieder korrigiert wird.
Außerdem: Lohnt es sich langfristig bei "fast-umsonst" überhaupt irgendwelche Schaffnerinnen zu beschäftigen oder Tickets zu verkaufen? Nein? Dann muss der Schnell-und-weit-Verkehr die entsprechende Ticket-Infrastruktur alleine wuppen und wird entsprechend teurer und dort das Auto oder Flugzeug dann wieder attraktiver. Muss also ebenso korrigiert werden.
Deutschland ist ein einziger, unüberschaubar komplizierter Flickenteppich von Korrekturgesetzen und -regelungen.
Entrümpelung wäre viel wichtiger als neue Regelungen.
Noch besser wäre es, Zwangsregeln durch Anreizsysteme und sich selbst regelnde Steuerungsmechanismen zu ersetzen.

Die Frage ist also: Soll die Benutzung öffentlicher Mobilität überhaupt was kosten?
oder noch "etwas" weiter: Wie sieht eine nachhaltige Welt aus?

  • Was ist das Ziel der Institution "Staat"? (Sicherung des Freiheit, individuelles Glück zu erstreben? Oder Definition des Glücks, das für alle gelten soll?)
  • Wieviele parallele Gesellschaftsmodelle dürfen parallel auf dem einem Staatsgebiet "wirtschaften"? (Warum soll jemand, der wenig Staat will für andere, die viel Staat wollen, mit schuften?)
  • Wie motiviert man die Bevölkerung, für den Staat zu arbeiten?
  • Auf wieviel Prozent der Gesamt-Ernte im Staat werden die Staatsausgaben gedeckelt? (10%)
  • Wer darf mit wieviel Stimmen wählen?
  • Was ist die Gesundheit eines Einzelnen für die Allgemeinheit wert?
  • Wer soll wieviel für Mobilität bezahlen? (die Kosten der Zurverfügungstellung sinken ja nicht durch geringere Ticketpreise)
  • Wie groß darf die Schere zwischen Arm und Reich werden? (Soll jemand, der mehr als das 10-oder 100-fache des Durchschnitts besitzt, enteignet werden?)
  • usw. usf.

Na dann viel Spaß und genügend Rotwein für die Diskussion :-)
(Ich habe allerdings dafür keine Zeit - muss wegen 50% Staatsquote arbeiten)

Sehr gute Grundsatzfragen. Die werden leider öffentlich nicht diskutiert.

Plancius @, Dienstag, 19.07.2022, 11:32 vor 1311 Tagen @ heller 2494 Views

Solche Fragen würde ich mal gern bei Anne Will oder in der Phoenix-Runde diskutiert haben.

Kann leider auch nichts weiter beitragen - wegen Hamsterrad.

Gruß Plancius

--
"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER

Das Staatsmodell hat sich schon längst auch im privaten Bereich durchgesetzt.

FredMeyer @, Mitten in der Karibik, Dienstag, 19.07.2022, 13:33 vor 1311 Tagen @ heller 2350 Views

Staatsknete für alle, die mit der Gießkanne verteilt wird, ist ja seit Ende der 60er in Mode gekommen. Deutschland ist unermesslich reich war ein Spruch von Helmut Schmidt...als die SPD damit begonnen hat, die Gleichmacherei zu betreiben.

Es gibt heute viele Leistungen auch im privaten Bereich, die viele von uns in Anspruch nehmen, ohne jemals diese Leistungen direkt aus der eigenen Geldbörse zu bezahlen. Indirekt tun wir's aber schon, sind uns aber dessen kaum bewusst.

Das macht nachlässig um das Wissen, dass im Hintergrund etliche Profiteure große Kasse machen, ohne dass die Gesellschaft sich dessen bewusst wird. Datamining gab's in den 60ern noch nicht, das Internet war noch nicht erfunden. Und die Cookies lassen grüßen - mit welchem Recht versuchen diese unsichtbaren Firmen auf meinem Rechner meine Gewohnheiten ausfindig zumachen? Und ich muss das auch noch bezahlen! Wer kontrolliert diese Firmen?

--
Fred

Das sind wichtige Entscheidungen

Manuel H. @, Mittwoch, 20.07.2022, 14:51 vor 1310 Tagen @ FredMeyer 1559 Views

Wir haben hier das Prinzip, dass Bildung für den Schüler und Studenten kostenlos zu sein hat, in den USA verschulden sich die Leute mit 200.000 US Dollar und mehr, um einen Bildungsabschluß zu erreichen.

Auch eine Art Facharbeiter Ausbildung ist in den USA kostenpflichtig, hier bekommt ein Lehrling sogar Geld dazu.

Ich halte den deutschen Weg für wesentlich besser, werde das auch gerne begründen.

Bei der Frage der Mobilität ist es auch Sache der Gemeinschaft, wie sie da die Weichen stellen möchte.

In Ballungszentren den öffentlichen Nahverkehr bezahlbar und attraktiv zu machen, halte ich für eine sehr kluge Entscheidung, auch wenn es den Dörfler im Speckgürtel eines Ballungsgebietes benachteiligt.

Ich bin überhaupt kein Freund des Fahrradfahrens, sehe aber, wie smart Holland sein Land mit unglaublich schlauen Techniken das Fahrradfahren vereinfacht und attraktiv gemacht hat, sogar mit dem Nebeneffekt, dass deswegen Autofahren wieder Spaß macht und staubefreit möglich ist.

Natürlich kann man auch einwenden, dass die kostenlosen Bibliotheken ein Unsinn sind, da sie den Wettbewerb verfälschen und möglicherweise die dann geringeren Auflagen für zu kaufende Bücher verteuern.

Aber die Idee: Bildung möglich für alle, Mobilität möglich für alle, Bücher möglich für alle, ist gesellschaftlich faszinierend und segensreich.

Natürlich wird das 9 Euro Ticket dazu führen, dass weniger MwSt durch Benzinverkauf eingenommen wird, die Abschlepp-Hyänen werden sich anpassen müssen usw., aber ein Volk preiswert und effizient zu totaler Mobilität zu verhelfen ist ähnlich segensreich wie das Sicherstellen von Bildung.
Makroökonomisch sind wir dann die Gewinner, vorausgesetzt, der öffentliche Nahverkehr wird dank der steigenden Nutzerzahlen so ausgebaut, dass er gegenüber dem Pkw-Individualverkehr für jeden Bürger seine Vorteile ausspielen kann.

Gerade auf youtube eine Art Siebter Sinn aus 1982 gesehen, wo den Fahrradfahrern Blödheit attestiert wird.
Du siehst eine staugeknebelte Stadtlandschaft voller Autos, Bürgersteige, die als Parkplätze so zweckentfremdet sind, dass ein Rollator-Rentner keine Chance mehr hat, seinen Bäcker zu erreichen, dazwischen Fahrradfahrer völlig verloren zwischen parkenden Autos und rasenden LKWs. 50.000 Fahrradopfer jährlich konnte man 1982 zählen.

Dazu im Gegensatz die innerstädtische Fahrradtour in Haarlem oder Amsterdam 2022, wo Du dank intelligenter Ampelschaltung immer freie Fahrt hast, Du zwischen Bäumen und Vogelgezwitscher gemütlich Deinen Ikea erreichst und Dich völlig sicher fühlst und es einfach Spaß macht.

Die Kirche kommt mit 10 Geboten aus

D-Marker @, Rostock (MV), Dienstag, 19.07.2022, 14:14 vor 1311 Tagen @ heller 2125 Views

bearbeitet von D-Marker, Dienstag, 19.07.2022, 14:22

Deutschland ist ein einziger, unüberschaubar komplizierter Flickenteppich von Korrekturgesetzen und -regelungen.

https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/anzahl-gesetze-rechtsverordnungen-deutschland-an...

Baurecht, Steuerrecht...

Dazu das, was die EU fabriziert.
Völkerrecht usw. oben drauf.

Ein Menschenleben reicht nicht, um alles zu lesen, was einen betrifft.

Nur ein Beispiel:
Ich wollte mir nicht die Hände einschmieren mit den Giften aus der chemischen Industrie, diese „Desinfektionsmittelspender“ in Geschäften, in Kaufhallen usw. Manche haben das ja gar zur Pflicht gemacht.

Mein erstes Opfer war mein Frisör.

Nach der endlosen Diskussion über meine Maskenbefreiung (Impfunfähigkeitsbescheinigung hatte ich damals noch nicht) bekam ich schließlich einen Termin.

Ich sollte mir die Hände desinfizieren.
Kann doch nicht sein, das da an den Spendern nicht dran steht, was drin ist...?

Also auf die „VERORDNUNG (EU) Nr. 528/2012 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES
vom 22. Mai 2012
über die Bereitstellung auf dem Markt und die Verwendung von Biozidprodukten“

verwiesen.

Und auf die darin verwiesene (Artikel 2 Satz(3) a ) „Richtlinie 67/548/EWG des Rates vom 27. Juni 1967 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften für die Einstufung,Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe“.

Als ich bei Artikel 9 Satz 2 a) (Datum der Genehmigung und des
Datums ihres Ablaufs) angelangt bin, hat er es mit mir aufgegeben.

Zu den zugelassenen Bioziden bin ich nicht mehr gekommen.

Also brauchte ich nicht mehr mit dem Gewerbeamt drohen.


LG
D-Marker

--
https://www.youtube.com/watch?v=LqB2b223mOM

Wozu nuss man dann Theologie eigentlich studieren?

Mephistopheles, Dienstag, 19.07.2022, 14:43 vor 1311 Tagen @ D-Marker 2120 Views

Das 9-Euro-Ticket ist eine absurde Regelung

FOX-NEWS @, fair and balanced, Dienstag, 19.07.2022, 13:13 vor 1311 Tagen @ Manuel H. 2813 Views

Es wurde damit verargumentiert, daß man Pendler in den ÖPNV bringen wolle. Heraus kam so Unsinn wie Punker im Bummelzug von Berlin nach Sylt.

[[euklid]]

Jeder Regionalverband hätte seine Tickets auf 9 Euro reduzieren können. Wenn ich irgendwo Urlaub mache, muss ich eben im dortigen Verbund ein neues Ticket lösen. Wo ist das Problem?

Deutschland ist am Ende und bekommt nichts mehr vernünftig auf die Kette! Schon in der "Corona-Krise" wurde das überdeutlich, und dabei waren wir doch mal die Oberorganisierer auf diesem Planeten. :-P

Grüße

--
[image]

Afuera!

Vielleicht ...

Steppke, Dienstag, 19.07.2022, 15:46 vor 1311 Tagen @ FOX-NEWS 2417 Views

bearbeitet von Steppke, Dienstag, 19.07.2022, 16:07

... war das 9-Euro-Ticket aber auch nur dazu gedacht eine umfassende Durchseuchung der Bevölkerung zu erreichen (mit der milden Omicron-Variante), damit im Herbst/Winter ein Großteil der Bevölkerung grundimmunisiert ist, falls dann ein neuer Subtyp, der eventuell gefährlicher ist, auftauchen sollte?

Praktisch der nachgeholte "schwedische Weg"?

Gleichzeitig könnten die Politiker ihr Totalversagen beim Thema Corona (Impfungen, Maskenpflicht, Testzwang, usw.) verschleiern und sie wären "aus dem Schneider".

Wer die Bilder der überfüllten Züge gesehen hat, weiß, dass da nur eine Person infiziert sein musste, um den halben Wagon mit anzustecken. Und jeder der dort mitfuhr, steckte danach Familie/Freunde etc. an, worüber man eine breite Immunisierung erreichen könnte, verborgen hinter einem "billig-reisen-für-alle-Geschenk".

Diese Vermutung hatte/habe ich.

Just my two cents.

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