Oh, das ist aber weitreichend

Mephistopheles, Freitag, 08.07.2022, 15:20 (vor 1322 Tagen) @ Reffke1598 Views

Die Hauptbotschaft der Neocons lautet, dass die USA in jeder Region der Welt die militärische Vorherrschaft übernehmen und den aufstrebenden regionalen Mächten entgegentreten müssen, die eines Tages die globale oder regionale Vorherrschaft der USA herausfordern könnten, vor allem Russland und China. Zu diesem Zweck sollten die US-Militärkräfte in Hunderten von Militärstützpunkten auf der ganzen Welt in Stellung gebracht werden, und die USA sollten darauf vorbereitet sein, bei Bedarf Kriege nach Wahl zu führen. Die Vereinten Nationen sollen von den USA nur dann genutzt werden, wenn sie für die Zwecke der USA nützlich sind.[/i]
Siehe Zusammenhänge und Folgen weiter in Quelle oben: https://consortiumnews.com/2022/07/01/ukraine-is-the-latest-neocon-disaster/

Leo Strauss geht von einem unüberbrückbaren philosophischen Gegensatz zweier philosophischer Denkschulen aus, nämlich der platonischen, rationalistischen und den Offenbarungsreligionen, also der jüdischen, christlichen und islamischen.

Das ist in etwa der Stand der Philosophie zu Zeiten Alexanders des Großen, wo die Offenbarungsphilosophie erstmal von der rationalistischen platonischen Philosophie zurückgedrängt wurde. Zwischen diesen beiden grundlegenden philosophischen Schulen findet der Endkampf statt

Seither wurde die Offenbarungsphilosophie immer wieder geschlagem, aber wie eine giftige Natter, erhebt sie sich immer wieder mit dem Ziel dem Ende der Menschheit (oder zumindest dem Ende der Geschichte).

Im Grunde bleibt Leo Strauss der Zeit von vor 2.300 verpflichtet.
Das wird den Chinesen aber gar nicht gefallen, weil sie in dieser großen Auseinandersetzung keine Rolle spielen und sowieso nicht sonderlich religiös sind. Sie haben aber nur das Dilemma, dass der ganze Wiederaufstieg Chinas ausschließlich auf der westlichen Aufklärung, also einer rationalistischen platonischen Philosphie beruht. Der Aufstieg Chinas ist also geborgt und im Inneren hohl.

Darauf setzen wohl die Neo-Straussianer. Sie vergessen dabei nur, dass die Offenbarungsphilosophie mitnichten amerikanisch ist und das, was wir unter amerikanisch kennen, nichts anderes ist als die Mickymausversion von Europa.

Bei diesem Dingen würde also alles für Russland sprechen, die einzige in sich gefestigte Nation, wenn nicht Russland, und so sieht es aus, die russische Seele, im Innersten vom Bolschewismus zerstört worden wäre. Das, was wir heute von Russland kennen, ist etwas ganz anderes als das Russland Dostojewskis (und vieler anderer russischer Autoren).

Ich bleibe dabei: Die Neo-Straussianer können zwar jede Kultur, die sie selber nicht haben, zertören; es wird aber aus diesem Denken niemals eine lebensfähige Kultur entstehen. Wobei die Aussichten für das platonsche, rationale, aufgeklärte Denken durchaus schlecht sind. Es wird aber keine Offenbarungsphilosophie folgen, sondern ein "Ende der Geschichte" (was keineswegs identisch ist mit einem Ende der Menschheit. "Geschichte" gibt es seit etwa 6.000 Jahren, die Menschheit seit mind. 200.000 Jahren.

Gruß Mephistopheles


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