Wie begründen West-Unternehmen den Wegzug aus Russland?

Manuel H., Sonntag, 17.04.2022, 07:08 (vor 1393 Tagen)2425 Views
bearbeitet von Manuel H., Sonntag, 17.04.2022, 07:14

Das französische Kosmetikunternehmen L'Occitane hat beschlossen, alle Geschäfte und Online-Shops in Russland aufgrund der russischen Sonderoperation in der Ukraine zu schließen.

Meldung 16.04.2022 15:10 Uhr
https://test.rtde.live/international/131481-live-ticker-zum-ukraine-krieg/

Wie begründet das Unternehmen seinen Schritt, der nichts anderes als teuer und geschäftsschädigend ist?

Angesichts des unermesslichen menschlichen Leids, das durch die Eskalation der Kämpfe in der Ukraine verursacht wurde, und um unsere Mitarbeiter weltweit vor möglichen öffentlichen Angriffen zu schützen, haben wir beschlossen, unsere Geschäfte und Online-Shops in Russland zu schließen.

Was ist da eigentlich los? Solche Schritte hätte man längst wegen des unermesslichen menschlichen Leids in Afghanistan im gesamten Westen durchführen müssen. Oder in der ganzen Welt wegen des ganz allgemeinen unermesslichen Leids, das an allen möglichen Stellen verursacht wird. Ob in ganz China wegen der Uiguren und der Tibeter, in der arabischen Welt wegen Jemen, Palästina, Syrien, Libyen.

Knallen da hochbezahlte festangestellte Manager durch? Ein Manager eines kapitalistischen Unternehmens wird dafür bezahlt, die Gewinne der Anteilseigner zu mehren, nicht wegen irgendwelcher ideologischer privater Befindlichkeiten das Unternehmen gegen die Wand zu fahren. Wegen wesentlich geringerer Fehlleistungen (Gewinnwarnung einen Tag zu spät abgegeben) wurden solche Manager (richtiger deren Versicherungen) zu hohem Schadensersatz verurteilt.

Natürlich steht es jedem Unternehmensmanager frei, für das Unternehmen und für deren Eigner schädliche und teure Fehlentscheidungen zu treffen, beispielsweise eine wirtschaftlich unbegründete Massen-Betriebsschließung.
Aber auch bei Harakiri-Fehlentscheidungen müssen die Gesetze eingehalten werden.

Wo sind eigentlich die Sozialpläne für die betroffenen Angestellten in Russland? Wie werden eigentlich alle Pacht-, Kredit- und Lieferverträge einverständlich aufgelöst und wie hoch sind die zu leistenden Entschädigungen?

Interessant auch die nachgeschobene Zweit-Begründung:
"um unsere Mitarbeiter weltweit vor möglichen öffentlichen Angriffen zu schützen"

Offensichtlich werden die Mitarbeiter in Russland nicht angegriffen, sonst hätte das Erwähnung gefunden. Also ausgerechnet in dem Land, in dem die Mitarbeiter in Sicherheit sind, da werden die Filialen geschlossen? Wie gaga ist das denn?

Hat eigentlich irgendwer davon berichtet, dass Kosmetik-Fachverkäuferinnen deswegen angegriffen wurden, weil deren Chef eine Filiale in Russland haben könnte? Also entweder lügt das Unternehmen frech oder die "weltweiten" Angriffe auf Kosmetik-Fachverkäuferinnen werden von der gesamten West-Presse unterdrückt.

Als Anteilseigner würde ich nicht nur eine Schadensersatzklage anstrengen, ich würde auch professionelle Weißkittel zum Führungspersonal für eine eingehende Untersuchung vorbeischicken wollen.

PS Ich hab mal einen befreundeten Immobilienbesitzer angesprochen, weshalb in seinem Haus die Hamburger-Filiale seit über einem Jahr leersteht. Seine Antwort: Die Filiale habe sich für den (ausländischen) Pächter nicht rentiert, aber da der einen 10-Jahres-Vertrag abgeschlossen habe, sei ihm das egal, ob da geöffnet oder zu ist. Die ihm bislang vorgelegten Vergleichsvorschläge, um den Pachtvertrag aufzulösen, beantwortet er nicht. :-)


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