Der Dollar frisst den Euro - Michael Hudsons Analyse der europäischen Misere

Naclador @, Göttingen, Freitag, 08.04.2022, 06:12 vor 1402 Tagen 3180 Views

Morgen,

Michael Hudson hat analysiert, was die EU sich gerade völlig unnötigerweise selbst antut, und zeichnet die Konsequenzen für ihrer Zukunft:

http://thesaker.is/the-dollar-devours-the-euro/

Spoiler: Es sieht nicht hübsch aus.

Gruß,
Naclador

nur eine lineare Betrachtung, ist nicht tiefgehend genug

mh-ing @, Freitag, 08.04.2022, 14:48 vor 1402 Tagen @ Naclador 1567 Views

Diese Betrachtung sieht nur Euro-Dollar isoliert und nicht global. Was passiert mit dem Dollar global, wenn das Vertrauen in seine Verlässlichkeit so wie aktuell gegeben, zerstört wurde. Wenn die USA/Nato nach Belieben den Dollar/Euro einem nehmen können, die Zahlungen blockieren, alle Werte einfrieren und noch an die Unternehmenswerte gehen, was bedeutet das für das Vertrauen? Solange die USA als Militärmacht unangefochten sind, können die das durchziehen. Aber wenn der Hegemon wankt, gehen die Vasallen und suchen sich neue Partner. Genau diese Entwicklung zeigt sich teils jetzt schon. Dann aber, wenn die Vasallen der Welt (außer der EU) nicht mehr trauen, muss das hinsichtlich dem Dollar sich markant auswirken. Dann ist letztlich das Verhältnis Dollar/Euro nicht mehr der Maßstab und nicht mehr relevant, sondern die Zahlungsbilanz zwischen den Staaten und deren Währung definiert die neuen Relationen.
Ob wir jetzt schon soweit sind? Das ist m.E. noch nicht sicher ausgemacht. Der Krieg zieht sich und erst nach Monaten (vermutlich Spätsommer) sind die Auswirkungen so deutlich erkennbar, dass man genaueres weiß. Es wird sich zeigen, wer den längeren Atem hat in diesem Krieg und mir scheint, dass es nicht der Westen ist.

Längerer Atem

Mephistopheles, Freitag, 08.04.2022, 15:51 vor 1402 Tagen @ mh-ing 1578 Views

Ob wir jetzt schon soweit sind? Das ist m.E. noch nicht sicher ausgemacht. Der Krieg zieht sich und erst nach Monaten (vermutlich Spätsommer) sind die Auswirkungen so deutlich erkennbar, dass man genaueres weiß. Es wird sich zeigen, wer den längeren Atem hat in diesem Krieg und mir scheint, dass es nicht der Westen ist.

In der Krise werden die Demokratien demokratisch. Das bedeutet, das demokratische System der Machtzedierung gelangt an sein Ende und und das Volk meldet sich zurück. Da das Volk als Subekt in einer Demokratie aber nicht handlungsfähig ist, greifen Einzelne nach der Macht, zu deren Objekt die Masse wird. Wobei es sich bei den Einzelnen, insbesondere in Vielvölkerstaten, auch um Mehrere handeln kann. Entweder führt das zu einem Bürgerkrieg wie in Rom nach der Ermordung Cäsars (eines der wenigen Beispiele wo der wirtschaftlich rückständigere, aber nicht so dekandente Teil über den wirtschaftlich erfolgreicheren, aber dekadenteren Teil gesiegt hat) oder das Gebiet zerfällt in mehrere Staaten wie Österreich-Ungarn oder die Sowjetunion.

Gruß Mephistopheles

kontrolliere und unkontrollierte Krise

mh-ing @, Freitag, 08.04.2022, 16:30 vor 1402 Tagen @ Mephistopheles 1662 Views

Der Übergang zu solchen kleinteiligen Resten wäre das Ergebnis, wenn man den Dingen ihren freien Lauf ließe und eben nicht manipulierte. Das war vielleicht früher mal so, jetzt aber bestimmt nicht. Der Krieg wurde antizipiert, die Rohstoffkrisen, die Versorgungskrise gesamt ist insziniert und geplant. Daher wird das auch für den weiteren Verlauf gelten. Seitens der USA wurde gewettet, dass Russland das nicht aushält und China/Indien und diverse Staaten die Treue verweigern. Auf Seiten Russland wird mit der Abkehr vieler Länder von USA/EU/Nato gerechnet, so dass eine Neuordnung danach möglich wäre.
Die EU hat so viel Kraft investiert in ihre Struktur, so viel Jahre dort aufgebaut, so dass ich auch nicht glaube, dass diese Eliten ihr Lebenswerk so einfach aufgeben werden.
Meine Meinung ist -da stehe ich sicher noch ziemlich alleine da - dass die meiste Welt sich von den USA verabschieden werden, deren Hochmut, deren Ignoranz sie längst leid sind. Aber es geht nicht ohne Europäer. Daher hoffen sowohl Russland als auch China, dass das Kerneuropa umdenkt in dieser Krise und sich für ein Weiteleben ohne die USA entscheiden, sich also abkehren von dem Hegemon. Die Briten sind ja schon weg und daher das Kern-Festlands-Europa unabhängiger. Nur sind dort überall die Agenten der USA/GB installiert, die Medien völlig vereinnahmt.
Aber wenn eben diese Krise kommt, die Völker sehen, was denn so auf sie zukommt und welche Optionen da sind, kann es sein, dass eben ein Umschwenken passiert und die EU sich emanzipiert, abgrenzt von den USA. Letztlich erzwingen die USA mit ihrem Zwang dies. Die EU kann ohne die Kohle, das Gas, das Öl und die Rohstoffe aus Russland nicht durchkommen. Bereits der nächste Winter würde sehr kalt werden. Da helfen alle Treueschwüre nicht, wenn die Leute frieren, Strom/Wärme und auch viele Lebensmittel fehlen, dann ist Unruhe und Umsturz angesagt. Das aber wäre das Ende des EU-Traums und das EU-Großreich wäre zerstört.
Das wird die EU-Elite und der Vatikan nicht wollen. Man wird daher dem Volk, der Masse eine Alternative darstellen, eine Lösung anbieten (alternativlos wie immer) und die Masse wird das tun. Wir werden daher ein Szenario wie um 1930 herum haben. Um zu überleben, um aus der Gängelung der USA sich zu befreien, wird die EU sich krass ändern und umsteuern. Jedoch zum Preis eines neues Systems, einer neuen Art Diktatur und womöglich einem neuen Euro-Hitler.

Für China, Russland und viele andere Länder wäre es das bessere. Der EU-Markt wäre da, die EU ist keine Weltmacht, würde in dem Chor der Länder besser sich integrieren und ist im Handel der Güter ausgeglichener als die USA. Die USA wäre dann außen vor, bliebe eine starke Macht aber mit deutlichem Verlust gegenüber jetzt. Womöglich passiert der USA das, was der demokratische Umsturz bedeutet, dass nämlich es im Bürgerkrieg zerfällt, bis es sich neu gesamt ordnen kann.

Aber wie gesagt, man wird erst im Laufe des Jahres klarer sehen, erkennen, was wahrscheinlicher wird. Wenn die Versorgung nicht klappt und nicht geklärt wird, dann sind wir hier in der EU in großen Nöten.

der Krieg wird lange dauern

FredMeyer @, Mitten in der Karibik, Freitag, 08.04.2022, 18:51 vor 1402 Tagen @ mh-ing 1527 Views

Aber wie gesagt, man wird erst im Laufe des Jahres klarer sehen, erkennen, was wahrscheinlicher wird. Wenn die Versorgung nicht klappt und nicht geklärt wird, dann sind wir hier in der EU in großen Nöten.

Das, was die regierungstreuen Medien in die Posaunen tröten, reicht nicht um die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu erklären. Die Idee von 1930 ist gar nicht so weit hergeholt. Als Ing sollte man doch wissen, dass die notwendigen Beschaffungsprojekte weit mehr als nur 6 Monate erfordern, dann nämlich neigt sich bereits das Jahr dem Ende zu, benötigt wird aber ein weiterer Zeitraum von wenigstens 1 Jahr und mehr, um dann vielleicht einen Silberstreif am Horizont erkennen zu können.

Seit knapp 60 Jahren gibt es Gas aus Russland, das hat bisher reibungslos funktioniert, trotz Raketen auf Kuba. Und jetzt deformieren ein paar wild gewordene Cowboys sowie hysterische Furien ein bis dahin funktionierendes System. Die Cowboys werden ums Überleben kämpfen müssen, der Krieg wird lange dauern.

--
Fred

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