Preisfrage: Kann Russland die Zinsen für seine Staatsanleihen auszahlen. Wollen die USA einen technischen Default?

Martin @, Donnerstag, 07.04.2022, 20:38 vor 1402 Tagen 3844 Views

Die USA verhindert, dass Russland seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommt. Es gibt Zahlungen, für deren Leistung Russland noch etwas weniger als 30 Tage Zeit hat. Die nominale Währung ist in Dollar. Die USA verhindern, dass Russland auf die eingefrorenen Reserven zugreifen kann und dass Russland in Dollar bezahlt. Russland sagt inzwischen, dass die Zahlungen in Rubel erfolgen sollen. Die USA sagen, 'das gilt nicht', laut Prospekt muss in Dollar bezahlt werden.

Was wollen die USA erreichen?

Durch das Einfrieren der russischen Konten können die USA zumindest erreichen, dass Russland auf die nun eingeschränkten Reserven unter eigener Kontrolle zurückgreifen muss. Wenn Russland an der Auszahlung gehindert wird, geht das doch ins Leere. Was könnte für Russland auf den ersten Blick besser sein? Gelackmeiert wären viele Anleger im Westen.

Wollen die USA also lieber einen technischen Default erzwingen? Was hätte das zur Folge, außer, dass Russland Geld spart? Die Anleger weltweit wissen ja, was gespielt wurde und werden in Zukunft eh keine russischen Staatsanleihen mehr kaufen.

Ich kenne die Prospekte nicht, und weiß also nicht, wie die Zahlung in Rubel passt. Möglicherweise muss irgendein Schiedsgericht entscheiden. Werden die Zinsen dann aber nicht überwiesen, müssten die betroffenen Anleger doch den verantwortlichen Staat verklagen können. Oder sehe ich das falsch?

Dann könnte weltweit auf russisches Eigentum zugegriffen werden.

eesti @, Schwedt und Cranz(Ostpreußen), Donnerstag, 07.04.2022, 20:45 vor 1402 Tagen @ Martin 3437 Views

Ein heißes Eisen.

--
MfG
LR

Alles ist ein Windhauch.

Das hatte ich nicht auf dem Schirm. Haben nicht die Argentinier damit Erfahrung?

Martin @, Donnerstag, 07.04.2022, 21:50 vor 1402 Tagen @ Ortelius 2976 Views

Dann entscheiden amerikanische Gerichte über Pfändungen u.ä.. Da spürt man formlich, dass die USA gerne ein kleines Weltkriegchen hätten.

Den Krieg haben sie doch schon

FOX-NEWS @, fair and balanced, Freitag, 08.04.2022, 08:26 vor 1402 Tagen @ Martin 2125 Views

Wenn man Staats- und Privatvermögen eines Landes mutwillig konfiziert, dann ist das eine Form von Piraterie und ein Kriegsakt. Die Kaperbriefe stellen hier die Parlamente aus.

Ich bin gespannt wie der Konter aussieht. So sanft wie diese Rubelgeschichte dürfte der nicht ausfallen ...

Grüße

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Afuera!

Pfändungen

JJB @, Dresden, Freitag, 08.04.2022, 07:42 vor 1402 Tagen @ Ortelius 2202 Views

das wurde bei GR auch diskutiert, es trifft aber nur private.
Gut, eine Staatsyacht oder einen Regierungsflieger könnte man pfänden, das passierte bei Argentinien mal,
aber Lawrow würde dann halt eine Videokonferenz machen oder mit Linie fliegen.
Selbst die Konsulate (immobilien) kann man nicht pfänden, daß diese als exterritorial gelten.
(genaues weiß ich nicht - aber das habe ich im zug der GR Krise alles so noch in Erinnerung).

--
"das ist die Seuche unserer Zeit: Verrückte führen Blinde!" (Shakespeare, King Lear)

Wer bekommt dann den Erlös? owT

Martin @, Freitag, 08.04.2022, 06:46 vor 1402 Tagen @ eesti 1965 Views

Barzahlung

Ötzi @, Donnerstag, 07.04.2022, 22:12 vor 1402 Tagen @ Martin 3325 Views

bearbeitet von Ötzi, Donnerstag, 07.04.2022, 22:23

Russland sollte eine zentrale Kasse in Moskau einrichten, an der unfreundlichen Staaten und Unternehmen aus diesen Ländern ab sofort alles in Bar bezahlen müssen, und zwar in Euro bzw. Dollar, ganz wie es in den Verträgen festgelegt ist.
Wobei nur benutzte Scheine akzeptiert werden, keine neu gedruckten.
Zinszahlungen und Rückzahlungen von Staatsanleihen in Euro oder Dollar können ebenfalls nur an der Moskauer Zentralkasse in Bar ausgezahlt werden.
Auf jede Einzahlung werden 25% Sondersteuer zur Wiedereintreibung der eingefrorenen Auslandsguthaben fällig, und auf jede Auszahlung werden 25% Sondersteuer in Abzug gebracht.

Desweiteren gilt: Ausgezahlt wird überhaupt nur, wenn vorher entsprechend eingezahlt wurde. Die Kasse startet bei 0.
Keine Einzahlung-->kein Gas.

Klappe zu Affe tot.

Viele Wege führen in den Hades des Dollars.

nereus @, Freitag, 08.04.2022, 08:04 vor 1402 Tagen @ Martin 2483 Views

Hallo Martin!

Du fragst: Wollen die USA einen technischen Default?

Es sieht danach aus.

Die USA verhindert, dass Russland seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommt. Es gibt Zahlungen, für deren Leistung Russland noch etwas weniger als 30 Tage Zeit hat. Die nominale Währung ist in Dollar. Die USA verhindern, dass Russland auf die eingefrorenen Reserven zugreifen kann und dass Russland in Dollar bezahlt.

Die Amis haben Russland aber von Zahlungen in US-Dollar abgeklemmt.
Das ist der Irrsinn des 21.Jahrhunderts schlechthin.
Sie gebieten Verträge in einer Währung und sanktionieren dann Teilnehmer diesen Vertragsbedingungen nachzukommen.
Damit lösen sich theoretisch solche Verträge auf – so einfach ist das.

Russland sagt inzwischen, dass die Zahlungen in Rubel erfolgen sollen. Die USA sagen, 'das gilt nicht', laut Prospekt muss in Dollar bezahlt werden.

Zunächst einmal gehen die Russen so vor, wie sie es für richtig halten.
Wenn der Greenback nicht mehr genutzt werden kann, bietet man Rubel, die eigene Landeswährung.
Das ist sehr vernünftig, denn der Schuldner hat keine andere Wahl.
Der geniale Putin arbeitet seinen Strategie-Katalog Schritt für Schritt ab. [[top]]

Die Anleger weltweit wissen ja, was gespielt wurde und werden in Zukunft eh keine russischen Staatsanleihen mehr kaufen.

Da wäre ich mir noch nicht so sicher.
Es wär ebenso möglich die Auszahlungen mit Rohstofflieferungen zu verrechnen.
Es müssen nur Banken dazwischen geschaltet werden, die einmal die Zinszahlungen treuhänderisch übernehmen können und die andererseits eine Gegenleistung für ihre Zahlungen erhalten.
Die Chinesen warten vermutlich schon darauf und dann können die Amis gerne auch China sanktionieren ..

Nehmen wir doch einmal an, die Russen würden das mit Gold besichern.
Die Zinsforderungen liegen, wenn ich nicht irre, bei 650 Millionen, was also locker mit Gold unterlegt werden könnte.
Das wäre ein Signal schlechthin, denn so etwas gab es in der Papiergeld-Dystopie der letzten 50 Jahre noch nie.
Dollar-Zahlungen auf Gold-Basis!
Das ist in Krisenzeiten ein äußerst verführerisches Angebot.

Das würde eher Anleger anlocken als abschrecken.
Und der wild gewordene Cowboy sorgt gerade dafür, daß er alle bislang willigen Käufer in Angst und Schrecken versetzt.

Es wird sich bald sehr viel ändern.
Charon wartet schon auf den Greenback .. und auch auf die EU. [[zigarre]]

mfG
nereus

Wer hält eigentlich die russische Staatsverschuldung (wer ist der Gläubiger)?

Manuel H. @, Freitag, 08.04.2022, 08:43 vor 1402 Tagen @ nereus 2151 Views

Dr. Gregor Gysi wurde da einmal tätig und hat in seiner Eigenschaft als Abgeordneter des Bundestages bei Banken nachgefragt, wer eigentlich der Gläubiger der (ständig steigenden) Staatsschulden der BRD sei.

Antwort: Das wisse man nicht.

Gysi empfand das als skandalös.

Weiß einer, wer die Gläubiger sind? Sicherlich nicht der Facharbeiter Schmitz in Wanne-Eickel.

Als die argentinischen Staatsanleihen von Argentinien als nicht rückzahlbar tituliert wurden, kauften die üblichen Verdächtigen der Heuschrecken diese zu 5% Nennwert auf, übten über Jahre über die US-Justiz Druck auf Argentinien auf (Beschlagnahmungen, Pfändungen usw.) bis Argentinien einknickte und versprach, erstens die Staatsschulden zu 100% anzuerkennen und zweitens die (sehr hohen) Zinsen nachzubezahlen. Den Verlust hatten dann die privaten, kleinen Anleger, bzw. die großen Lebensversicherungen der kleinen Leute, die gesetzlich in sehr "sicheren" Investitionen, in "mündelsicheren" Anlagen (also Staatsanleihen) zu investieren haben.

auf die schnelle - Investment-Fonds und französische bzw. deutsche Banken

nereus @, Freitag, 08.04.2022, 09:24 vor 1402 Tagen @ Manuel H. 2292 Views

Hallo Manuel!

Hier eine kleine Info dazu:

Die eigentlichen Verlierer seien die vor allem institutionellen Anleger, die nun aus regulatorischen Gründen weit unter dem Nennwert ihre russischen Staatsanleihen verkaufen müssten.
Betroffen sind offenbar vor allem europäische Banken wie Société Générale und die Raiffeisen Bank International, in geringem Maße auch deutsche Geldinstitute und Fondsgesellschaften sowie Pensionsfonds.

Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/warum-das-anleihenverbot-russland-kaum-tr...

mfG
nereus

Das ist ja nur die halbe Story

Manuel H. @, Freitag, 08.04.2022, 10:03 vor 1402 Tagen @ nereus 2273 Views

Wir halten fest, die Institutionen, die das Ersparte des "kleinen Mannes" verwalten, damit der kleine Mann wegen fehlender gesetzlicher Rente im Alter noch irgendwie über die Runden kommt, mußten nun erhebliche Verluste realisieren, nicht wegen ökonomischen Sachverstandes, sondern wegen nicht näher erläuterter "regulatorischer" Zwänge. Sie wurden also zum Verkauf gezwungen, natürlich zum ungünstigsten Zeitpunkt.

So kann man Vermögensumverteilung von unten nach oben auch gesetzlich festschreiben.

Den geschädigten Anlegern (die Banken sind nur deren Verwalter) hätte man die Staatspapiere ja eigentlich zu den gaga Preisen auch anbieten können, zu denen nun offensichtlich die üblichen Verdächtigen um George Soros et altera zugegriffen haben.

Interessant, dass die Verkaufspreise nicht genannt werden. Haben die Verwalter der Alterssicherungen der kleinen Leute nun an die Big Player 10%, 50% oder 95% der anvertrauten Anlegergelder verloren (=gezahlt)?

Die Info "auf die Schnelle" erzählt auch nur, wer Halter der Staatsanleihen gewesen (!) ist, dass diese vom Westen (!) gezwungen wurden, sie weit unter Preis zu verkaufen und es jetzt neue Halter gibt, die trotz Sanktionen diese Dinger kaufen konnten (wieso dürfen die das eigentlich?)

Die haben jetzt fette Buchgewinne gemacht und die haben jetzt den Anspruch auf die Zinsen. Wer sind die neuen Gläubiger?

Ich würde russische Staatsanleihen kaufen

der_Chris @, Nördl. Ruhrgebiet, Freitag, 08.04.2022, 11:27 vor 1402 Tagen @ Manuel H. 2199 Views

aber leider geht´s ja nicht.

Ich erinnere mich, dass Anfang der 80er meine Großtante einen nicht ganz unerheblichen Betrag in (ich bin mir nicht mehr zu 100% sicher) australische Anleihen investierte, ganz galant über die Volksbank im Dorf. Nix Internet und Online...

Die boten damals einen unvorstellbaren Zinssatz an und die Großtante verdoppelte den Einsatz in einer recht überschaubaren Zeit.

Von den (und auch weiteren geschickten Investments der Großtante) profitiert mein Cousin heute noch.

Sieg oder Blut am Pfosten[[top]]

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Gruß
Der_Chris

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